https://queer.de/?29707
Ana Brnabic
Belgrad: Ministerpräsidentin verstärkt einen CSD im Aufbruch
Mit der neuen lesbischen Regierungschefin als Gast blieb der Pride im Vergleich zu Vorjahren friedlich.

Ana Brnabic am Sonntag beim CSD in Belgrad
- Von Norbert Blech
17. September 2017, 17:44h 2 Min.
Erstmals hat in Serbien ein Regierungsoberhaupt am lange umkämpften CSD in Belgrad teilgenommen. Die Ende Juni vom Parlament ins Amt gewählte Ministerpräsidentin Ana Brnabic betonte am Sonntag: "Die serbische Regierung ist für alle Bürger da, sowohl für die Mehrheit als auch für die Minderheiten". Sie wolle ein Signal senden, dass Vielfalt eine Gesellschaft stärker mache, "dass wir zusammen mehr erreichen".

Die Gäste von ILGA Europe lobten die "gute Stimmung" des diesjährigen CSD. Man hat schon anderes gesehen. Bild: ILGA-Europe / facebook
Es sei gut, dass es Antidiskriminierungsgesetze gebe und dass Gewalt gegenüber Minderheiten abnehme, betonte die 41-Jährige. "Aber es ist genau so wichtig, dass wir aufhören, uns mit Worten zu verletzen. Egal wieviel Schmerz ein Schlag ins Gesicht ausrichten kann, die Schwere eines Wortes ist oft viel verletzender."

"Unser Leben in vier Wänden" – Noch immer ist Homosexualität in Teilen der Gesellschaft Serbiens ein Tabu
Die Ex-Unternehmerin war im letzten Jahr vom damaligen Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic als Parteilose überredet worden, das Ministerium für öffentliche Verwaltung zu übernehmen. Sie wurde so im letzten Jahr das erste homosexuelle Regierungsmitglied des Landes – sie selbst betonte dazu, "keine Sprecherin der LGBTI-Community" sein zu wollen. LGBTI-Organisationen lobten die Ernennung als wichtigen Schritt zur Normalisierung und Sichtbarmachung der queeren Minderheit, blieben aber der Regierungskoalition aus der nationalkonservativen Serbischen Fortschrittspartei mit einer sozialistischen Partei als kleinen Partner kritisch gegenüber. Das Land, das Homo-Paare bislang rechtlich nicht anerkennt, müsse etwa mehr gegen Homo- und Transfeindlichkeit tun.
Gegendemonstrant in Untersuchungshaft
An dem CSD am Sonntag nahmen mehrere weitere Regierungsvertreter teil und auch der Bürgermeister von Belgrad. Mehrere tausend Teilnehmer zogen durch die Straßen der Innenstadt, geschützt von rund 2.000 Polizisten. Vor manchen kleineren Gegenprotesten von Nationalisten und Anhängern der serbisch-orthodoxen Kirche hatten die Beamten Straßensperren errichtet.

Einer von mehreren Gegenprotesten
Im Vergleich zu Vorjahren blieb es recht friedlich, auch wenn ein Pride-Gegner nach einem bislang recht unklaren Vorfall festgenommen und von einem Gericht vorläufig für bis zu 30 Tage in Untersuchungshaft gesteckt wurde – für die "Vorbereitung einer Tat gegen die Verfassung und Sicherheit Serbiens".
|
Noch 2010 hatten Nationalisten Teilnehmer des CSD mit Steinen und Brandbomben beworfen – fast 100 Menschen wurden bei den Ausschreitungen verletzt, die meisten davon Polizisten. In den Folgejahren war der Pride mehrfach aus Sicherheitsgründen verboten worden. 2014 kam es zu kleineren Ausschreitungen und der Festnahme von 50 Nationalisten, auch 2015 nahm ein Polizeigroßaufgebot etliche Gegendemonstranten fest, orthodoxe Priester segneten danach die Straßen der zuvor weiträumig abgesperrten Innenstadt neu.















Hihihi. Danke für den guten Lacher am Abend. Was keiner weiß: Mehrere Lederkerle haben in der Nacht darauf die Straßen erneut gesegnet, weil die Priester sie mit ihrer Anwesenheit beschmutzt haben ;-)