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Nach Vorwürfen von Anthony Rapp
Heftige Kritik an Kevin Spaceys "Ablenkungs"-Coming-out
Der Schauspieler hatte eine Stellungnahme zu einem Missbrauchsvorwurf mit einem späten Coming-out verknüpft. Das sei "ekelhaft" und "unverantwortlich", kommentierten LGBTI-Aktivisten und viele Nutzer sozialer Medien.

Anthony Rapp (l.) hat seinen Schauspieler-Kollegen Kevin Spacey beschuldigt, ihn als Minderjährigen sexuell belästigt zu haben. Dieser reagierte mit einer viel kritisierten Stellungnahme.
- 30. Oktober 2017, 15:25h 5 Min.
Mit einer Twitter-Botschaft, mit der er auf einen Missbrauchsvorwurf reagierte und sich zugleich als schwul outete, hat der amerikanische Schauspieler Kevin Spacey am Montag für erhebliche Kritik von anderen Prominenten und LGBTI-Aktivisten gesorgt.
Der ebenfalls schwule Schauspieler Anthony Rapp ("Star Trek: Discovery") hatte am Sonntag in einem Interview mit Buzzfeed davon berichtet, wie er 1986 als 14-Jähriger auf einer Party in der Wohnung des damals 26 Jahre alten Schauspielers von ihm sexuell bedrängt worden sei: "Er hat versucht, mich zu verführen."
Rapp habe im Schlafzimmer des damals noch recht unbekannten Broadway-Darstellers ferngesehen, als dieser nach dem Abschied der übrigen Gäste angetrunken in das Zimmer gekommen sei, den jungen Schauspieler auf das Bett gehoben und sich auf ihn gelegt habe. Rapp sei zunächst vom Bett ins Badezimmer geflohen und habe Spacey dann gesagt, dass er nach Hause gehen wolle. Der Schauspieler habe ihn zur Tür begleitet und noch gefragt: "Bist du sicher, dass du gehen willst?"
Rapp hatte die Geschichte in Grundzügen bereits 2001 dem queeren US-Magazin "Advocate" erzählt, ohne dass der Name des Beschuldigten öffentlich wurde. "Ich habe mich immer gefragt, ob er sich daran erinnern kann, denn er war sehr angetrunken", meinte er damals. Gegenüber Buzzfeed betonte Rapp, er könne sich unter seinen Bekannten niemanden vorstellen, der das einem 14-Jährigen antue. Der Vorgang belaste ihn bis heute: "Mit dreht sich der Magen um." Er wolle das Erlebte öffentlich machen, damit sich durch das Ende des Schweigens etwas ändere – so wie die Bekenntnisse zahlreicher mutiger Frauen und Männer in den letzten Wochen im Zuge der Debatte um Missbrauch in Hollywood etwas bei ihm verändert habe.
Ein Coming-out nach langen Jahren
Spacey, als Hauptdarsteller in der Serie "House of Cards" inzwischen einer der bekanntesten Schauspieler der Welt, hatte in der Nacht zum Montag und nicht mal drei Stunden nach Veröffentlichtung des Buzzfeed-Artikels eine längere Antwort auf Twitter publiziert, mit der er sich zugleich als schwul outete (queer.de berichtete).
Er sei sehr erschrocken über die Vorwürfe Rapps, für den er als Schauspieler "Respekt und Bewunderung" zeige, so der 58-Jährige. "Wenn ich mich so verhalten habe, wie er es beschreibt, schulde ich ihm eine aufrichtige Entschuldigung für ein in diesem Fall zutiefst unangemessenes betrunkenes Verhalten."
Diese "Geschichte" habe ihn zugleich "ermutigt", über andere Dinge aus seinem Leben zu berichten, so Spacey weiter. Er habe in seinem Leben Beziehungen zu Männern und Frauen gehabt und habe nun "entschieden, als schwuler Mann zu leben". Spacey schloss die Botschaft mit den Worten: "Ich möchte damit ehrlich und offen umgehen und das beginnt damit, mein eigenes Verhalten zu untersuchen."
Gerüchte über eine Homosexualität des Schauspielers gab es seit Jahrzehnten, etwa 2004 nach Medienberichten über einen nächtlichen Ausflug mit Hund in einen Cruising-Park in seiner Wahlheimat London und einer von ihm gestellten und dann zurückgezogenen Anzeige bei der Polizei wegen eines Raubüberfalls. Spacey hatte Berichte über Homosexualität lange zurückgewiesen und sich auf seine Privatsphäre berufen. So behauptete er 2010 gegenüber einem Journalisten: "Ich lebe keine Lüge" (queer.de berichtete). Als Moderator der diesjährigen Tony Awards outete er sich gar scherzhaft, um das sofort wieder zurückzunehmen.
"Du kannst dich nicht hinter dem Regenbogen verstecken!"
In sozialen Netzwerken wurde das späte Coming-out Spaceys teilweise begrüßt, aber von vielen Nutzern auch heftig kritisiert – wegen der Verknüfung mit dem Missbrauchsvorwurf und wegen des Vorwurfes an sich. "Nein, Nein, Nein, Nein, Nein! Du kannst dich nicht hinter dem Regenbogen verstecken!", twitterte die US-Schauspielerin Wanda Sykes.
Richard Lawson, Filmkritiker von "Vanity Fair", meinte: "Ein Coming-out als schwuler Mann ist nicht das gleiche wie das Coming-out einer Person, die sich einen 14-Jährigen zur Beute machte. Diese Dinge zu verknüpfen ist abscheulich. Das setzt die Gay Community Millionen abgenutzter alter Kritikpunkte und Verschwörungstheorien aus. (…) Wie kannst du es wagen, uns in all das hineinzuziehen?"
Der schwule Komiker Billy Eichner betonte: "Kevin Spacey hat gerade etwas erfunden, dass es vorher nie gab: Eine schlechte Zeit, um aus dem Schrank zu kommen." Wenig später schob er nach: "Aber ehrlich gesagt zögere ich, Witze darüber zu machen, denn das Statement von Spacey ist wirklich ekelhaft, unverantwortlich und gefährlich."
Eine Instrumentalisierung des Coming-outs kritisierte auf Twitter auch der konservative Kommentator Ben Shapiro: "'Sicherlich mag ich versucht haben, einen 14-jährigen Jungen zu vergewaltigen, als ich 26 war, doch ich bin schwul' – das ist eine ziemlich fiese Verteidigung." Der LGBTI-Aktivist Dan Savage, bekannt für die an Teenager gerichtete Kampagne "It get's better", meinte: "Ein Nein zu Kevin Spaceys Statement. Nein. Es gibt kein Ausmaß an Betrunkenheit oder Im-Schrank-Sein, das eine Gewaltanwendung an einem 14-jährigen Kind entschuldigt oder wegerklärt (…) Es tut mit leid, Mr. Spacey, aber ihr Antrag, der Gay Community beizutreten, wurde zu diesem Zeitpunkt abgewiesen."

