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Studie des Deutschen Jugendinstituts

Acht von zehn LGBT-Jugendlichen erleben Diskriminierung

Das neue Buch "Coming-out – und dann…?!" hat die Erfahrungen von 5.000 queeren Menschen zwischen 14 und 27 ausgewertet. Überdurchschnittlich viele meiden Vereinssport.


In der Familie sind die LGBT-Jugendlichen oft damit konfrontiert, dass ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Zugehörigkeit nicht ernst genommen, ignoriert oder nicht mitgedacht wird (Bild: The Gilbert Centre)

Mehr als 80 Prozent der LGBT-Jugendlichen in Deutschland werden diskriminiert – obwohl in den vergangenen Jahren die Akzeptanz gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zugenommen hat. Am häufigsten erleben junge Queers Diskriminierungen in der Öffentlichkeit, in Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in der Familie und im Freundeskreis. Diese Erfahrungen beschreiben die beiden Wissenschaftlerinnen Claudia Krell und Kerstin Oldemeier vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in ihrem neuen Buch "Coming-out – und dann…?!" (Amazon-Affiliate-Link ). Es basiert auf einer bundesweiten Online-Befragung von 5.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 27 Jahren und 40 persönlichen Interviews.

Fast die Hälfte der Jugendlichen wird in der Schule oder am Arbeitsplatz diskriminiert. Dort sind sie teils Spott, Beleidigungen und Beschimpfungen ausgesetzt, teils werden sie sozial ausgegrenzt oder sogar körperlich attackiert. Häufig empfinden LGBT-Jugendliche den Umgang anderer mit ihrer geschlechtlichen Zugehörigkeit oder sexuellen Orientierung nicht als angemessen.


Grafik aus der Coming-out-Studie 2017 des DJI

In der Familie sind die Jugendlichen vor allem damit konfrontiert, dass ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Zugehörigkeit nicht ernst genommen, ignoriert oder nicht mitgedacht wird. Auch im Freundeskreis kommt es neben vielen positiven Erfahrungen auch zu Diskriminierungen. Einem Teil der Jugendlichen gelingt es, solche Erfahrungen konstruktiv zu verarbeiten. Dabei ist der Rückhalt durch Freunde wichtig.

Auch das Internet spielt eine große Rolle, um sich auszutauschen, zu vernetzen und zu informieren – zum Beispiel über spezifische Beratungs- und Freizeitangebote. Eine zentrale Strategie im Umgang mit befürchteter Diskriminierung ist jedoch Vermeidung und Verzicht: So nehmen beispielsweise überdurchschnittlich viele der queeren Jugendlichen nicht am Vereinssport teil.

Mit dem Coming-out wird lange gezögert


Das 260 Seiten umfassende Buch ist im Verlag Barbara Budrich erschienen

Bis zum Coming-out vergehen meist mehrere Jahre. Aus Angst vor möglicher Ablehnung versuchen Jugendliche längere Zeit, ihr Empfinden zu unterdrücken, und ziehen sich sozial zurück. Dies kann mitunter zu psychischen Erkrankungen wie etwa Depressionen führen. Obwohl es insgesamt häufig zu Diskriminierungen kommt, wird die Reaktion auf das erste Coming-out fast durchgehend als sehr gut oder eher gut bewertet. Zwei Drittel der Jugendlichen vertrauen sich zuerst einer Person aus dem Freundeskreis an.

Innerhalb der Familie spielen Mütter die wichtigste Rolle; an sie wenden sich zwölf Prozent der Jugendlichen beim ersten Coming-out. Orte, an denen viele Jugendliche ein Coming-out vermeiden möchten, sind religiöse Gruppen oder Gemeinden, soziale Netzwerke und Sportvereine. Es kann davon ausgegangen werden, dass sie dort aufgrund der heterosexuellen und binären Geschlechterordnung besonders negative Situationen befürchten. Welche Erfahrungen LGBT-Jugendliche in Freizeit und Sport konkret machen, erhebt aktuell eine weitere DJI-Studie.

Das Buch "Coming-out – und dann…?!" stellt die Diskriminierungserfahrungen und Coming-out-Verläufe queerer Jugendlicher dar und beschreibt, welche Relevanz die Ergebnisse für Jugendpolitik, pädagogische Praxis und Gesellschaft haben. Die dem Buch zugrunde liegende Studie wurde vom Bundesfamilienministerium gefördert. (cw/pm)

Infos zum Buch

Claudia Krell, Kerstin Oldemeier: Coming-out – und dann…?! Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. 260 Seiten, Verlag Barbara Budrich. Leverkusen/Opladen 2017. 28 Euro. ISBN: 978-3-8474-0572-6

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#1 WoDennNichtAnonym
  • 13.09.2017, 07:38h
  • "Am häufigsten erleben junge Queers Diskriminierungen in der Öffentlichkeit, in Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in der Familie und im Freundeskreis."

    Ja was bleibt denn dann noch? Die Kirche? Kann man nicht wirklich glauben, dass es dort besser sein sollte...
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#2 MariposaAnonym
  • 13.09.2017, 08:39h
  • Antwort auf #1 von WoDennNicht
  • Vor allem dann nicht, wenn es sich um die frömmelnde Fraktion von DfA und Konsorten handeln sollte.... Die tragen nämlich einen nicht unwesentlichen Teil Mitschuld an solchen Zuständen. Da schwillt mir jedes Mal der Kamm, wenn zu hören ist von "besorgten Bürgern", denen es um das Wohl ihrer Kinder geht.
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#3 TimonAnonym
  • 13.09.2017, 09:00h
  • Das ist ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft.

    Aber auch für die Politik, die immer noch volle rechtliche Gleichstellung, besseren Diskriminierungsschutz und mehr Aufklärung verzögert, abschwächt oder ganz verhindert.

    Da wird dann ernsthaft diskutiert, ob es vielleicht zu schnell gehe und manche Leute, die es überhaupt nicht betrifft, vielleicht überfordern könne. Währenddessen sind die Menschen, die es wirklich betrifft, alltäglicher Diskriminierung, Mobbing und Gewalt ausgesetzt.
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