Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?30388

Ehe für alle

Hendricks: "Die Kanzlerin hat mich persönlich beglückwünscht"

Die amtierende Bundesumweltministerin spricht im dpa-Interview über ihre Hochzeit mit ihrer langjährigen Partnerin, ihr ungeplantes Coming-out vor vier Jahren und homophobe Facebook-Kommentare.


Die SPD-Politikerin Barbara Hendricks ist amtierende Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (Bild: BMUB / Susie Knoll)

Nach dem "Upgrade" ihrer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Lehrerin Valérie Vauzanges am 30. Oktober zu einer Ehe hat die amtierende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks "unglaublich viele Gratulationen" erhalten. Dies erzählte die SPD-Politikerin in einem am Mittwoch in der Zeitung "Main-Echo" veröffentlichten dpa-Interview.

"Die Sparkasse hat geschrieben, die Krankenkasse hat geschrieben, die katholischen Frauen des Bistums Münster haben geschrieben. Auch im Kabinett haben mir viele gratuliert", sagte Hendricks. "Die Kanzlerin hat mich persönlich beglückwünscht, als wir uns am Tag nach der Hochzeit beim Reformationsjubiläum in Wittenberg getroffen haben."

Die Ehe für alle als "positive Überraschung"

Die Öffnung der Ehe im vergangenen Jahr nannte die Umweltministerin eine "positive Überraschung". Auslöserin sei Angela Merkel gewesen, die Ende Juni im Talk mit "Brigitte" erklärt hatte, die Ehe für alle zur Gewissensfrage zu machen (queer.de berichtete). "Von den Äußerungen der Kanzlerin an jenem Abend waren CDU und CSU dann aber genauso überrascht wie wir", erinnerte sich Hendricks.

Sie selbst habe davon erst am nächsten Tag erfahren: "An dem Morgen gab Martin Schulz vor der versammelten Hauptstadtpresse bekannt, noch im Verlauf der Woche – es war die letzte reguläre Sitzungswoche des Parlaments vor der Bundestagswahl – die Ehe für alle im Bundestag auf die Tagesordnung bringen zu wollen."

Direkt nach dem Parlamentsbeschluss hatte die Ministerin ihrer Partnerin bei einer SPD-Feier am Brandenburger Tor einen Heiratsantrag gemacht (Video und Kurzbericht im damaligen Live-Ticker zur Ehe-Öffnung). "Das war absolut spontan", sagte die 65-Jährige im dpa-Interview. "Nach Reden von Martin Schulz und Klaus Wowereit habe ich mir das Mikro gegriffen. Genau genommen war das noch nicht der Antrag selbst, sondern nur die öffentliche Ankündigung, meiner Partnerin einen Heiratsantrag machen zu wollen." Diese habe sich darüber "gefreut", so Hendricks.

Twitter / welt | Die Hochzeit fand Ende Oktober ein großes Medienecho

Seit 20 Jahren ein Paar

Die Ministerin und Vauzanges sind seit rund 20 Jahren zusammen, im Oktober 2010 hatten sie sich heimlich verpartnert. Die Homosexualität der SPD-Politikerin wurde erst 2013 einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Kurz nach ihrer Ernennung zur Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit hatte die "Rheinische Post" an Silvester 2013 ein Porträt über Hendricks veröffentlicht und in einem Nebensatz erwähnt, dass sie mit einer Frau zusammenlebt (queer.de berichtete).

Dieses öffentliche Coming-out sei nicht geplant gewesen, sagte die Politikerin im dpa-Interview. "Ich war einigermaßen überrascht, als Kolleginnen und Kollegen auf uns zukamen, um uns zu gratulieren. Wir hatten damals nicht damit gerechnet, dass das auf solch ein mediales Interesse stoßen würde." Mit ihrer Partnerin hätte sie in ihrer Heimatstadt Kleve schon seit vielen Jahren zusammengelebt.