Auch der US-Bürgerrechtler DeRay Mckesson kritisierte Spacey
"Das Coming-out von Kevin Spacey ist gut", schrieb der österreichische Grünenpolitiker und LGBTI-Aktivist Marco Schreuder. "Als Ablenkungsmanöver eines Missbrauchvorwurfs hinterlässt es aber einen bitteren Beigeschmack." Einige Nutzer merkten positiv an, dass Spacey nicht versucht habe, die Vorwürfe abzustreiten, zu schweigen oder einen Anwalt einzuschalten – ein Vorgehen, dass das Coming-out nötig mache. Auch seien die Vorwürfe gegen den Schauspieler, gegen den zunächst keine weiteren Anschuldigungen publik wurden, nicht mit denen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein zu vergleichen, dem in seiner Machtposition zahlreiche Frauen Belästigungen, Nötigungen und Vergewaltigungen vorgeworfen haben. Einige Nutzer kritisierten allerdings, dass Spaceys Twitter-Botschaft vieles enthalte – aber keine Abwägung über das damalige Alter Rapps.
Letztlich sah ein überwiegender Teil der Nutzer sozialer Netzwerke die Botschaft Spaceys kritisch: "In meinem Teil der Welt sehen sich viele Menschen noch jeden Tag Gewalt und Gefängnis ausgesetzt, weil homophobe Propaganda Homosexualität und Pädophilie verknüpft", schrieb der in den USA arbeitende ukrainische Autor und Aktivist Maxim Eristawi. "Wie können Sie das wagen, Kevin Spacey?"
Viele Twitter-Nutzer waren aber zu dieser Unterscheidung durchaus in der Lage – und überzogen Spacey auch mit Spott. So verglichen viele ihn und den "Spin" seiner Twitter-Botschaft mit Spaceys Rolle in "House of Cards" als intriganten Präsidenten: "Kevin Spacey hat es tatsächlich geschafft, (seine Rolle) Frank Underwood zu übertreffen!", schrieb ein Nutzer. Ein anderer betonte: "Wer hätte gedacht, dass Kevin Spacey der erste US-Präsident sein könnte, der möglicherweise seinen Job wegen sexuellem Missbrauchs verliert?" (nb)

In ihrer bislang einzigen Reaktion bedankte sich die US-Organisation "Gay and Lesbian Alliance Against Defamation" bei Rapp

















Man möge mal wieder herunterkommen. Das ist eine lächerliche Sache. Darüber jetzt auszuflippen, bestätigt mal wieder meine sehr kritische Haltung gegenüber AKtivisten aller Art.