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Nach jahrelangem Versteckspiel

Erstes Coming-out im Schweizer Profi-Fußball

"Ja, ich bin schwul – na und?", erklärte Super-League-Schiedsrichter Pascal Erlachner in einem Zeitungsinterview. "Ich bin reif für diesen Schritt und gespannt, was ich damit auslöse."


Schiedsrichter Pascal Erlachner, Jahrgang 1980, bei einem Interview

Die Schweiz hat ihren ersten aktiven schwulen Profi-Fußballer. In einem Interview mit dem "Sonntagsblick" hat Super-League-Schiedsrichter Pascal Erlachner erstmals öffentlich über seine Homosexualität gesprochen. Der 37-Jährige hatte nach Angaben der Zeitung selbst um die Gelegenheit gebeten.

"Ich hoffe, dass ich mit meinem Outing eine öffentliche Diskussion anrege", erklärte Erlachner in dem Interview. "Ich bin mittlerweile selbstbewusst genug. Ich kann hinstehen und sagen: Ja, ich bin schwul – na und? Ich bin reif für diesen Schritt und gespannt, was ich damit auslöse."

Erlachner rechnet auch mit negativen Reaktionen

Der Schiri selbst rechnet mit gemischten Reaktionen: "Es wird Menschen geben, die es toll finden, dass endlich mal einer aus dem Fußballgeschäft öffentlich zu seiner Homosexualität steht", meinte er gegenüber dem "Sonntagsblick". "Aber es wird sicher auch negative Stimmen geben. Leute, die der Meinung sind, dass die Sexualität niemand anderen zu interessieren habe und in die eigenen vier Wände gehöre."

Auf die Frage der Zeitung, was er solchen Personen sage, meinte Erlachner: "Dass es immer noch viele Menschen gibt, die darunter leiden, dass Homosexualität totgeschwiegen wird. Vor allem im Fußball. Wenn ich nur schon einem einzigen Fußballer oder Schiedsrichter mit meinen Erfahrungen helfen und Mut machen kann, hat sich mein öffentliches Bekenntnis gelohnt."

In dem Interview berichtet der Super-League-Schiedsrichter auch von seinem jahrenlangen Versteckspiel und vom Druck innerhalb einer Mannschaft: "Wenn in der Garderobe jemand gesagt hat: 'Hey, du schwuler Siech!' oder 'Schau nicht so schwul!', lachte ich mit und tat so, als fände ich diese Sprüche auch cool. Dabei dachte ich jeweils: 'Pasci, sag ja nichts dazu, sonst fällst du noch auf!' Ich habe mich in der Kabine verstellt. Nach den Trainings bin ich oft sehr traurig nach Hause gekommen."

Schiedsrichter-Chef reagiert zurückhaltend

In einer ersten Reaktion auf das Coming-out äußerte sich der Schweizer Schiedsrichter-Chef Cyril Zimmermann zurückhaltend. "Persönlich finde ich das Outing gut", erklärte er gegenüber der "SonntagsZeitung". "In meiner offiziellen Position verfolge ich es aber auch kritisch, weil ich nicht weiß, ob das Fußballgeschäft dafür bereit ist. Die Reaktionen sind nicht absehbar." Am 21. Dezember will das Schweizer Fernsehen einen Dokumentarfilm über Erlachner senden. Laut "SonntagsZeitung" fordert der Schweizerische Fußballverband, dass die Doku erst zu Beginn der Winterpause ausgestrahlt wird, damit sich der Wirbel um das Coming-out wieder legen kann.

Pascal Erlachner spielte bis 2004 selbst aktiv Fußball bis zur Ersten Liga. Bis heute leitete er 73 Spiele in der Super League, der höchsten Spielklasse im schweizerischen Fußball, sowie 80 in der Challenge League. Hauptberuflich arbeitet der 37-Jährige als Sportlehrer. Darüber hinaus engagiert er sich für die Partei FDP.Die Liberalen im Gemeinderat seines Heimatdorfes Wangen, wo er mit seinem Partner lebt. (cw)

Wöchentliche Umfrage

» Wird sich in den nächsten fünf Jahren in Deutschland ein schwuler Profi-Fußballer outen?
    Ergebnis der Umfrage vom 11.12.2017 bis 18.12.2017


#1 BEARAnonym
  • 10.12.2017, 08:22h
  • "Leute, die der Meinung sind, dass die Sexualität niemand anderen zu interessieren habe und in die eigenen vier Wände gehöre."

    Deshalb gibt es ja auch keine Klatschblätter, keine Boulevardmagazine. Niemanden interessiert, mit wem Brad Pitt, Antonio Banderas oder die britischen Königssöhne herumtändeln.

    Zeitschriften wie Bunte, Gala, Sendungen wie Exclusiv - alles nur Einbildung.

