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Rheinland-Pfalz

Lesbische Mütter als Zeitzeuginnen gesucht

Das Land Rheinland-Pfalz will die Diskriminierung und Verfolgung lesbischer Mütter in den ersten Jahrzehnten nach seiner Gründung aufarbeiten.


Mit Postkarten wie dieser sollen Zeitzeuginnen gefunden werden

Lesbischen Müttern wurden bis in die Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts von deutschen Gerichten ihre Kinder entzogen. Um ihre Geschichte besser aufzuarbeiten, sind das Frauenzentrum Mainz und QueerNet Rheinland-Pfalz e.V. in Zusammenarbeit mit dem rheinland-pfälzischen Familien- und Frauenministerium und der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) auf der Suche nach Zeitzeuginnen. Die Aktion soll Erinnerungen und Beweise zusammentragen.

So sollen unter anderem folgende Fragen beantwortet werden: Wie viele Mütter waren betroffen? Wie liefen die Gerichtsverfahren ab? Wie erging es den Müttern und den Kindern? Gesucht werden Antworten und Dokumente wie Akten, Briefe und Fotos.

Federführend bei der Studie ist das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, das mehr über die Diskriminierung und Verfolgung weiblicher Homosexualität im 1946 gegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz erfahren will. Bereits im Januar hatte eine deutschlandweit bislang einmalige Studie des Instituts festgestellt, dass das Bundesland jahrzehntelang viel Schuld bei der Verfolgung schwuler Männer auf sich geladen habe (queer.de berichtete).

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Frauenministerin: Gesellschaft ist verfolgten Frauen Anerkennung schuldig


Anne Spiegel ist seit Frühjahr 2016 Ministerin für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz in Rheinland-Pfalz (Bild: MFFJIV / wikipedia)

Landesfrauenministerin Anne Spiegel (Grüne) ermutigt Zeitzeuginnen, ihr Wissen zur Verfügung zu stellen: "Wir wollen die Nachkriegszeit, in der lesbischen Frauen viel Leid und Unrecht geschah, erstmalig in der Bundesrepublik für unser Land Rheinland-Pfalz wissenschaftlich aufarbeiten. So kommt diesen Frauen eine späte Anerkennung und Rehabilitation zu, die die Gesellschaft ihnen bis heute schuldig ist."

Historikerin Dr. Kirsten Plötz erklärte, dass lesbische geschiedene Mütter beispielsweise Gefahr liefen, Unterhaltsansprüche und das Sorgerecht für ihre Kinder zu verlieren. "Manche Mutter verbarg deswegen auch ihre Lebensgefährtin", so Plötz.

Jörg Litwinschuh, Geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, begrüßte den Einsatz der rot-gelb-grünen Landesregierung: "Die vom Land Rheinland-Pfalz geförderte Studie holt erstmals ins öffentliche Bewusstsein, wie unsichtbar und tabuisiert gleichgeschlechtliche Liebe im Rheinland-Pfalz der ersten zwei bis drei Nachkriegsjahrzehnte war", so Litwinschuh. "Wir unterstützen nun die Suche nach lesbischen Müttern, die bereit sind, über das damals Erlebte zu sprechen. Dabei erhoffen wir uns gleichfalls Erkenntnisse, ob auch anderen LSBTTIQ-Personen ihre Kinder weggenommen wurden." (cw)

Kontakt

Zeitzeuginnen werden gebeten, sich per E-Mail an zeitzeuginnen@queernet-rlp.de zu wenden


#1 Homonklin44Profil
  • 16.12.2017, 09:10hTauroa Point
  • Man erfährt hier immer wieder auch über neue, tragische Details zur Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund ihrer Orientierung oder Identität. Man erfährt ja meist nur über die Ungerechtigkeiten, die man Schwulen angetan hat, oder darauf liegt der Fokus. Scheint so, als wäre da noch weit mehr aufzuarbeiten, als die Beobachtung Schwuler im Klappen-Bereich oder die §175er-Verfolgung!

    Wer weiß, was man, weiter, mit Intersexuellen in der Zeit gemacht hat, wenn sie "unauffällig" waren, bis zu einer Schwangerschaft.
    Weiter geht es mit Schwangerschaften behinderter Menschen. Da war man in der Zeit sicher auch nicht zimperlich damit, all denen die Kinder wegzunehmen.

    Hoffentlich melden sich ganz viele Frauen. Möglicherweise auch ehemalige Kinder, die nicht genau wissen, wer ihre Mütter waren.
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#2 NichtNeuAnonym