https://queer.de/?30254
Mehrheit für Rückschritt
Bermuda: Unterhaus stimmt für Abschaffung der Ehe für alle
Das britische Überseegebiet im Atlantik will vom höchsten Gericht ermöglichte Ehen von homosexuellen Paaren künftig durch Lebenspartnerschaften ersetzen.

Plakate für und gegen die Ehe-Öffnung während eines entsprechenden Referendums im letzten Jahr
- 9. Dezember 2017, 10:40h 2 Min.
Eine Woche, die die Ehe-Öffnung in Österreich und Australien gebracht hat, endet mit einem Rückschritt: Das Unterhaus des britischen Überseegebiets Bermuda hat am Freitag mit 24 zu zehn Stimmen entschieden, eine gerichtliche Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare zurückzunehmen.
Der Domestic Partnership Act 2017, der noch durchs Oberhaus muss, würde stattdessen Eingetragene Lebenspartnerschaften für hetero- und homosexuelle Paare schaffen. Die regierende "fortschrittliche Arbeiterpartei" hatte das Ehe-Verbot für Homo-Paare vor der Wahl im Sommer angekündigt. Sie spricht von einem Kompromiss zwischen zwei Seiten im Parlament: Die einen wollten die Gleichstellung beibehalten, die anderen homosexuellen Paaren überhaupt keine rechtliche Anerkennung bieten.
Die Ehe-Öffnung auf der Inselgruppe im Atlantik war im Mai durch Gerichtsbeschluss in Kraft getreten; der Supreme Court sah das Eheverbot nach der Klage eines schwulen Paares als Verstoß gegen ein 1981 Gesetz zum Schutz der Menschenrechte an (queer.de berichtete).
Keine Ehe für alle auf Kreuzfahrten
Das erneute Ehe-Verbot würde auch für Schiffe unter der Flagge der Bermudas gelten. Mehrere britische Kreuzfahrtlinien, darunter P & O Cruises, Princess Cruises und Cunard Line hatten angekündigt, vom Kapitän geschlossene und von Bermuda registrierte Eheschließungen auf hoher See auch für gleichgeschlechtliche Paare aus aller Welt anzubieten, etwa auf den Luxusschiffen "Queen Mary 2", "Queen Elizabeth" und "Queen Victoria" (queer.de berichtete).
Das weitgehend autonome Überseegebiet, in dem gut die Hälfte der rund 65.000 Einwohner von ehemaligen afrikanischen Sklaven abstammt, hatte homosexuelle Handlungen erst 1994 legalisiert. Das Schutzalter liegt aber für Schwule mit 18 Jahren noch immer höher als für Heterosexuelle oder Lesben (16 Jahre); auch die Lebenspartnerschaft soll erst ab 18 Jahren möglich sein, während es bei der Ehe Ausnahmeregelungen gibt. Seit 2013 werden Schwule und Lesben in einem Antidiskriminierungsgesetz geschützt, seit 2015 haben Homo-Paare durch ein Urteil des Supreme Court ein gemeinsames Adoptionsrecht.

Winston Godwin (l.) und Greg DeRoche hatten vor dem Supreme Court die Ehe für alle eingeklagt
Im Juni 2016 hatte die Bevölkerung in einem Referendum die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare ebenso abgelehnt wie die Einführung von Lebenspartnerschaften. 69 Prozent der Wähler stimmten gegen die Gleichstellung. Da die Wahlbeteiligung unter 50 Prozent lag, war das Ergebnis des ersten Referendums seit 21 Jahren allerdings nicht bindend.
Ende 2015 hatte ein Referendum in Slowenien erstmals eine vom Parlament beschlossene, aber noch nicht umgesetzte Ehe-Öffnung für Homo-Paare wieder zurückgenommen (queer.de berichtete). (cw)















info(at)cunard.de