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Einzelkommentar zu:
Sigmar Gabriel: SPD zu stolz auf die Ehe für alle


#98 RepublikanischAnonym
  • 17.12.2017, 18:59h
  • Antwort auf #95 von axelschwarz
  • Danke für diese Erklärung.

    Ich dachte mir schon, dass es auf das Thema Flüchtlinge hinausläuft. Wollte es aber nicht als Vermutung aussprechen, sondern abwarten, was tatsächlich dahintersteckt.

    Ehrlich gesagt bin ich gerade sprachlos und weiß nicht, was ich darauf antworten soll. Es macht mich so fassungslos wie der Gastbeitrag von Gabriel.

    Für mich ist das ein kompletter Widerspruch zu der Partei SPD an sich. Die Trennlinie zwischen linke SPD und rechte SPD scheint größer geworden zu sein.
    Und die Wähler so dermaßen hinters Licht zu führen, ist schon wirklich undemokratisch.
    Die Wähler wussten tatsächlich nicht, was sie im September wählten.

    Eine sozialdemokratische Partei, die sich über Migranten und Flüchtlinge auf diese Weise Gedanken macht, scheint mir zu weit nach rechts gerückt zu sein. Ich frage mich nur, woher dieses Gedankengut kommt? Ist das von der "trumpschen" Präsidentschaft abgeschaut, oder würgen sie die deutsche Vergangenheit hoch wie die AfD?
    Das ist wirklich außerhalb meiner Toleranz.

    Was stören denn die Migranten und Flüchtlinge? Die meisten flüchteten vor Krieg und Tod. Sind traumatisiert und froh, hier bei uns ein einigermaßen friedliches Leben führen zu können.
    Das sollte man nicht mit den Radikalen und den Extremisten vermischen, oder auch nicht mit den Terroristen. Das sind ja zwei ganz unterschiedliche Dinge. Selbstverständlich muss man sich überlegen, wie man mit den Extremisten und Radikalen verfährt, ganz klar.

    Aber das sollte doch nicht dazu führen, den Bürgern beizubringen oder gar einzureden, sie würden sich nicht heimisch oder nicht wohl fühlen. Das geht meiner Meinung nach zu weit.
    "Diversity" ist zumindest theoretisch in vielen Stadtverwaltungen angesagt. Vielfalt.
    Das betrifft nicht nur die sexuelle Identität, sondern natürlich auch die vielfältigen Kulturen. Das ist positiv und sollte eine Partei oder auch eine Regierung nicht zerstören.
    Das sehe ich als Gefahr.

    Das republikanische Gedankengut ist leider in den USA, aber ich finde nicht, dass wir das nun in unserem Land auch verbreiten sollten.
    Nicht alles, was von den USA kommt, ist gut.
    Da sollte sich Deutschland ihre Differenzierungsfähigkeit bewahren.

    Ich muss da mal ein Beispiel bringen, was deutlich macht, was Kultur bedeutet:

    Vor längerer Zeit wohnte ich mal in einer Stadt in Baden-Württemberg, in einem großen Wohngebäude für Studenten. Irgendwann wollte ich wissen, wieviele Nationalitäten da zusammen kamen, weil es mich einfach interessierte. Wenn ich mich richtig erinnere, waren es circa 23, oder paar mehr.
    Aus heutiger Sicht würden nun die meisten sagen: oh je, da muss es ja ständig zu Gewalt gekommen sein.

    Ich hab da fast zwei Jahre gewohnt und es kam zu keinem einzigen Zwischenfall. Natürlich gab es paar Einzelschicksale, das betraf aber nur die Person selbst, nicht in Verbindung mit einer anderen Person, die dort wohnte.
    Heute könnte ich da nicht mehr wohnen, hat aber was mit meinem Alter zu tun.
    Meine Erinnerung daran ist ausschließlich positiv.
    Jeder hatte sein eigenes Zimmer und die Küche wurde pro Stock gemeinsam genutzt.
    Du kannst dir bestimmt vorstellen, was für ein Dazulernen es war, anderen Studenten beim Kochen zuzuschauen. Da wurde asiatisch gekocht, afrikanisch, russisch, italienisch, spanisch,.... ich war mit meiner zum Teil schwäbischen Küche fast schon eine Prinzessin :-) Es war so positiv bereichernd und das war Abenteuer pur.

    Natürlich musste ich zu Beginn verstehen, weshalb es gelegentlich Schuhabdrücke auf der Toilettenbrille gab, oder warum es jedes Mal, aus meiner Sicht, in der Küche stinkte, wenn der eine Chinese kochte.
    Aber ein Problem war das für mich nicht.
    Irgendwann wusste ich, um wieviel Uhr der Chinese kochte, und das war dann die Zeit, in der ich mit dem Essen zubereiten fertig war. Und die Sache mit den Schuhabdrücken auf der Toilettenbrille hat mir ein Afrikaner erklärt. Und auch da gab es eine Lösung.
    Ich machte mit den Chinesen aus, dass wenn sie die Toilette benutzt hatten, sie die Toilettenbrille säubern.

    Neben mir wohnte ein Marokkaner, der sehr oft seine Gebetsmusik laufen ließ. Zu Beginn störte es mich, weil mich das beim Lernen ablenkte. Aber auch da wurde ich einig mit dem Bewohner. Ich klopfte einfach bei ihm und erklärte ihm die Situation. Wir stimmten seine Gebetszeit mit meiner Lernzeit ab und das Problem war gelöst. Dass es bei Moslems üblich ist, die Schuhe vor der Türe auszuziehen, wusste ich bereits, und selbst die Putzfrau störte das nicht.

    Was ich damit sagen möchte, ist:
    Das hat mein Wohlgefühl und mein Gefühl der Heimat in keinster Weise beeinträchtigt. Und ich war dort als Deutsche in der absoluten Minderheit. Und wohnte mit so unterschiedlichen Nationalitäten auf engerem Raum als die Bürger, die sich über andere Nationalitäten in ihrem Ort oder in ihrer Stadt stören. Das sollte kein Störfaktor sein, sondern das nennt sich Bereicherung.
    Es wäre total mega langweilig, in einem Land zu leben, wo es ausschließlich Einheimische gibt, oder nicht?

    Es ist eine gedankliche Selektierung, wenn man andere von uns abtrennen möchte. Das funktioniert nicht. Das schürt nur Hass und Gewalt. Fremdes kennen zu lernen, bedeutet Diversity, und es wertschätzen zu können.
    Natürlich gibt es auch mal Konflikte, aber die treten bekanntermaßen auch unter Einheimischen auf. Ich sage nur: Thema Nachbarn. Was da gestritten wird, ist manchmal auch als "Krieg" zu bezeichnen.

    Deshalb sollte die SPD sich nicht denselben braunen Schuh anziehen wie die AfD mit ihrem Wahlplakat: "Holt euch euer Land zurück."
    Nö, es gibt nichts zurück zu holen, denn es wurde uns überhaupt nichts genommen!
    Es ist doch wichtig, Menschen in Not zu helfen.

    Und diejenigen, die Radikal und Extremistisch sind, da muss man selbstverständlich hart durchgreifen, ja. Genauso wie bei Einheimischen, die kriminell sind oder pädophil.
    Es kann doch nicht sein, dass Bürger ihr Heimatsgefühl verlieren, weil es vielfältige Nationalitäten und Kulturen gibt.
    Also bei mir ist das nicht so.
    Ich fühle mich wohl und auch heimatlich, egal wie viele Kulturen um mich herum sind.
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