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"So habe ich das nicht gesagt"
Grüner Bezirksbürgermeister: Doch keine Kritik an "Siegessäule"
Das Berliner Szenemagazin beschönige doch nicht die Prostitution von Flüchtlingen im Tiergarten, rudert der Rathauschef von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, zurück.

Der Berliner Bezirks-Boss Stephan von Dassel stellt klar: "Ich unterstelle niemandem – weder der 'Siegessäule' noch dem LSVD – dass er Prostitution schönredet." (Bild: Bezirksamt Mitte)
- 13. Oktober 2017, 13:13h 3 Min.
Stephan von Dassel, der grüne Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, dementiert einen Bericht der "Berliner Morgenpost", wonach er das Szenemagazin "Siegessäule" kritisiert und den Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg zum Eingreifen aufgefordert habe. Die "Morgenpost" hatte in einer Reportage über den Tiergarten geschrieben und dabei den Bezirksbürgermeister zitiert. Wörtlich hieß es: "Es könne nicht sein, so der grüne Rathauschef, dass in Magazinen wie der 'Siegessäule' diese Art von Prostitution im Park auch noch als Touristenattraktion dargestellt werde" (queer.de berichtete).
"So habe ich das nicht gesagt. Das möchte ich jetzt auch nochmal klarstellen. Ich unterstelle niemandem – weder der 'Siegessäule' noch dem LSVD – dass er Prostitution schönredet", so von Dassel in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der "Siegessäule". "Ich habe darauf verwiesen, dass wir unterschiedliche Probleme im Tiergarten haben." Natürlich sei der Tiergarten auch als "Sexort" oder als Cruising-Area etabliert, was Prostitution nach sich ziehe. "Ich habe gefragt, ob wir uns einen Gefallen tun, wenn der dann auch noch als solcher propagiert und als besondere Attraktivität in Berlin herausgestellt wird", erklärte von Dassel.
Der Rathauschef gab zu, dass er mit seinen Äußerungen "ein bisschen aus der hohlen Hüfte geschossen" und sich "nicht auf eine spezielle Veröffentlichung oder Äußerung von wem auch immer bezogen" habe. Außerdem sei er noch irritiert gewesen von einer Aussage der Polizei, "die mir sagte, dass sie gerne für mehr Kontrolle und Sicherheit sorgen würde, aber nicht richtig könne, da der Tiergarten und das Cruising-Gebiet dort eine touristische heilige Kuh sei und sie deshalb nicht dürfe".
Gartenarbeiter fliegen Kondome um die Ohren
Das Problem beim Cruisen, so der Grünenpolitiker, sei insbesondere der Abfall: "Wenn dem Gartenarbeiter mit dem Laubbläser die Kondome um die Ohren fliegen, ist das nicht schön." Er persönlich habe Cruising als "Anbandelung" verstanden, was nicht unbedingt "Vollzug" heißen müsse. "Der ist in Grünanlagen nicht zulässig", so von Dassel.
Zudem sagte der Bezirksbürgermeister, dass eigentlich kein Geflüchteter auf Prostitution zum Broterwerb angewiesen sei: "Wenn er hier als Flüchtling registriert ist, bekommt er entweder Leistungen nach dem ALG 2, also Jobcenter-Leistungen, weil er anerkannt ist und hier bleiben darf."
In Berlin gibt es schon seit längerem Berichte, wonach es im Tiergarten ein Strich für junge männliche Geflüchtete gebe, die sich aus einer Notlage heraus schon für 20 Euro prostituierten (queer.de berichtete).
Am 28. Oktober von 14 bis 16 Uhr lädt das Antigewaltprojekt Maneo zu einem "Großputz" im Tiergarten ein, Treffpunkt ist an den Tischtennisplatten. Dieser Termin stand schon vor der Kritik des grünen Bezirksbürgermeisters fest. (cw)













