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Persönliches "NRZ"-Interview

Schwuler Bürgermeister über seine Angst vorm Coming-out: "Ich habe mich erschießen wollen"

Emmerichs Stadtoberhaupt Peter Hinze (SPD) rät jungen Homosexuellen von einem Versteckspiel ab. Einen Tag vor Inkrafttreten der Ehe für alle wird er sich verpartnern.


Peter Hinze wurde am 27. September 2015 in einer Stichwahl zum hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Emmerich gewählt. Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre (Bild: Stadt Emmerich)

  • 14. September 2017, 03:58h 70 2 Min.

Als Peter Hinze und sein langjähriger Partner Hubertus Pooth den Termin auf dem Standesamt ausmachten, war an die Ehe für alle noch nicht zu denken. So wird sich Emmerichs Bürgermeister ausgerechnet am 30. September verpartnern – dem allerletzen Tag, an dem das Sonderinstitut für lesbische und schwule Paare geschlossen werden kann.

Anlässlich der anstehenden Feier sprach der 57-jährige SPD-Politiker mit der "NRZ" erstmals ausführlich über seine Homosexualität und sein schwieriges Coming-out inklusive Selbstmordgedanken. Erst 2004 sei er sich seiner Homosexualität bewusst geworden – als Bundeswehroffizier und verheirateter Familienvater mit einem Sohn.

"Ich habe mich erschießen wollen. Ich hatte große Angst vor den Reaktionen in meinem Umfeld", erklärte Hinze gegenüber der Regionalzeitung. In dem bewegenden Artikel heißt es über ihn: "Er weiß, dass er mit dem Outing seinen Lieben auch weh tun wird. Ihn überkommen Fluchtgefühle, bei der Bundeswehr wollte er sich versetzen lassen."

Klaus Wowereits "Und das ist auch gut so" machte Mut

Kraft gegeben habe ihm damals das Coming-out von Klaus Wowereit auf dem Berliner SPD-Parteitag ("Ich bin schwul, und das ist auch gut so") sowie das Verständnis einer politischen Weggefährtin. Wenn er heute über diese schwere Zeit in seinem Leben spreche, wolle er jungen Lesben und Schwulen Mut machen, meinte Hinze gegenüber der "NRZ": "Im Doppelleben wird man Zeit seines Lebens nicht glücklich. Das Versteckspiel raubt ungeahnte Möglichkeiten. Das, was man nach seinem Coming-out gewinnt, kriegt man nicht formuliert. Es ist unglaublich, wie erleichternd das ist."

Seinen Partner, einen Gastronomen, habe er vor elf Jahren kennengelernt, sagte Peter Hinze. Seit acht Jahren sind sie ein Paar. Verpartnert werden sie allerdings nicht lange bleiben: Nach dem 1. Oktober soll die eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umgeschrieben werden. (cw)

-w-

#1 TraumzerstörerinAnonym
  • 14.09.2017, 06:33h
  • Hallo Leute,

    Gesichten wie diese, sind ja typisch für schwule Männer, man hört sie oft. Dabei sind aber einige Aspekte, ich ich persönlich nie nachvollziehen konnte. Ich bitte, dass mit das jemand der genau so eine, oder eine ähnliche Lebensgesichte hatte das mal erklärt, aus seiner persönlichen Sicht:

    Wie habt ihr es geschafft, mit jemandem zu schlafen, sogar eine Familie aufrecht zu erhalten, obwohl das eigentlich garnicht das was was ihr wolltet, vor allem das Sexuelle.
    Bei mir ist das nämlich so, das wenn ich auf jemanden nicht stehe, ich auch wirklich nie mit der Person schlafen könnte, da passiert garnichts.

    Wie habt ihr das alles geschafft, Partnerin bekommen, Heiraten, Kinder, Ehe, ohne das dort massive Diskrepanzen entstanden sein müssen, die auch der Partnerin auffielen?
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#2 spontiAnonym
  • 14.09.2017, 07:58h
  • Antwort auf #1 von Traumzerstörerin
  • Ich denke, das hat etwas mit dem Alter zu tun. Ich - Jahrgang 1960 - habe, als ich meine Sexualität entdeckte, nichts von Homosexualität gewusst oder erfahren können. (Deshalb ist es so wichtig, dass in Schulen darüber geredet wird).
    Ich war verwirrt, aber als ich entdeckte, dass ich mit Mädchen schlafen kann, habe ich das als jugendliche Verwirrtheit abgetan, und ja, es war zunächst in Ordnung so, weil ich mit Homosexualität nicht in Berührung kam.
    Ich hatte verinnerlicht, ich bin Hetero.
    Das ließ sich nicht halten im Laufe der Jahre und ein langer innerer Prozess begann, wie ihn der Emmericher Bürgermeister richtig beschreibt.
    Ich bin so froh, wenn ich die jungen Schwulen sehe, die diesen Weg nicht gehen müssen. Andererseits bin ich dankbar für meinen wunderbaren Sohn, der mich denken lässt, dass dieser schmerzhafte Weg einen Sinn hatte.
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#3 FelixAnonym
  • 14.09.2017, 08:25h
  • "Im Doppelleben wird man Zeit seines Lebens nicht glücklich. Das Versteckspiel raubt ungeahnte Möglichkeiten. Das, was man nach seinem Coming-out gewinnt, kriegt man nicht formuliert. Es ist unglaublich, wie erleichternd das ist."

    Da kann ich mich nur anschließen.

    Solange man sich selbst verleugnet, weiß man gar nicht, was man verpasst und wie frei und glücklich man nach seinem Outing ist.

    Wenn die Schmierenkomödie endlich vorbei ist und man nicht mehr bei jedem Handeln und jedem Reden aufpassen muss, dass man sich nicht verrät, weiß man erst, was man sich selbst angetan hat.

    Danach bereut man jeden Tag, den man gewartet hat.

    Und ganz ehrlich: wer einen danach nicht mehr mag, nur weil man etwas sagt, was auch vorher schon der Fall war, hat einen niemals wirklich gemocht. Denn das war ja auch vorher schon Teil von einem und man bleibt derselbe Mensch - nur dass man nicht mehr sich selbst und andere belügt.

    Deswegen kann ich nur jedem raten:
    Seid offen. Seid frei.
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