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Gliedkirche der EKD

Evangelisch-reformierte Kirche traut jetzt auch Lesben und Schwule

Die Gesamtsynode stimmte am Freitag einstimmig für die Gleichstellung homosexueller Paare – allerdings können einzelne Gemeinden und Pastoren den Gottesdienst verweigern.


Trauung eines schwulen Paares in einer Kirche

  • 26. November 2017, 08:52h 25 2 Min.

Die Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche hat am Freitag in Emden einstimmig einer liturgischen Ordnung für "Gottesdienste anlässlich einer Eheschließung" zugestimmt. Diese neue Ordnung gelte gleichermaßen für die "traditionelle" Ehe zwischen Männern und Frauen wie für die gleichgeschlechtlicher Paare, betonte der Synodale Prof. Georg Plasger.

Inzwischen lege die gesellschaftliche Entwicklung nahe, eine Gleichbehandlung auch bei der Trauung festzulegen, erklärte Plasger. "Wir beschließen hier über den Rahmen für einen Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung. Nicht mehr und nicht weniger." Jede Trauung werde ordentlich ins Kirchenbuch eingetragen.

Homophobe Pastoren können sich weigern

Gleichwohl sei diese Ordnung keine Vorschrift. "Wir können und wollen unseren Gemeinden und Pastoren nicht vorschreiben, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen", erklärte Plasger. Wenn eine Gemeinde diese Trauung nicht vornehmen wolle, könne dies in der Nachbarschaft geschehen. Ein Synodaler hob die Einmütigkeit hervor, mit der diese Regelung von den 62 Mitgliedern der Synode getroffen wurde. Dies sei nicht in allen Kirchen der Fall.

Noch vor 14 Jahren hatte die Segnung lesbischer und schwuler Paare zu heftigen Diskussionen bei der Gesamtsynode geführt. Damals konnte sich die Synode nicht zu Segnungen homosexueller Partnerschaften durchringen, die Entscheidung wurde vertagt. In einzelnen Gemeinden wurden jedoch schon Segnungen durchgeführt.

Die Evangelisch-reformierte Kirche ist eine von 20 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Kirche mit Sitz in Leer (Ostfriesland) hat rund 177.000 Mitglieder in 146 Gemeinden, die über fast ganz Deutschland verstreut sind. (cw)

-w-

#1 SodomUndGomorraAnonym
  • 26.11.2017, 12:05h
  • Das ist wieder ein fauler Kompromiss, den Homosexuelle hier eingehen sollen.
    Einerseits wird die Trauung möglich gemacht, aber andererseits behält sich die Kirche vor, immer noch zu diskriminieren, falls ein Pfarrer homophob ist und er dann sagen darf: "Nö, hab kein Bock. Ihr geht in den Nachbarort."

    Sie schaffen es einfach nicht, sich von ihrer Homophobie zu lösen und zu sagen: "Ja, wir haben in der Vergangenheit viele Fehler gemacht, und es hat euch Homosexuellen geschadet - was uns leid tut. Wir machen diese Fehler dadurch wieder gut, in dem wir künftig der LSBTTIQ den Zutritt zur Kirche selbstverständlich öffnen und sie sind willkommen wie alle anderen auch."

    Es reicht schon, wenn sich die Kirche an die Gesetze in Deutschland hält - nicht mehr und auch nicht weniger, Damen und Herren!
    Es kann nicht sein, dass eine ganze Menschengruppe wegen persönlicher Komplexe seitens der Kirche im Jahr 2017 immer noch Schaden und Nachteile erleiden soll.

    Und wenn der Satz geäußert wird: "Wir können und wollen das keiner Gemeinde vorschreiben," dann ist das wieder eine verdrehte Behauptung.
    Seit 2006 gilt das AGG in Deutschland, und das bedeutet Klartext: in Deutschland ist Diskriminierung ausdrücklich verboten! Ist das nun eine Vorschrift, die man Menschen nicht zumuten kann??
    Ich würde mal sagen, so allmählich reicht es mit diesen faulen Ausreden und mit den verdrehten Argumenten. Als ob die Gesellschaft das nicht durchleuchten könnte. Als ob niemand verstehen könnte, wo das ursprüngliche Problem liegt.

    Mittlerweile ist es so, dass man den Schaden und die Benachteiligung der Homosexuellen den Homosexuellen nicht mehr zumuten kann. Es ist unzumutbar. Es ist ein Unding.
    Dass Sie als Kirche eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft haben, das wissen Sie hoffentlich. Das bedeutet, wenn es Schwierigkeiten ihrerseits gibt, dann sollten Sie hinschauen, wo die Kirche sich weiterentwickeln muss. Denn in dieser Situation sind die Homosexuellen unschuldig. Gleichbehandlung ist selbstverständlich. Wer da Unterschiede macht, handelt unmoralisch.
    Und übersieht zusätzlich die Gebote in der Bibel: Nächstenliebe.

    Die eigenen, persönlichen Probleme, Vorbehalte, und Konflikte auf eine unschuldige Menschengruppe zu übertragen, ist keine konstruktive Konfliktlösung. Und das wissen Sie. Es sind nicht die Homosexuellen, die fern bleiben sollen, sondern es sind doch Ihre Ängste, Ihre Schwächen, ihre Vorbehalte, an denen Sie nicht arbeiten möchten. Die Sie sich nicht eingestehen wollen, mit denen Sie nicht konfrontiert werden möchten.
    Was hat das bitte nun mit uns Homosexuellen zu tun? Genau: gar nichts.
    Und deshalb ist das der völlig falsche Weg.

