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Stuttgart
Thomas Ott mit "Rosa Detlef" ausgezeichnet
Der "Erlkönig"-Buchhändler, der derzeit um den Erhalt seines Ladens kämpft, erhält den Preis der Stuttgarter MCC-Kirche.

Thomas Ott in seiner Buchhandlung (Bild: Buchhandlung Erlkoenig)
- 4. Dezember 2017, 13:07h 2 Min.
Der "Erlkönig"-Buchhändler Thomas Ott und das Kulturzentrum für Frauen Sarah e.V. sind in Stuttgart mit dem jährlich vergebenen "Rosa Detlef" ausgezeichnet worden. Der Preis der Stuttgarter MCC-Kirchengemeinde wurde am Sonntag bei einer Veranstaltung im Theater Rampe vergeben.
Ott, der die Auszeichnung persönlich entgegennahm, wurde für sein Projekt "Die Geschichte der Verzauberten" ausgezeichnet. Er hatte dafür Mitglieder der LGBTI-Community begleitet und deren Geschichten aufgeschrieben.
Derzeit kämpft Ott darum, seine traditionsreiche queere Buchhandlung in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu retten; sie befindet sich in finanziellen Turbulenzen. Er rief die Community deshalb unter anderem dazu auf, seinen Online-Shop zu nutzen (queer.de berichtete).
Neben Ott war in der Kategorie Einzelperson auch Peter Grohmann von Die AnStifter e.V. nominiert – sein Verein für interkulturelles Miteinander vergibt jedes Jahr den Stuttgarter Friedenspreis. Ebenfalls nominiert war Jossi Wieler, der Intendant der Staatsoper Stuttgart.
Vom Kulturzentrum Sarah, dem Sieger der Kategorie Gruppe, sind bei der Preisverleihung keine Vertreterinnen erschienen. Neben der Sarah waren auch das Frauenberatungs- und Therapiezentrum Stuttgart (Fetz) e.V. sowie der Frauenchor Musica Lesbiana nominiert worden.
Preis wird seit 2010 verliehen
Der undotierte Preis wird seit 2010 jedes Jahrs von der Stuttgarter Gemeinde der Metropolitan Community Church ("Salz der Erde") vergeben – und zwar jeweils an eine Person und eine Organisation, die sich in besonderer Weise für die LGBTI-Community engagiert haben. Die Auszeichnung soll an die Verfolgung Homosexueller während der NS-Zeit erinnern, als schwule Männer einen Rosa Winkel tragen mussten.
Die MCC-Kirche war 1968 von einem schwulen Pastor in Kalifornien gegründet worden und setzt sich im Gegensatz zu anderen Kirchen insbesondere für Schwule und Lesben sowie andere diskriminierte Minderheiten ein. Inzwischen gibt es über 200 MCC-Gemeinden in 37 Ländern der Welt. Seit 1988 ist die Kirche auch in Deutschland aktiv. In Stuttgart gibt es seit 2000 eine MCC-Gemeinde. (cw)















Die Gemeinden der MCC sind seinerzeit in den USA unter anderen Vorbedingen und in einem anderen regionalen Umfeld (Baptisten! Evangelikale!) entstanden. Ihr Konzept ist auf Deutschland nicht wirklich übertragbar. Gerade Städte wie Hamburg und Stuttgart sind inzwischen so liberal, dass man sich fragt, warum einige Schwule und Lesben soviel Energie für ihre Gemeinden aufbringen. Es gibt ja auch keine eigenen Kirchen für alleinerziehende Mütter oder für Linkshändler. Aber vielleicht ist der Kuschelfaktor in ihrem selbst geschaffenen Ghetto so groß, dass man gar keine gemeinsame Kirche mit Heteros will.