https://queer.de/?3014
- 24. Juni 2005 2 Min.
Washington Nachdem am Donnerstag in Amerika neue Richtlinien zur Verbreitung von Pornografie über das Internet in Kraft getreten sind, haben zahlreiche Webseiten zwischenzeitlich erotische Inhalte gestrichen. Das schwule Portal planetout.com deaktivierte vorübergehend alle Profilfotos; das Schwesterportal gay.com, das bisher Hardcore-Inhalte erlaubte, schickte Richtlinien an User, die dies untersagten. Auch Seiten wie fleshbot.com schränkten ihr Angebot ein. Viele Seiten, darunter gay.com, sind inzwischen wieder in vollem Umfang online, nachdem es zu einer Einigung zwischen dem Justizministerium und einer Vereinigung von Onlinediensten mit dem Namen Free Speech Coalition kam, der sich auch gay.com angeschlossen hatte. Bis zum 7. September werden diese Seiten nicht verfolgt. Webseitenbetreiber, die nicht dem Verband angehören, können jedoch bestraft werden - mit Geldstrafen ab 25.000 US-Dollar und mit bis zu fünf Jahren Haft. Obwohl ein regionales Berufungsgericht die Regularien bereits für verfassungswidrig erklärte, traten insgesamt 2257 neue Regelungen bis auf weiteres in Kraft. So müssen Webseitenbetreiber alle Bilder, auch gestreamte, für immer speichern, und weitere dokumentarische Aufwendungen betreiben (s. Beispiel). Webseitenbetreiber müssen den Regularien zufolge Unterlagen zum Alter von jedem Model bereithalten - selbst wenn dieses deutlich aus der Kindheits- und Jugendzeit heraus ist. Die an User verschickten Regeln von gay.com geben einen Eindruck der Regularien, die weit mehr verbieten als nur Pornografie: so ist es erlaubt, einen Nackten unerigiert darzustellen, es sei denn, es ist noch mindestens eine (angezogene) Person oder ein Tier dabei. Nackte Bilder von Kleinkindern sind verboten ebenso wie Bilder von Männern mit einer Hand in der hochgezogenen Hose. Auch das Zuhalten der Genitalien mit der Hand ist verboten, da damit Masturbation dargestellt sein könnte. Auch alle Bilder, die S/M nur andeuten, sind bis auf weiteres verboten - was, so eine Bürgerrechtsgruppe ironisch, auch den Abdruck von Bildern aus Abu Ghraib verhindern kann. Die Free Speech Coalition will den Streit vor Gericht fortsetzen. (nb)
Links zum Thema:
» Free Speech Coalition