    Man kann sich nicht vor Dingen abschotten, die man im Leben zu lernen hat. Das kann der einfache Arbeiter in einer Firma nicht, das kann ein Lehrer in der Schule nicht, das kann kein Bürgermeister in irgendeiner Stadt, das kann kein Politiker in einer Partei, und das können auch Angestellte und Pfarrer einer Kirche nicht. So wie es auch die Kirchen selbst nicht können.
    Dass das nicht funktioniert, das stellen Sie doch seit langem fest. Die Mehrheit der Gesellschaft in Deutschland tut sich mit uns LSBTTIQ nicht mehr schwer. Das hat die Entscheidung und die Abstimmung über die Eheöffnung gezeigt.
    Es hat gezeigt, dass es niemandem schadet. Es hat gezeigt, dass es für ALLE in Deutschland positiv gewirkt hat. Es hat gezeigt, dass dadurch niemandem etwas weggenommen wird.

    Das einzige, was Ihnen ein schlechtes Magengefühl bereitet, evangelisch-reformierte Kirche, ist die Tatsache, dass Sie nun mit Ihren eigenen Vorbehalten und mit Ihren eigenen Konflikten konfrontiert sind. Seien Sie bitte so erwachsen und so kompetent und behalten Sie diese für sich, und klären Sie das bitte mit sich selbst.
    Das hat mit uns Homosexuellen ganz und gar nichts mehr zu tun!

    Ich sage Ihnen mal etwas: auch ich erlebe es, dass ich bei wenigen Menschen gelegentlich an meine Grenzen komme. Das ist bis dahin noch kein Problem. Das ist soweit noch normal. Aber ich würde niemals Grenzen überschreiten und diese einzelne Personen niemals diskretitieren oder diskriminieren, dass ich sie ausgrenzen würde, oder dass ich ihnen etwas verwehre, was ihnen laut Gesetz und laut Moral, und laut Grundgesetz, und laut Ethik, und laut der Bibel zusteht!

    Das ist das, was wir LSBTTIQ seit Jahrzehnten kritisieren - und das ist das, was Grenzen überschreitet. Was Sie persönlich und in Ihrem Privatleben über Homosexuelle denken, das kümmert niemanden. Aber wenn Sie in Ihrer beruflichen Arbeit, wo Gesetze den Alltag regeln, diese Grenzen überschreiten und Unschuldige benachteiligen, ausgrenzen, diskretitieren, diskriminieren, dann missachten Sie die Gesetze in Deutschland.

    Die Selbstüberwindung ist immer die beste Überwindung, die man zeigen kann. Das macht selbstbewusst, das macht stark, das löst Respekt aus. Das ist, unter anderem, der Sinn des Lebens. Das eigene Ego nach hinten stellen und auf andere schauen.

    Wir LSBTTIQ sind schon Meister darin. Weil wir immer noch nicht gleich behandelt werden, haben wir unser Ego längst nach hinten gestellt - es bleibt uns doch nichts anderes übrig. Wir gehen doch schon überwiegend gar nicht mehr in eure großen Kirchen, wir sehen uns seit Jahrzehnten Heterofilme im Kino an und äußern uns dabei gar nicht, obwohl wir eigentlich gerne was sehen möchten, was mit uns zu tun hat.
    Ob wir einkaufen gehen, oder in einem Verein sind, oder im Zug, oder am Arbeitsplatz: wir sind es schon gewohnt, dass wir zum Teil unfreundlich und ausgrenzend, und diskriminierend behandelt werden, und oftmals sagen wir kein Wort dazu, damit die Situation nicht eskaliert!
    Und das tun wir seit Jahrzehnten.

    Es kann uns also niemand Ungeduld oder aufmüpfiges Verhalten unterstellen. Ich möchte nicht wissen, wie Sie sich irgendwann verhalten würden, wären Sie in dieser Situation.

    Nochmal: es gibt in Ihrer Bibel Gebote:
    Nächstenliebe, Mitgefühl.
    Setzen Sie es bitte um.
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#2 EulenspiegelAnonym
  • 26.11.2017, 12:35h
  • Antwort auf #1 von SodomUndGomorra
  • "Es reicht schon, wenn sich die Kirche an die Gesetze in Deutschland hält - nicht mehr und auch nicht weniger,"

    Du scheinst die Gesetze in Deutschland nicht richtig zu kennen. Diese Diskriminierung der Kirchen und auch ihre Diskriminierungen im Arbeitsrecht sind vollkommen legal. Das AGG hat sie nicht beendet.
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 26.11.2017, 12:44h
  • Antwort auf #1 von SodomUndGomorra
  • "Seien Sie bitte so erwachsen und so kompetent und behalten Sie diese für sich, und klären Sie das bitte mit sich selbst."

    Wohl wahr, nur ist niemand damit gedient, wenn die Leichenbittermiene des Pfarrers/der Pfarrerin noch bitterer ist als es beim reformierten Protestantismus ohnehin normal ist (Zitat einer Pfarrerin: "Die gehen zum Lachen in den Keller!").

    Es gibt in der Bibel nicht nur das Gebot der Nächstenliebe im NT, sondern auch Tötungsbefehle gegen uns im AT.

    Ich kann mich da nur wiederholen:

    1. Wir leben auch ohne die Jamaika-Connection zwischen Merkel und Göring-Eckardt in einer Kirchentagsrepublik, nicht im Laizismus.

    2. Ohne kirchliche Beschlüsse wie den der Reformierten hätte es also auch die Zivilehe für uns NIE gegeben.

    3. Aus politischen Gründen sind also Beschlüsse wie dieser sehr zu begrüßen.

    4. Die Leichenbittermiene eines homophoben Standesbeamten, der seiner Pflicht nachkommt, muss im Notfall ertragen werden.
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