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Queerfeministische Intervention

Schwules Museum* ruft 2018 zum "Jahr der Frau_en" aus

Seit der Gründung der Berliner Institution wurde vor allem die Geschichte weißer Cis-Männer erzählt – das soll sich im neuen Jahr ändern, inklusive der Einrichtung einer "Dyke-Bar".


Das Schwule Museum* wurde 1985 gegründet. Seit 2008 erfolgt eine inhaltliche Neuausrichtung, die neben der männlichen Homosexualität auch andere sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten einbezieht – dies soll durch das Sternchen hinter dem Namen ausgedrückt werden (Bild: KimSchneider / wikipedia)
  • 31. Dezember 2017, 09:01h 117 2 Min.

2018 startet im Berliner Schwulen Museum* das "Jahr der Frau_en" als queer-feministische Intervention, die über zwölf Monate verteilt ist. Gefördert wird die Neuausrichtung von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

In den Räumlichkeiten des Museums soll in Ausstellungen, Workshops, Vorträgen, Filmreihen und Aktionen die Feminismus-Frage neu aufgerollt und ausdrücklich vor dem Hintergrund intersektionaler feministischer Kritik betrachtet werden. "Die Konstruktionen sozialer Ungleichheit und die Interferenzen verschiedener, konkurrierender und sich ergänzender Diskriminierungsformen aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung und unterschiedlicher Fähigkeiten werden in den Fokus gerückt", heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Berliner Institution – ein Novum für die Ausstellungspraxis, wo seit der Gründung 1985 vor allem Geschichten weißer Cis-Schwuler erzählt wurden.

Veranstaltungenreihen, Filme und Diskussionen

Ein ganzes Jahr lang will das Schwule Museum* Lücken und Ausschlüsse aufspüren und in vielfältigen Projekten thematisieren. Dafür werden queere Weiblichkeiten beschrieben, wie beispielsweise in einer Rauminstallation von der Künstlerin und Medienwissenschaftlerin Claudia Reiche zur Hijra-Kultur Indiens. Außerdem gibt es Ausstellungen zu queer-feministischen Utopien und zur Geschichte des Lesbischen Aktionszentrums LAZ, das seit den Siebzigerjahren eine der wichtigen Lesbengruppen der Republik ist. Kuratorin Birgit Bosold fragt außerdem in ihrer Ausstellung danach, ob es eigentlich lesbische Kunst gibt.

Dazu gibt es Veranstaltungenreihen, Filme und Diskussionen, ein Mini-Symposium zu Ehren von Monique Wittig, einer großen lesbischen Schriftstellerin und Stichwortgeberin für die queere Theoriebildung, und die Einrichtung einer "Dyke-Bar" im Café des Museums.

Zu jedem Neumond neue feministische Filme

Eröffnet wird das "Jahr der Frau_en" von der Filmreihe "12 Monde", kuratiert von der Künstlerin Vera Hofmann. Die "12 Monde" sind eine ganzjährige Intervention: für ein Jahr wird ein Raum des Museums belegt und verwandelt sich in eine Filmlounge. Das Programm läuft zu den regulären Öffnungszeiten und wechselt zu jedem Neumond. Gezeigt wird eine Auswahl internationaler Film- und Videoarbeiten von Feministinnen und FLT*I zu den ungesehenen Geschichten, den Klassikern lesbischer Filmhistorie, den zeitgenössischen queeren Positionen und den Stimmen von Women* of Color.

Zum ersten Neumond am 17. Januar 2018 startet die Filmreihe mit fünf Filmen unter der Überschrift "Am Anfang die Mütter". Das Programm widmet sich der Beschäftigung der Filmemacherinnen* und Protagonistinnen* mit Matrilinearität und der Beziehung zu ihren Müttern. (cw/pm)

-w-

#1 TomchenTomchenAnonym
  • 31.12.2017, 12:21h
  • Dieser Dyke-Hype. Gut, dass es Trends nicht nur bei Musik, Mode und Ernährung gibt. (Irnoie off.) "Die Konstruktionen sozialer Ungleichheit und die Interferenzen..." und hier breche ich das Zitat mal ab, weil ich gedanklich aussteige und keine Lust habe, auf Wikipedia nachzuschlagen, was das übersetzt eigentlich bedeutet. Das Schwule Museum wurde vor vielen Jahrzehnten gegründet, um der von massivsten Repressalien drangsalierten schwulen Community etwas Selbstbewusstsein zurückzugeben. Und nicht, um lesbischen Wissenschaftlerinnen und die, die es sein möchten, eine Selbstverwirklichungsplattform zu schenken. Dafür gibt's das Lesbenarchiv.
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#2 herve64Ehemaliges Profil
  • 31.12.2017, 12:53h
  • Antwort auf #1 von TomchenTomchen
  • Ganz meine Meinung: diese aufgesetzte Effeminierung nervt einfach nur noch!

    Das ist genau so bescheuert wie seinerzeit die Initiative einer gewissen schwullesbischen Wählergruppierung in München, den dortigen "Christopher Street Day" in "Christina Street Day" umzubenennen, um der "Sichtbarkeit der Lesben" Gewicht zu geben, was sie nach einem gehörigen Shitstorm dann doch unterlassen haben.

    Ich fordere jetzt im Gegenzug, dass Frauenzentren dann das "Jahr des Schwulen" ausrufen und dementsprechend agieren. Das gebietet allein schon die Geschlechtergerechtigkeit.
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#3 gifiAnonym
  • 31.12.2017, 12:55h
  • Gut so; saturierte FDP-Schwule haben schon mehr als genügend Wege gefunden, sich in der Öffentlichkeit zu exponieren. Vielleicht geht mit der Rückbesinnung auf lesbische Kämpfe ja auch einher, dass die Bewegung wieder die soziale Frage stellt, statt ewig auf inhaltsleeren CSDs die Spaßgesellschaft wiederbeleben zu wollen.
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