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Kompromiss nach jahrelangem Streit
Lesbische NS-Opfer bekommen eigene Gedenktafel
In der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück soll der homosexuellen Häftlingsfrauen gedacht werden – obwohl die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten keine Belege für eine gezielte Verfolgung sieht.

Bronzeplastiken vor der ehemaligen Lagermauer in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (Bild: ho visto nina volare / wikipedia)
- 19. September 2017, 09:29h 3 Min.
Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten will im ehemaligen Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück nun doch eine Gedenktafel zur Erinnerung an die lesbischen Häftlinge anbringen. Dies teilte Direktor Prof. Dr. Günter Morsch dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg am 15. September in einem Brief mit. Derzeit werde eine "zustimmungsfähige Formulierung erarbeitet und diskutiert".
Über eine Gedenktafel für die lesbischen NS-Opfer wird seit den Achtzigerjahren heftig gestritten. Mehrfach hatte die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entsprechende Anträge mit der Begründung abgelehnt, dass eine gezielte Verfolgung homosexueller Frauen im Nationalsozialismus nicht bewiesen sei.
Stiftung: Lesben auch nicht unter Vorwand inhaftiert
Auch im Brief an den LSVD schreibt Morsch, die anwesenden Mitglieder der Fachkommission hätten bei ihrer letzten Sitzung "übereinstimmend festgestellt, dass es nach dem bisherigen wissenschaftlichen Forschungsstand nicht belegt ist, dass lesbische Frauen wegen ihrer Homosexualität mit KZ-Haft bestraft wurden. Es lässt sich bisher auch kein einziger Fall finden (unter 139.000 Häftlingsfrauen), in dem nachweislich lesbisches Verhalten unter Vorwänden (z.B. als Asoziale) mit KZ-Haft sanktioniert wurde."
Nach Auskunft von LSVD-Landesgeschäftsführer Jörg Steinert läuft der Kompromiss nun auf ein Gedenken an die lesbischen Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück hinaus, wobei die verschiedenen Inhaftierungsgründe bzw. Haftgruppen auf der Tafel genannt werden sollen. Bereits 2011 gab es den Formulierungsvorschlag: "Im Gedenken an lesbische Frauen, die aus politischen, religiösen, rassistischen oder sozialen Gründen im KZ Ravensbrück in den Jahren 1939-1945 inhaftiert waren."
Der Lesben- und Schwulenverband hatte in der Debatte einen biografischen Ansatz favorisiert und eine Erinnerungstafel für die beiden lesbischen Straßenbahnfahrerinnen Margarete Rosenberg und Elli Smula vorgeschlagen. Er könne sich vorstellen, diesen Antrag nun zurückzuziehen, erklärte Steinert gegenüber queer.de.
Keine Chance für die "Gedenkkugel"

Die "Gedenkkugel" muss weiterhin im Schwulen Museum* bleiben (Bild: Agnes Witte)
Der Kompromiss bedeutet eine endgültige Absage an die von der Initiative "Autonome feministische Frauen Lesben aus Deutschland und Österreich" entwickelte "Gedenkkugel", die seit Ende Juli aus Protest gegen die bislang ablehnende Haltung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten im Schwulen Museum* ausgestellt wird. Deren Inschrift geht von einer gezielten Verfolgung lesbischer Frauen aus: "In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Lesbische Frauen galten als 'entartet' und wurden als 'asozial', als widerständig und verrückt und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet. Ihr seid nicht vergessen!"
Der Druck auf die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hatte in den letzten Monaten zugenommen. So fand etwa im April in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück die Fachtagung "Identitätspolitik und Gedenken. Schwul-Lesbische Erinnerungskulturen in der Diskussion" statt. Zuletzt hatten sich auch Brandenburgs Frauenministerin Diana Golze (Linke) und die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld für einen eigenen Gedenkort für die lesbischen KZ-Häftlinge stark gemacht. Sie argumentierten u.a., dass die Verfolgung von Lesben im Dritten Reich kaum erforscht sei und sich ihr Unsichtbarmachen nicht in der Gedenkkultur fortsetzen dürfe. (mize)














