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Richter macht Rückzieher

Homo-"Heilung" in Brasilien wieder verboten

Ein Bundesgericht in der Hauptstadt Brasilia widerrief seine umstrittene Entscheidung vom September, "Therapien" von Homosexualität zu erlauben.


Sogenannte Konversionstherapien sind nicht nur ohne Aussichten auf "Erfolg", sondern ein Verstoß gegen die Menschenrechte (Bild: mike krzeszak / flickr)

Psychologen in Brasilien dürfen ab sofort keine Versuche mehr unternehmen, Schwule und Lesben von ihrer Homosexualität zu "heilen". Dies entschied am Freitag ein Bundesgericht in der Hauptstadt Brasilia. Entsprechende Angebote dürfen auch nicht beworben werden.

Richter Waldemar Carvalho widerief damit seine anderslautende Entscheidung aus dem September. Damals hatte er das 18 Jahre lang gültige Verbot sogenannter Konversionstherapien für verfassungswidrig erklärt (queer.de berichtete). Geklagt hatte die evangelikale Psychologin Rozangela Justino, die vergangenes Jahr ihre Lizenz verloren hatte, weil sie die "Heilung" von Homosexualität angeboten hatte.

Behandeln ja – umerziehen nein

Während Carvalho im September im Verbot der "Cura Gay" noch einen Verstoß gegen die in der Verfassung garantierte Forschungsfreiheit sah, betonte er nun die Menschenrechte der Betroffenen. Er entschied, dass Psychologen zwar mit ihrer sexuellen Orientierung unzufriedene Patienten behandeln, aber nicht mehr umerziehen dürfen.

Das erste Urteil vom September hatte bei brasilianischen LGBTI-Organisationen für großes Entsetzen gesorgt. Auch der nationale Psychologenverband "Conselho Federal de Psicologia" kritisierte die Entscheidung damals scharf und kündigte an, rechtlich dagegen vorzugehen. "Man kann nicht etwas heilen, das keine Krankheit ist", so Verbandschef Rogèrio Giannini gegenüber dem "Guardian". Er stritt ab, dass das Verbot die Forschungsfreiheit einschränke. Schließlich handle es sich bei der Homo-"Heilung" nicht um eine medizinische Angelegenheit, sondern um eine religiöse.

Das Verbot der Homo-"Heilung" war 1999 erlassen worden. Der Psychologenverband hatte damals entschieden, dass Homosexualität keine Krankheit sei und die Versuche der "Heilung" zu erheblichen psychologischen Schäden bei den "Patienten" führten. Brasilien war das erste Land der Welt mit einem derartigen Verbot. Einziges EU-Land, das ebenfalls die "Heilung" von Homosexualität verbietet, ist Malta (queer.de berichtete). (cw)



#1 SoSlowAnonym
  • 17.12.2017, 09:36h
  • Das geht auch besser. Wenn die Ehe erlaubt ist, dann darf es keine Diskriminierung mehr geben. Da braucht es keine Debatten mehr.
    Über eine Form der Liebe gibt es nichts zu bedenken.
    Das gilt übrigens auch für Deutschland.

    Herzliche Grüße nach Brasilien.
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#2 RobinAnonym
  • 17.12.2017, 10:30h
  • Richtig so!

    Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass solche angeblichen Konversionstherapien schwerste psychische Schäden verursachen und oft bis zum Selbstmord führen.

    Das ist Körperverletzung oder sogar fahrlässige Tötung. Sowas darf nicht legalisiert werden.
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#3 SoSlowAnonym
#4 hugo1970Ehemaliges Profil
#5 hugo1970Ehemaliges Profil
  • 17.12.2017, 10:59h
  • Wenn sich zwei Menschen lieben, aber einer sich nicht traut, sich diese Liebe einzugestehen, dann noch zu leben, nur weil er Angst hat nicht richtig als Mann zu gelten. Das finde ich sehr traurig, leider, auch hier bei uns im 21 Jahrhundert, immer noch eine traurige Realität.
    Die Leute, die queer sind und sind unzufrieden und gelangen zu einem Scharlatan, ich denk gar nicht weiter, da es mich zu sehr niedermacht.
    Deshalb ist es JETZT und nicht morgen, in einer Stunde, sondern JETZT!!!!!!! Zeit, das Minderheitenschutz AUSNAHMSLOS eingehalten wird!!!!
    Da braucht es keine Verfassung, oder Gesetz, eigentlich, leider ist die Gesellschaft so beschissen gestrickt, das wir solche Gesetze brauchen und Minderheitenschutz in die Verfassung eingemeißelt werden muß!!!
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#6 Homonklin44Profil
  • 17.12.2017, 11:31hTauroa Point
  • Antwort auf #5 von hugo1970
  • Deshalb brauchen wir die Ergänzung im Artikel 3GG um "sexuelle Orientierung, Anlage und Identität", damit auch nicht wieder Trans*Relevanz und Intersexualität ausgeschlossen werden können.

    Interessanterweise steht darin Reliogion inkludiert, obwohl es sich dabei schon eher um eine Art "Erkrankung" handeln kann.

    dejure.org/gesetze/GG/3..html
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#7 Patroklos
#8 JasperAnonym
  • 17.12.2017, 11:58h
  • Damit ist Brasilien schon mal weiter als Deutschland...

    Und mit einer erneuten GroKo wird sich das auch nicht ändern... Erst recht nicht, nachdem Sigmar Gabriel betont hat, dass andere Themen für die SPD in Zukunft wichtiger sind.
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#9 herve64Ehemaliges Profil
#10 RobinAnonym
  • 19.12.2017, 10:37h
  • Antwort auf #8 von Jasper
  • Ja, eigentlich sollte es eine Selbstverständlicheit sein, dass Dinge, die erwiesenermaßen eine Gefahr für die seelische und körperliche Gesundheit oder sogar das Leben sind, verboten sind.

    Dass man darüber überhaupt diskutiert und nachdenken muss, sagt auch schon genug aus.

    Wir brauchen so eine Regelung auch endlich in Deutschland.
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