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- 29. Juni 2005 4 Min.
Der Kölner CSD will mit seinem Motto "lebenslang liebens:würdig" die Generationen verbinden: Butz Brand von den Golden Gays im Interview.
Von Micha Müller
Das Motto des diesjährigen Kölner CSDs soll deutlich machen, dass auch alte Lesben und Schwule zur Community dazu gehören. Butz Brandt, mit 58 Jahren immer noch sehr aktiv für die Belange von Kölner Homos, hat vor vier Jahren die Golden Gays gegründet, eine Gruppe für Schwule ab 50. Im queer.de-Interview erzählt er von seinem Coming-out und wie die Golden Gays entstanden sind.
Ab wann ist man als Schwuler eigentlich alt?
Wenn es nach den Medien geht, sind Schwule ab 30 Jahren alt. Ältere Schwule tauchen in den Medien meist gar nicht mehr auf. Viele haben auch selber ein Problem damit, wenn sie erst einmal die 30 überschritten haben. Ich bin 58 Jahre alt und habe jedes Alter als schön empfunden und auch aus jeder Altersstufe etwas gemacht.
Wie hat sich die Szene in den letzten Jahrzehnten verändert?
In den letzten Jahren wirkt die Szene auf mich sehr sprunghaft. Immer neue Lokale sind aus dem Boden geschossen und viele haben auch wieder zu gemacht. Insgesamt ist die Szene in den vergangenen Jahren sehr viel jünger geworden. Die Leute haben heute mehr Geld, das Äußere wird immer wichtiger. Für viele Schwule sind Klamotten sehr wichtig, das Innere eines Menschen tritt immer stärker in den Hintergrund.
Wie empfindest du das Verhältnis zwischen jungen und alten Schwulen?
Viele junge Schwule glauben, dass Ältere nur mit ihnen ins Bett wollen. Es ist schwer, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, im Großen und Ganzen gibt es wenig Kontakt zwischen beiden Altersgruppen. Viele junge Schwule, die gerade ihr Coming-Out hinter sich haben und dem Elternhaus entflohen sind, haben erst mal die Nase voll von Älteren, denn sie haben es Zuhause mit den Eltern nicht immer leicht gehabt. Sie wollen dann lieber unter sich sein.
Ist Dir die Szene wichtig?
Ja, weil es viele andere ältere Schwule gibt, die ich dort treffen kann. Schade ist, dass man häufig auf die gleichen Leute trifft, aber oft mit ihnen nicht ins Gespräch kommt. Viele sitzen den ganzen Abend alleine vor ihrem Kölsch und reden kein Wort. Da ich aber sehr offen auf Leute zugehe, mache ich meist gute Erfahrungen, wenn ich jemanden anspreche. Für Jugendliche ist die Szene etwas normales, weil sie damit aufgewachsen sind. Viele Ältere gehen zwar in die Szene, sind aber gehemmt und sehr zurückgezogen.
Du bist Gründer und Leiter der schwulen Seniorengruppe "Golden Gays" in Köln. Wie kam es dazu?
Das Sozialwerk ist an uns herangetreten und ich habe gesagt, ich kann es ja mal mit einer neuen Gruppe versuchen. Ich habe dann in verschiedenen Szenekneipen Plakate aufgehängt, und mit elf Teilnehmern hat vor vier Jahren der erste Golden Gays-Abend im Schulz stattgefunden. Heute haben wir natürlich mehr Teilnehmer, und der feste Kern besteht aus etwa 23 Leuten, die immer dabei sind. Wir treffen uns alle zwei Wochen Montags im Rubikon und unternehmen eine ganze Menge, machen Kino- und Theaterbesuche oder fahren gemeinsam in Urlaub.
Wie alt muss man sein, um bei euch mitzumachen?
Eigentlich sind wir offen für Schwule ab 50, aber wir schlagen niemandem die Türe vor der Nase zu. Unser jüngstes Mitglied ist 37 Jahre alt, der älteste Teilnehmer 74. Und im Laufe der Zeit haben sich bei uns fünf Paare gefunden.
Gibt es etwas, das Du jüngeren Schwulen sagen willst?
Man sollte versuchen, immer nach vorne zu blicken und im hier und jetzt zu leben. Und man sollte begreifen, dass es kein Problem ist, älter zu werden. Jeder wird älter, daran kommt niemand vorbei. In der Szene sollte jeder akzeptiert werden, auch wenn er keine Designerklamotten trägt und nicht mehr der Jüngste ist. Was zählt, ist der Mensch. Ein stärkeres Miteinander von jung und alt wäre schön.
29. Juni 2005
Links zum Thema:
» Golden Gays














