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Neues Skandal-Interview

Stefano Gabbana will nicht mehr "schwul" genannt werden

Mit einem neuen T-Shirt "I am a man, I am not a gay" will sich der Designer für eine "neue Kultur" stark machen.


Stefano Gabbana mit seiner "neuesten Provokation" (gay.it)

  • 17. Dezember 2017, 20:01h 35 4 Min.

Der schwule Modedesigner Stefano Gabbana hat mit einem Interview mit der Tageszeitung "Corriere della Sera" erneut für Empörung gesorgt: "Ich will nicht als schwul bezeichnet werden, weil ich ein Mensch bin. Ich finde es unglaublich, dass man heute noch diesen Begriff verwendet", sagte er der Sonntagsausgabe der Zeitung.

"Ich bin biologisch ein Mann", so der 55-Jährige. "Das Wort schwul ist von jenen entworfen worden, die ein Label brauchen, und ich möchte nicht aufgrund meiner sexuellen Wahl identifiziert werden". Er habe lange über diese Frage nachgedacht und vor rund einem Jahr die Entscheidung getroffen, den Begriff "gay" für sich abzulehnen und das in die Öffentlichkeit zu tragen: "Ich denke, eine öffentliche Persönlichkeit zu sein, kann helfen, eine neue Kultur zu verbreiten, die nicht länger auf Gay Rights, sondern auf Menschenrechten basiert. Bevor wir schwul, hetero- oder bisexuell sind, sind wir Menschen."

Der Mitinhaber des Modekonzerns "Dolce&Gabbana", der mit Domenico Dolce bis 2005 eine rund 20-jährige Beziehung führte, betonte weiter, er habe ein T-Shirt mit dem Slogan "I am a man, I am not a gay" entworfen, das er selber bald tragen werde. "Klassifizieren führt nur zu Problemen: Gay-Kino, Gay-Lokale, Gay-Kultur. Wovon sprechen wir? Kino, Bücher und Kultur gehören allen." Dabei verstehe er durchaus, dass es in einem gefährlichem Umfeld entsprechende Rückzugsmöglichkeiten geben müsse, und dass es noch immer Diskriminierung gebe.

(Noch) ein Schwuler gegen die "Homo-Lobby"

Auf die Frage, mit welchen Reaktionen von LGBTI-Verbänden er rechne, meinte Gabbana weiter: "Die Begriffe dienen oft dazu, sich zu verteidigen. Aber ich möchte von niemandem verteidigt werden, denn ich habe nichts falsch gemacht. Ich bin einfach ein Mann." In einem späteren Abschnitt des Interviews stellte er sich sogar gegen die Verbände.

Zunächst hatte der Mailänder betont, dass er nicht viel von der Politik erwarte, die nur instrumentalisiere, und seine Hoffnungen auf Schulen setze. "Wenn in Grundschulen Kindern gelehrt wird, dass Männer unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung Männer bleiben, würden wir einen großen Schritt nach vorne machen." Auf den Einwand der Zeitung, dass trotz der wenigen positiven Entwicklungen von einer "machtvollen Gay Lobby" gesprochen werde, meinte der Designer: "Das stimmt und das habe ich mit meiner eigenen Haut erfahren, als die Kontroverse um gleichgeschlechtliche Paare und die Möglichkeit des Kinderkriegens ausbrach." Die queeren Verbände hätten Dolce und ihn als erste attackiert. "Also deswegen bin ich gegen diese Lobbys."

Gegen "Modeerscheinung" Regenbogenfamilie


Das frühere Skandalinterview von Gabbana, damals zusammen mit Dolce

Gabbana spielte damit auf den großen Shitstorm an, den er Anfang 2015 zusammen mit Dolce mit einem Interview in einem italienischen Magazin auslöste (queer.de berichtete). Das Paar stellte sich damals gegen ein Adoptionsrecht für Homo-Paare und wertete Regenbogen­familien regelrecht ab. So erklärte Gabbana damals: "Die einzige Familie ist die traditionelle", sie sei keine "Modeerscheinung". Dolce ätzte gegen "synthetische Nachfahren und gemietete Gebärmütter" und betonte, Kinder sollten Vater und Mutter haben.

Nach etlichen Boykottaufrufen auch von Prominenten wie Elton John hatte sich Dolce Monate später entschuldigt und Gabbana zumindest Verständnis für Paare mit Adoptionswunsch gezeigt (queer.de berichtete).

Anfang Januar hatte Gabbana dann wieder für Ärger in sozialen Netzwerken gesorgt, als er erfreut ein Bild von Donald Trump mit Gattin Melanie postete, auf dem sie ein Kleid der Designer trug (queer.de berichtete). In weiteren Reaktionen nannte er Trump eine "wunderschöne Frau" und ihre Kritiker "dumm" – und auf Forderungen, als schwuler Mann solle er nicht die Trump-Regierung unterstützen, meinte er bereits damals: "Nennt mich bitte nicht schwul. Ich bin ein Mann. Wen ich liebe, ist meine Privatsache!!!"

In dem neuen Interview verriet Gabbana ansonsten noch, dass er verliebt sei, aber nicht heiraten wolle. "Denn ich glaube nicht an die Ehe, besonders in der Kirche. Ich bin katholisch und ich frage mich: Wie kann ich vor Gott schwören, dass dieses Gefühl ein Leben lang anhält?" Er sei nicht gegen die Anerkennung von gleich­geschlechtlichen Paaren. "Aber ich würde nicht heiraten." (cw)

06.01.17 | Wirbel um Melania-Trump-Lob
Gabbana: "Nennt mich bitte nicht schwul"
17.08.15 | Nach abschätzigen Äußerungen über Regenbogen­familien
Dolce entschuldigt sich

#1 hugo1970Ehemaliges Profil
  • 17.12.2017, 22:15h
  • Der hat echt nicht begriffen worum es geht.
    Statt gegen Diskriminierung vor zu gehen, macht er es noch schlimmer.
    Oder hat er Angst, statt ins Paradies zu gehen, das er in die Hölle kommt?
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#2 TJ74Anonym
  • 17.12.2017, 22:32h
  • Recht hat er.
    Das Label wird auch für meinen Geschmack zu häufig bebraucht ... wie selbstverständlich kleben es die Medien jedem Mann an, der sich zu seiner Homosexualität bekennt. Passiert bei Heteros nie.
    Ich bin mehr als schwul, leider können die meisten einen anderen Menschen nur eindimensional definieren. Und der Standard ist weiss, männlich, hetero, angestellt, schlank ... weichst Du davon ab, dann muss schnell ein Stempel her einschliesslich der Stereotypen Inhalte.
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#3 TheDad
  • 17.12.2017, 22:37hHannover
  • Antwort auf #1 von hugo1970
  • ""Oder hat er Angst, statt ins Paradies zu gehen, das er in die Hölle kommt?""..

    Bei solchen verdummbibelten Leuten gewinnt man oft den Eindruck, sie leben schon jetzt in einer "Hölle"..
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