Im Interview berichtete Hendricks auch, dass sie homophobe Facebook-Kommentare erhalte, diese aber ignoriere: "Es gibt leider immer einen gewissen Prozentsatz in der Bevölkerung, der nicht alle Artikel des Grundgesetzes verinnerlicht hat und die Regeln des Anstands nicht einhält. Das ist bedauerlich, aber nicht zu ändern." (cw)



#1 TommmiAnonym
#2 Markusbln11Anonym
  • 04.01.2018, 08:28h
  • Barbara, danke Dir.

    Dein öffentliches Auftreten ist ein wichtiger Beitrag auch für lesbisches Sichtbarsein.

    Bleib uns erhalten!!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 BuntUndSchoenesEhemaliges Profil
#4 BuntUndSchoenesEhemaliges Profil
  • 04.01.2018, 10:34h
  • Zu Frau Merkel hab ich zu sagen, dass sie privat sehr wohl Anstand zeigt und ihre Freundlichkeit schenkt.
    Wenn sie das nur politisch ebenfalls so halten würde, würde sie damit ganz Deutschland was Gutes tun.

    Das ganze Gedöns mit "mit den Grünen werden wir uns nicht einig"
    "Das Mandat der Wahl vom September ist in den Sand gesetzt"
    "Sie stimmt gegen die Eheöffnung"
    das ist alles nur CDU Politik, mit der sie sich mit Haut und Haar versprochen hat.

    Aber wie kann sie beides in sich vereinen?
    Privat so aufgeschlossen und politisch so dermaßen konservativ - das bleibt mir ein Rätsel. Und hinzunehmen, dass das Deutschland nicht gut tut, verstehe ich genauso wenig.
    Es zeigt für mich nur, dass sie politisch durchaus auch mit geschlossenen Augen verfährt.

    Und das halte ich politisch für gefährlich.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 erwinAnonym
  • 04.01.2018, 10:56h
  • wenigstens wissen wir jetzt, dass es eine ganz traditionelle Ehe ist, wo der dominante Partnerteil dem eher hilflosen Geschöpf, das geheiratet werden will/soll einen Antrag macht. Bei Heteros ist es ja klar, dass diese Dominanz beim Mann ist und die Hilflosigkeit bei der Frau. Ich hätte mir gewünscht, dass wir Homos etwas weiter wären und gleichberechtigt zusammen entscheiden, dass wir heiraten wollen - und nicht die Heteros kopieren müssen/wollen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 WindheimerAnonym
#7 BuntUndSchoenesEhemaliges Profil
#8 Sven100Anonym
  • 04.01.2018, 12:39h
  • Antwort auf #5 von erwin
  • " Ich hätte mir gewünscht, dass wir Homos etwas weiter wären und gleichberechtigt zusammen entscheiden, dass wir heiraten wollen - und nicht die Heteros kopieren müssen/wollen."

    Ganz genau! Schwule und Lesben, die schon seit Jahren gemeinsam leben, sollten auch gemeinsam entscheiden, ob sie heiraten wollen. Der Quatsch mit einem "Heiratsantrag" , womöglich noch auf Knien, eignet sich eher für eine Hochzeitsshow bei RTL II.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 TimonAnonym
  • 04.01.2018, 12:56h
  • Schön für sie. Aber das heißt nicht, dass es jetzt nichts mehr zu tun gäbe.

    Verbot von konversionstherapien, Reform Art. 3 GG, Reform des AGG, Reform des Transsexuellengesetzes, Reform des Abstammungsrechts, generelles Asylrecht für LGBTI, Reform des Gesetzes zur Rehabilitation der Paragraph 175 Opfer, etc.

    Das sind alles Dinge, die noch zur vollen rechtlichen Gleichstellung fehlen und wo es teilweise sogar um Menschenleben geht.

    Daran wird sich jede künftig Regierungspartei messen lassen müssen. Da gibt es keinen Grund, sich auf irgendwas auszuruhen.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 BuntUndSchoenesEhemaliges Profil