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Initiiert von Lutz van Dijk und Friedhelm Krey

Herr Schäuble, erinnern Sie erstmals an sexuelle Minderheiten!

Beim Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2019 sollen die KZ-Häftlinge mit dem Rosa Winkel explizit gewürdigt werden, fordert eine Petition an den Bundestagspräsidenten.


Am Kölner Rheinufer erinnert seit 1995 ein Mahnmal an die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident Dr. Schäuble,

sehr geehrte Bundestags-Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten Frau Pau, Frau Roth, Herr Dr. Friedrich, Herr Kubicki und Herr Oppermann !

Seit 1996 gilt der Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 als offizieller Gedenktag in Deutschland. 2005 erklärte die UNO diesen Tag weltweit zum "International Holocaust Remembrance Day".

Bereits am ersten Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus 1996 sprach der damalige Bundespräsident Roman Herzog sowohl von den jüdischen Opfern der NS-Barbarei, als auch von lange öffentlich nicht anerkannten anderen Opfergruppen, wie den Sinti und Roma, Behinderten und Homosexuellen: "Weil sie… vom willkürlich festgelegten Menschenbild abwichen, bezeichnete man sie als 'Untermenschen', 'Schädlinge' oder 'lebensunwertes Leben' – Juden, Sinti und Roma, Schwerstbehinderte, Homosexuelle… Die Wirkungen dieser Politik waren vor allem deshalb so furchtbar, weil sie sich wohldosiert in das öffentliche Bewußtsein einschlichen, ja… den Gehirnen infiltriert wurden."


Der ehemalige Finanzminister Wolfgang Schäuble ist seit dem 24. Oktober 2017 Präsident des Deutschen Bundestages (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Es war nicht nur für die Betroffenen von großer Bedeutung, sondern auch für eine breite Öffentlichkeit, dass außer den jüdischen Opfern an diesem Gedenktag im Bundestag erstmals 2011 mit dem Niederländer Zoni Weisz (*1931) auch ein Vertreter der Roma und Sinti zu Wort kam, 2016 an die Leiden der Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter erinnert wurde und 2017 sowohl zwei Angehörige von durch sogenannte "Euthanasie" Ermordeter, als auch der junge, mit Down-Syndrom lebende Schauspieler Sebastian Urbanski (*1978) zu hören waren.

Die Unterzeichnenden dieser Petition sind als Fachleute in unterschiedlichen Bereichen des Erinnerns national und international anerkannt und bitten den Bundestagspräsidenten sowie sein Präsidium eindringlich, nach mehr als zwei Jahrzehnten am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus 2019 erstmals auch an homosexuelle Männer (unter ihnen vor allem an die KZ-Häftlinge mit dem Rosa Winkel), aber auch an lesbische Frauen und andere aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Orientierung Benachteiligte und Ausgegrenzte im Bundestag zu erinnern.

Unterzeichnet haben auch die Holocaust-Überlebenden Frau Ruth Weiss (Dänemark), Frau Rozette Kats (Niederlande) und Frau Esther Bejerano (Deutschland).

Mit freundlichem Gruß und in Erwartung Ihrer Antwort namens der 84 Unterzeichner*innen der Petition,

