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Opfer des Paragrafen 175

Wolfgang Lauinger ist tot

In den Fünfzigerjahren saß Wolfgang Lauinger wegen seiner Homosexualität monatelang in Haft. Entschädigt wurde er dafür nie.


Wofgang Lauinger starb in der Nacht auf Mittwoch in Frankfurt (Bild: van-Tien Hoang)

  • 20. Dezember 2017, 13:55h 24 2 Min.

In der Nacht zum Mittwoch ist Bundesverdienstkreuzträger Wolfgang Lauinger im Alter von 99 Jahren in Frankfurt am Main gestorben. Lauinger war eines der bekanntesten Opfer des Anti-Schwulen-Paragrafen 175. 2015 erschien sein Buch "Lauingers. Eine Familiengeschichte aus Deutschland" (Amazon-Affiliate-Link ), danach stellte er sich der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld auch als Zeitzeuge zur Verfügung.

Lauinger, der als "Halbjude" schon von den Nazis verfolgt worden war, saß auch im "demokratischen" Deutschland im Rahmen der Frankfurter Homosexuellenprozesse von 1950 bis 1951 nach einer Denunziation mehrere Monate in Untersuchungshaft. Er stand damals dem Staatsanwalt Fritz Thiede gegenüber, der bereits als Nationalsozialist im Dritten Reich brutal gegen homosexuelle Männer vorgegangen war und in der Bundesrepublik mit der Schwulenverfolgung weitermachen durfte (queer.de berichtete).

Weil Lauingers Belastungszeuge schließlich die Aussage verweigerte, wurde die Anklage fallengelassen. Der damals junge Schwule kam wieder frei.

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Lauinger wurde nicht für Haftzeit entschädigt

Obgleich Lauinger von der Bundesrepublik wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt wurde, scheiterte sein Entschädigungsantrag kurz vor seinem Tod: Weil es keine Verurteilung gab, lehnte das Bundesamt für Justiz – formal korrekt – seinen Antrag am 9. Oktober ab. Für den 99-Jährigen war das ein Schock: "Man hat das Gesetz zu einer Farce gemacht", erklärte er Anfang Dezember gegenüber dem Internetportal BuzzFeed. "Wo liegt denn für einen normalen Menschen der Unterschied, wenn du fünf Monate im Gefängnis sitzt, ob du freigelassen wirst oder freigesprochen wirst?"

Der hessische Staatssekretär Kai Klose (Grüne), der Bevollmächtigte des Landes für Integration und Antidiskriminierung, zeigte sich schockiert über den Tod Lauingers und die Tatsache, dass der Staat eine Entschädigung für erlittenes Unrecht nicht zu Lebzeiten wieder gut gemacht habe: "Es beschämt mich, dass es dem Rechtsstaat trotz des endlich beschlossenen Gesetzes nicht gelungen ist, ihn vor seinem Tod zu rehabilitieren und für seine Untersuchungshaft zu entschädigen", so Klose. (dk)

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-w-

#1 JojoAnonym
  • 20.12.2017, 15:36h
  • Ist die Strategie der schwarz-roten Bundesregierung (allen voran Justisminister Heiko Maas) also aufgegangen, die Sache auszusitzen und darauf zu hoffen, dass Opfern wie ihm die Zeit und Kraft für den weiteren Kampf fehlt.

    Möge Wolfgang Lauinger in Frieden ruhen und wenigstens jetzt von der deutschen Bigotterie verschont bleiben.

    Er und die vielen anderen Opfer des deutschen Staats werden niemals vergessen werden.
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#2 AmurPride
  • 20.12.2017, 15:49hKöln
  • Ruhe in Frieden, Wolfgang Laubinger!

    Wisst Ihr was ich mich in dem Zusammenhang gerade frage?
    Wie sich Heiko Maas heute wohl fühlt...
    Ich meine Angesichts der Tatsache, dass der SPD-Politiker sich als Bundesjustizminister am 01.12.2017 sich für seinen Einsatz um Entschädigung und Rehabilitierung der Opfer des Paragrafen 175 ehren ließ...
    Glaubt Ihr er ist immer noch der Meinung einen guten Job gemacht zu haben?
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#3 stephan
  • 20.12.2017, 15:58h
  • Eine traurige Geschichte, dass Wolfgang Lauinger nicht einmal die Genugtuung vergönnt war, wenigstens eine symbolische Entschädigung für sein erlittenes Unrecht zu erhalten! Man fragt sich wirklich, wie die Politiker, die Einfluss hatten und haben, mit ihrem Gewissen zurecht kommen!
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