    Auch erzählt niemand am Arbeitsplatz, wo er oder sie am letzten Wochenende mit Partnerin oder Partner war. Oder im letzten Urlaub. Niemand erzählt jemals von der Person, mit der er oder sie in einer Beziehung lebt oder verheiratet ist.

    Das gibt es alles nicht. Ja nee, is' klar.
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#2 hugo1970Ehemaliges Profil
  • 10.12.2017, 10:30h
  • "In meiner offiziellen Position verfolge ich es aber auch kritisch, weil ich nicht weiß, ob das Fußballgeschäft dafür bereit ist. Die Reaktionen sind nicht absehbar."

    Geschwurbelter kann man Seine Homophobie nicht äußern.

    Gerade solcher Äußerungen, Reaktionen und Gedanken IST ES ENDLICH ZEIT, DAS SICH PROFIS OUTEN!!!!!!!!!!
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#3 Gerlinde24Profil
  • 10.12.2017, 10:30hBerlin
  • Es ist schade, dass im Jahr 2017 es immer noch Deppen gibt, die denken, dass Homosexualität privat sei. (Homo-)Sexualität war und ist NIE privat, sondern auch immer gesellschaftspolitisch gewesen.
    Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Kollegin, die über das WE mit ihrem Freund sprach, und, wie toll es im Bett mit ihm sei (was sie uns in allen Einzelheiten schilderte, auch, wenn wir es nicht wissen wollten. Als ich von meiner damaligen Freundin Renate erzählte, und, dass wir am WE Händchen haltend durch den Berliner Tierpark geschlendert sind, und uns dabei auch küssten, reagierte sie abweisend, meinte, dass würde nicht hierher gehören. Als ich mich beim Chef wegen ihrer offensichtlichen Homophobie beschwerte, erdreistete sich diese Ausgeburt männlicher Intelligenz (die irgendwo zwischen Berliner Kindl und Flensburger Pils lag) mir zu sagen, ich solle mich nicht so anstellen, und tolerant ihr gegenüber sein. Seltsam; Toleranz wird immer von uns gefordert, nie aber von den anderen, den "Normalen"!
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#4 r32qwefweAnonym
  • 10.12.2017, 10:46h
  • Es ist KEIN Coming Out von einem SPIELER.

    Es ist ein Coming Out von einem SCHIEDSRICHTER.

    Besser natürlich als kein Coming Out, aber solange Profi-SPIELER sich nicht outen ...

    Die Überschrift ist auch irreführend, weil es den Eindruck erweckt als würde ein Fußball-Profi ein Coming Out gehabt haben. Unter "Fußball-Profi" verstehen 99 % ohne nähere Information einen Fußball-SPIELER in einer Profi-Liga (1. oder 2. Liga).

    In meinen Augen ist es erst dann ein Durchbruch, wenn sich mindestens ein AKTIVER Fußball-SPIELER in der ERSTEN deutschen Bundesliga als schwul outet. Das gleiche gilt für die erste Fußball-Liga von anderen großen Fußballnationen wie Italien, England, Frankreich, Spanien, etc..

    Wenn sich ein Schweizer Profi-SPIELER aus der ERSTEN Schweizer Fußball-Liga bzw. Nationalmannschaft als schwul outet, dann ja, dann wäre das ein Durchbruch im Schweizer Fußball.

    Aber das Coming Out eines schwulen Schiedsrichters ist jetzt kein besonderer Durchbruch.
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#5 BEARAnonym
#6 Fozzy_Bear
  • 10.12.2017, 12:26h
  • Antwort auf #4 von r32qwefwe
  • Doch, das ist ein Durchbruch. Oder weißt du von schwulen Schiris die akzeptiert wurden? Also von Schiris in den Profiligen.

    Siehste, ich auch nicht. Und mal nebenbei bemerkt: JEDES Coming Out ist ein Durchbruch. Und zwar für den, der sich outet. Das gilt es anzuerkennen.

    Ich wünsche dem Mann alles Gute und hoffe, das die Zuschauer, Spieler, Trainer und Funktionäre ihren sabbel halten und ihn auch weiterhin als Schiri wahrnehmen und nicht als schwulen Schiri.
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#7 BEARAnonym
  • 10.12.2017, 12:32h
  • Antwort auf #6 von Fozzy_Bear
  • Meine Zustimmung!

    Jedoch würde ich ihm wünschen, dass er als schwuler Schiedsrichter wahrgenommen wird, weil er das nun mal ist. Und dass das völlig in Ordnung so ist.

    Richtig stark werden wir nämlich nicht durch Differenzleugnung und Ausblendung unserer Persönlichkeit, sondern durch Anerkennung von Verschiedenheiten als absolut gleichwertig.
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#8 David GersteAnonym
#9 HörnchenAnonym
  • 10.12.2017, 14:42h
  • Hm, bin mal gespannt was ER mit dieser Reaktion auslöst .. Negative Kommentare auf sein Outing werden sicherlich kommen, keine Frage!
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#10 Robert BaumgarnerAnonym