https://queer.de/?2983
- 20. Juni 2005 3 Min.
In Madrid und Warschau demonstrieren am Samstag Menschenmassen gegen die Homo-Ehe und den CSD.
Von Norbert Blech
Hunderttausende von Spaniern haben am Samstag in Madrid gegen die geplante Zulassung der Homo-Ehe demonstriert. Sie waren bei 35 Grad Hitze einem Aufruf der katholischen Kirche und konservativer Gruppen gefolgt, die das Gesetzesprojekt der sozialistischen Regierung stoppen wollen. Das Spanische Forum für Familie (FEF), ein Dachverband von 5000 katholischen Vereinigungen, hatte gar 600 Busse und fünf Flugzeuge gechartert, um Demonstranten aus allen Landesteilen zu dem Marsch in die Hauptstadt zu bringen. Über die Teilnehmerzahlen gibt es in den Agenturen unterschiedliche Meldungen. Die Polizei spricht von 166.000 Demonstranten, die Veranstalter selbst sprachen von 1,5 Millionen.
Spaniens Regierung bleibt auf Kurs
Es war das erste Mal seit mehr als 20 Jahren, dass die Kirche in Spanien eine Demonstration gegen die Regierung unterstützte. An dem Protestmarsch nahmen führende Politiker der konservativen Volkspartei (PP) sowie 20 Bischöfe und Erzbischöfe teil, darunter der Madrider Erzbischof Kardinal Antonio María Rouco. Andere Bischöfe, darunter der Präsident der Bischofskonferenz, Ricardo Blázquez, kamen hingegen nicht. Die Proteste unter dem Motto "Die Familie ist wichtig. Für das Recht auf eine Mutter und einen Vater. Für die Freiheit" richteten sich vor allem gegen das komplette Adoptionsrecht, dass die Regierung den Homo-Ehepartnern mit auf dem Weg geben will. Ein Sprecher der Regierung betonte, Schwule und Lesben hätten einen Anspruch auf rechtliche Gleichstellung, die Demonstration werde an den Plänen nichts ändern. Eine Mehrheit der Spanier unterstützt in Umfragen die Gesetzesvorlage, die die regierenden Sozialisten von Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero einbrachten. Das Gesetz wird wahrscheinlich schon in wenigen Wochen verabschiedet.
Schwule und Lesben versuchten indessen, einen brasilianischen Straßenkarneval mit dem beliebten Sänger Carlinhos Brown in eine Gegendemonstration umzufunktionieren. An dem Festival nahmen nach Angaben der Behörden 300 000 Menschen teil. Brown forderte auf dem ansonsten parolenfreien Festival: "Frieden, Liebe, Glück - und Respekt für Verschiedenheit." Sowohl die Massenkundgebung gegen die Homosexuellen-Ehe als auch der Straßenkarneval verliefen ohne Zwischenfälle.
"Normalenparade" in Warschau
Auch in Warschau demonstrierten Hunderte Menschen am Samstag, offiziell gegen eine Demonstration von Schwulen und Lesben vom vergangenen Wochenende. Die "Parade der Normalen", anders als die CSD-Demo von Warschaus Bürgermeister genehmigt, fand rund 800 Teilnehmer, die vor allem aus der nationalistischen Partei der Polnischen Familienliga und ihrer Jugendvereinigung, der Allpolnischen Jugend stammten. Die Teilnehmer trugen polnische Flaggen und Transparente mit der Aufschrift "Ja zur Familie, Nein zum Abnormen" und "Ein Junge und ein Mädchen, das ist eine normale Familie". Vor dem Parlamentsgebäude sagte ein Abgeordneter der Familienliga, Robert Strak: "Wir sind hier, um zu zeigen, dass Polen ein normales Land ist mit Abnormen in der Minderheit. Wir sind das Heimatland von Papst Johannes Paul II., hier ist kein Platz für Unnormale." Der Abgeordnete Wojciech Wierzejsk erklärte eine "Zero Tolerance"-Politik für "Perverse und Homosexuelle." Einige Gegendemonstranten pfiffen und riefen "Nieder mit dem Faschismus" und "Nie wieder Holocaust". Die Polizei trennte die Gruppen.
Montag, 20. Juni 2005, 14 Uhr
Links zum Thema:
» s.a.: Gewalt überschattet CSD in Warschau (11.6.2005)














