https://queer.de/?30411
Der große Tag ist da!
Australien: Alle dürfen heiraten
Seit Mitternacht ist in Australien das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben Geschichte.

Craig Burns und Luke Sullivan geben sich um kurz nach Mitternacht in New South Wales das Ja-Wort (Bild: Instagram / sarahmayalexander_celebrant)
- 9. Januar 2018, 12:11h 3 Min.
Der 9. Januar 2018 wird in die Geschichte Australiens als Tag der Gleichstellung eingehen: Nach jahrelangem politischen Kampf haben gleichgeschlechtliche Paare seit Mitternacht das Recht auf Eheschließung.
Zu den ersten neuen Ehepaaren gehören Luke Sullivan und Craig Burns, die sich in der Kleinstadt Carool im Bundesstaat New South Wales das Ja-Wort gaben. "Wir sind sehr glücklich, dass wir eines der ersten homosexuellen Paare sind, die in Australien geheiratet haben", sagte der 29-jährige Burns gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Durch die Ehe-Öffnung sei ein Meilenstein für die Gleichbehandlung aller Menschen erreicht worden.
Das Paar feierte die Hochzeit andersherum als normalerweise üblich: Zunächst wurden am Montagabend ein Festmahl und Getränke geboten – der Höhepunkt war dann um Mitternacht die Hochzeitszeremonie.
/ sunriseon7 | In den australischen Medien waren die ersten Eheschließungen eine große GeschichteCongrats to Gold coast couple Michelle and Zoe!
Sunrise (@sunriseon7) January 8, 2018
Theyre one of many same-sex couples marrying today as #MarriageEquality officially becomes legal in Australia. pic.twitter.com/JrnR9E1YL6
Jahrelanger Kampf um Gleichstellung
Über Jahre kämpften LGBTI-Aktivisten in Australien für die Ehe-Öffnung. Diese scheiterten aber immer wieder insbesondere am Widerstand der Liberal Party, einer Mitte-Rechts-Partei. Noch 2004 beschloss das Parlament unter dem damaligen Premierminister John Howard, einem erbitterten Gegner der Gleichbehandlung, ein Gesetz, das die Ehe als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau definierte (queer.de berichtete). Allerdings gab es in den letzten Jahren einen Meinungsumschwung in der Bevölkerung und der Druck auf die jeweilige Regierung wurde immer größer.
Im vergangenen Jahr hatte die Ehe-Öffnung das politische Leben in Australien bestimmt. Premierminister Malcolm Turnbull von der Liberal Party setzte deshalb auf einen äußerst selten stattfindenden und teuren Volksentscheid, um einen innerparteilichen Streit zu vermeiden – weil er auch dafür keine Mehrheit fand, letztlich in Form einer unverbindlichen Briefabstimmung durch die Statistik-, nicht Wahlbehörde.
LGBTI-Aktivisten kritisierten dieses Vorgehen scharf. Sie erklärten, man könne nicht mit Plebisziten über Grundrechte abstimmen. Außerdem befürchteten sie, dass Homo-Hasser den Wahlkampf zu offener Homophobie nutzen würden und damit die Stimmung im Land vergiften würden – tatsächlich bestimmten Slogans wie "Stoppt die Schwuchteln" Teile der öffentlichen Debatte (queer.de berichtete). Am Ende stimmte aber eine deutliche Mehrheit von fast 62 Prozent für die Gleichbehandlung (queer.de berichtete).
Daraufhin stimmten sowohl Repräsentantenhaus als auch Senat mit deutlicher Mehrheit für die Ehe-Öffnung (queer.de berichtete). Das Gesetz trat am 9. Dezember in Kraft. Da in Australien aber eine einmonatige Wartefrist für alle Eheschließungen gilt, mussten Homo-Paare noch bis ins neue Jahr auf das Ja-Wort warten.
Bislang gab es weltweit 22 Staaten, die landesweit die Ehe geöffnet haben, zwölf davon in Europa – Australien ist Nummer 23. In der Liste nicht berücksichtigt ist unter anderem Österreich, das nach einer Gerichtsentscheidung die Ehe bis zum 1. Januar 2019 öffnen muss (queer.de berichtete). Auch nicht in der Liste enthalten ist Großbritannien, weil der teilweise autonome Landesteil Nordirland nach wie vor am Ehe-Verbot für Schwule und Lesben festhält. (dk)














