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Interview

Was bringt Europas größte Onlinebefragung schwuler und bisexueller Männer?

Der European MSM Internet Survey (EMIS) wurde bis zum 31. Januar verlängert. Im Gespräch mit queer.de erklärt Projektkoordinator Prof. Dr. Axel J. Schmidt, warum die Teilnahme sinnvoll ist.


Schwule Männer beim Gay Pride (Bild: Brocco / flickr)
  • 12. Januar 2018, 05:13h 12 3 Min.

Im Rahmen des European MSM Internet Survey (EMIS) werden noch bis Ende des Monats schwule und bisexuelle Männer aus ganz Europa zu ihrem Sexual- und Freizeitverhalten befragt. Bislang haben sich über 120.000 beteiligt. Auf Grundlage der Onlinestudie werden unter anderem Präventionsprogramme wie IWWIT überprüft und den aktuellen Bedürfnissen angepasst.

Im Interview mit queer.de spricht Projektkoordinator Prof. Dr. Axel J. Schmidt über den Sinn der Befragung und ruft zur Teilnahme auf. Die Beantwortung der Fragen dauert zwischen 15 und 25 Minuten.


Dr. med. Axel Jeremias Schmidt ist Professor für Sexuelle Gesundheit und Geschlechtskrankheiten an der London School of Hygiene and Tropical Medicine

Herr Prof. Schmidt, was will die EMIS-Studie genau herausfinden?

Hauptziel ist es, Daten für die Verbesserung der Prävention von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten für schwule und bisexuelle Männer zu gewinnen. Im Vordergrund stehen dabei die Bedürfnisse der Befragten. Wir untersuchen aber auch, wie sich politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen auf die Entwicklung von Epidemien auswirken und was die einzelnen Länder voneinander lernen können.

Wozu ist ein europäischer Vergleich heute notwendig? Gibt es bei der großen Mobilität überhaupt noch große Unterschiede zwischen schwulen Männern aus einzelnen europäischen Ländern?

So schnell gleichen sich Kulturen nicht an, und "Europa" ist keine sehr homogene Region. Es gibt immer noch erhebliche Unterschiede zwischen einem schwulen Leben in Moskau und Berlin oder zwischen Kopenhagen und Chisinau in Moldawien. Aber auch zwischen Zagreb und Madrid oder zwischen Warschau und Stockholm.

Nicht zuletzt unterscheiden sich die gesundheitlichen Angebote, wie zum Beispiel die Beratung und Testung rund um HIV und andere Geschlechtskrankheiten. Häufig werden solche Angebote nicht von den schwulen Männern gemacht, die mit den Billigfliegern von Berlin nach Barcelona und Brüssel fliegen, sondern von Menschen vor Ort, die dem schwulen Leben nicht unbedingt nahe stehen. Und insbesondere die brauchen die Informationen, die nur EMIS liefern kann.

Gibt es besonders dringende Fragen, die die Studie beantworten soll?

Es gibt viele dringende Fragen. Eine, die im Moment besonders viele Menschen interessiert, ist, wie viele schwule Männer in den unterschiedlichen europäischen Ländern bereits die PrEP nehmen und woher sie die Medikamente beziehen. Andere Fragen sind, was die Männer von Schutz durch Therapie wissen und wie sie damit umgehen. Wie zufrieden sie mit sich und ihrer Sexualität sind, ob und wie sie Ausgrenzung erleben. Und wir wollen wissen, wie viele Männer Chems beim Sex nehmen und ob sie vielleicht Probleme mit ihrem Konsum haben.

Nun hört ein schwuler Mann von EMIS und stellt sich womöglich die Frage: "Was hab ich denn persönlich von der Studie und ihren Ergebnissen?" Was würden Sie ihm antworten?

Zum Beispiel das: 2011 haben wir herausgefunden, dass die Chance für einen schwulen Mann beim STI-Check einen Analabstrich zu bekommen, in Berlin, Köln, München, Wien oder Zürich zehnmal kleiner war als in London. Nach diesem Ergebnis haben sich die Angebote in Deutschland, Österreich und der Schweiz erheblich verbessert – das ist doch ein gutes Ergebnis, von dem jeder schwule und bisexuelle Mann etwas hat!

-w-

#1 Paulus46Anonym
  • 12.01.2018, 12:49h
  • Die Studie ist nur teilweise aussagekräftig. Wel sich nur ein bestiimmter Teil der schwulen und bisexuellen Männer dort meldet und mitmacht. Schwule und bisexuelle Menschen sind aber in ihrer Persönlichkeit genauso unterschiedlich wie heterosexuelle Menschen.

    An solchen Studien nehmen ich nie teil, weil sie die Realität homosexueller Menschen verzerrt darstellen.
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#2 AFD-WatchAnonym
  • 12.01.2018, 12:55h
  • Antwort auf #1 von Paulus46
  • "An solchen Studien nehmen ich nie teil, weil sie die Realität homosexueller Menschen verzerrt darstellen."

    Natürlich nicht. Damit du dich hinterher aufregen kannst, dass die Studien dich verzerrt darstellen, anstatt dazu beizutragen, dass es eben anders ist.
    Was für eine Logik!
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#3 Homonklin44
  • 12.01.2018, 13:29hTauroa Point
  • ""Bitte beachten Sie: Die (nicht tägliche) Einnahme der PrEP nur vor und nach dem Sex bezieht sich nur auf Analsex. Für aufnehmendem Vaginalsex, zum Beispiel bei Trans*Männern, konnte kein entsprechender Schutzeffekt gezeigt werden. ""

    Das war jetzt doch relativ aufschlussreich und dahingehend auch einige Zweifel bestätigend, dass PrEP "praktisch" zu 100% sicher sein soll, wie hier immer mal wieder propagiert wird, als auch anderswo.

    Ein bischen blöd ist, man kann nicht angeben, inwiefern man seinen "Sex" erfährt, außer Solchem, der mit anderen Personen stattfindet.
    Masturbation und Fetischsex/Gearsex gilt demnach offenbar gar nicht als "Sex".

    Es gibt auch keine Möglichkeit, anzugeben, weswegen man Marihuana /THC als Schmerztherapie begleitend gegen Polyneuropathien einsetzt.

    Danke für die Empfehlung der Studie
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