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  • 16. Juni 2005 14 2 Min.

Mit der Androhung von Zwangsouting sollte der konservative schwule Spanier Vorbild für "unsere" LSU sein.

Von Carsten Weidemann

Man mag denken, die Outing-Debatten lägen hinter uns. Weit gefehlt, lernt das Beispiel des Spaniers Carlos Biendicho. Der schwule Konservative droht Parteikollegen mit Outing, sollte die Partei weiter Druck gegen die Homo-Ehe machen.

Oft genung ist Outing als etwas böses beschimpft worden, als Verletzung der Privatsphäre statt als Öffentlichmachung eines in der Regel ohnehin bekannten Teil einer Persönlichkeit. Dabei kann es für die Betroffenen durchaus nützlich sein, erspart es ihnen doch, dass beispielsweise durch Erpressungsversuche tatsächlich private Details bekannt werden oder die Spekulationen darüber überhand nehmen - das lehrt die Hamburger Schule um Von Beust/Kusch/Schill.

Zugleich erspart das Outing der Öffentlichkeit absurdes Handeln. Wenn ein Politiker für eine Investition stimmt, weil er von einer Firma bezahlt worden ist, so sollte die Öffentlichkeit das erfahren. Stimmt ein Politiker gegen ein Gesetz zur Homo-Ehe, obwohl oder gerade weil er heimlich schwul ist, gilt das genauso. Dass es in Deutschland einen heimlich schwulen Ministerpräsidenten gegegeben haben soll, dessen Land in Karlsruhe gegen die Homo-Ehe klagen wollte: das wollte am Schluss nicht mal der Bund Lesbischer und Schwuler Journalisten so genau verbreiten. Schade.

Denn der Wahrheit hilft es sehr, der Anpassung der Politik an die Realität ebenso wie der Gleichberechtigung. Es nimmt dem Gerede vom Schutz der Ehe und Familie den Wind aus den Segeln, wenn die Hauptkämpfer selbst keine Ahnung von Familie haben. Die spanischen Kollegen sollten damit auch ein Vorbild für die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) sein: statt in Pressemitteilungen ein in der Sache nichts bringendes Gespräch mit Spitzenpolitikern der Partei als Erfolg zu feiern, würde mehr Aktivismus der Gesellschaft gut tun. Auch der LSVD könnte das Kuscheln mit den Grünen gegen etwas kämpferischeren Einsatz tauschen - schließlich ist der jetzige Stand der Homo-Emanzipation und -gleichstellung eher ernüchternd.

Der Homo-Orden geht also an Carlos Biendicho - für den sinnvollen Outing-Ansatz und für den Spaß, den wir uns in den kommenden Wochen erhoffen.

16. Juni 2005

-w-

#1 MalteAnonym
  • 16.06.2005, 16:38h
  • BRAVO!!

    Normalerweise finde ich zwar, dass man niemanden gegen seinen Willen outen sollte, aber wenn jemand Lesben und Schwulen schaden will, obwohl er selbst schwul / lesbisch ist, dann muss man auch mal zu diesem Mittel greifen.

    Es muss sich endlich was tun! Schade, dass das nicht auch mal jemand hier in Deutschland mit der CDU / CSU macht.
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#2 DanielAnonym
  • 16.06.2005, 19:00h
  • Ich glaube es nicht. Sind wir wieder auf dem Praunheim-Niveau? Jede/r hat ein Recht auf den Schutz seiner Privatsphäre. Das gilt auch für Klemmschwestern in rechten Parteien. Mit diesem Gerede über "Zwangs-Outing" rücken wir Homo- und Bisexualität wieder ins Zwielicht, erklären es zu etwas negativen. Mit Druck wird man außerdem keinen Menschen dazu bewegen können sich selbst anzunehmen. Das würde sicher mehr Schaden anrichten als Nutzen.
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#3 wolfAnonym
  • 16.06.2005, 19:10h
  • wer durch sein amt in der öffentlichlichkeit, menschen schaden zufügt und sie diskriminiert, obwohl er heimlich den gleichen neigungen nachgeht, gehört geoutet !!!!!!!!!!!!!!!
    es kann nicht angehen, dass diese klemmschwestern den menschen schaden, die für ihre lebensweise unterdrückt werden, nur um sich einen persönlichen vorteil zu verschaffen. solche typen haben ihr recht auf "diese" privatspähre verwirkt.
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