Dr. Lutz van Dijk, Amsterdam und Kapstadt
Dr. Friedhelm Krey, Berlin

Unterzeichner*innen:
Esther Bejarano (Holocaust Überlebende und Präsidentin des Auschwitz Komitees, Bundesrepublik Deutschland)
Prof. Dr. Wolfgang Benz (ehem. Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung, Berlin)
Michel Bergmann (Schriftsteller und Drehbuchautor, Berlin)
Ralf Bogen (Projekt "Der Liebe wegen", LSBTTIQ-Aktivist, Stuttgart)
Ulf Bollmann (Historiker, Initiative "Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer", Hamburg)
Dr. Birgit Bosold (Schwules Museum, Berlin)
Manfred Bruns (ehem. Bundesanwalt, Karlsruhe)
Ilona Bubeck / Jim Baker (Querverlag, Berlin)
Stephan Cooper / Naana Lorbeer (Queeramnesty, Berlin)
Prof. Dr. Martin Dannecker (Sexualwissenschaftler, Berlin)
Prof. Dr. Nina Degele (Soziologin, Gender Studies an der Universität Freiburg)
Dr. Lutz van Dijk (Historiker und Schriftsteller, Amsterdam / Kapstadt)
Dr. Jens Dobler (Historiker, Berlin)
Ralf Dose (Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin)
Lothar Dönitz (Stolpersteine-Projekt der bisher bekannten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen und KZ Ravensbrück, Berlin)
Barry van Driel (Mitarbeiter für Internationales im Anne Frank Haus, Amsterdam)
Günter Dworek (Bundesvorstand LSVD – Lesben- und Schwulenverband, Berlin)
Albert Eckert (Mitinitiator des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin)
Jan Feddersen (Journalist, Initiative Queer Nations e.V., Berlin)
Alois Finke (Supervisor, Leitungsgruppe Katholische Jugendakademie Walberberg, Bonn)
Dr. Benno Gammerl (Historiker, DAAD-Fachlektor für Queer History am Goldsmiths College, London)
Dr. Detlef Garbe (Direktor der KZ-Gedenkstätte Neuengamme)
Heinz Gottberg und Dieter Allers (Architekten, Schriftsteller, Phaidros-Jugendstiftung, München)
Dr. Günter Grau (Historiker, Berlin)
Detlef Grumbach / Joachim Bartholomae (Männerschwarm Verlag, Hamburg)
Dr. Anna Hájková (Historikerin, University of Warwick)
Prof. Dr. Georg Hansen (Soziologe und Bildungswissenschaftler, Bremen)
Prof. Dr. Sabine Hark (Direktorin des Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung, Technische Universität Berlin)
Georg Härpfer (Vorstandsmitglied, Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren / BISS, Berlin)
Hans Hengelein (Diplom-Psychologe, Hannover)
Manfred Herzer (Gründungsmitglied des Schwulen Museums, Berlin)
Christoph Heubner (Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Berlin)
Dr. Matthias Heyl (Historiker und Erziehungswissenschaftler, Neustrelitz)
Rainer Hoffschildt (Historiker, Hannover)
Stefan Hüsgen (Goethe Institut, München)
Klaus Jetz (Geschäftsführer Hirschfeld-Eddy-Stiftung, Köln)
Rozette Kats (Holocaust Überlebende, Augenzeugin vor Schulklassen in Deutschland und den Niederlanden, Amsterdam)
Dr. Ben und Ubbo Khumalo-Seegelken (Pastoren, Afrikanisten und Historiker, Oldenburg)
Ulli Klaum ( Leiter, Akademie Waldschlößchen, Göttingen)
Albert Knoll (Archivar der Gedenkstätte Dachau, München)
Dr. Friedhelm Krey (Supervisor, Berlin)
Gottfried Kößler (Pädagogisches Zentrum am Fritz Bauer Institut, Frankfurt/M.)
Prof. Dr. Rüdiger Lautmann (Soziologe, Bremen / Berlin)
Dr. Gottfried Lorenz (Historiker, Hamburg)
Prof. Dr. Martin Lücke (Historiker, Organisator des jährlichen Queer History Month, Freie Universität Berlin )
Dr. Rainer Marbach (Vorstandsvorsitzender, Akademie Waldschlößchen, Göttingen)
Dr. Meron Mendel (Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt/M.)
Detlef Mücke (Schwule Lehrer in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft/GEW, Berlin)
Dr. Klaus Mueller (Gründer und Leiter, Global LGBT Forum, Salzburg)
Dr. Julia Noah Munier (Historisches Institut, Universität Stuttgart)
Prof. Dr. Rainer Nicolaysen (Historiker, Mitherausgeber des Jahrbuchs der Sexualitäten, Universität Hamburg)
Dr. Joanna Ostrowska (Historikerin und LGBTIQ-Aktivistin, Warschau)
Frank G. Pohl (Pädagoge, Landeskoordinator Schule der Vielfalt in Nordrhein-Westfalen)
Dr. Dagmar Pruin (Geschäftsführerin von Aktion Sühnezeichen / Friedensdienste, Berlin)
Dr. Thomas Rahe (Stellv. Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Hannover)
Babette Reicherdt (Historiker_in, Initiative Queer Nations e.V., Berlin / Kassel)
Stefan Reiß (erster parteiloser schwuler Abgeordneter Deutschlands, Berlin)
William Schaefer (Projekt "Der Liebe wegen", Freiburg)
Prof. Dr. Axel Schildt (ehem. Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg)
Axel Schock (Journalist, Berlin)
Hartmut Schönknecht / Torsten Schrodt (Vorstand Homosexuelle Selbsthilfe Deutschland)
Dr. Claudia Schoppmann (Historikerin, Berlin)
Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum (Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung, Berlin)
Prof. Dr. Michael Schwartz (Institut für Zeitgeschichte, Vorsitzender des Fachbeirats der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Berlin / München)
Patrick Siegele (Direktor des Anne Frank Zentrums, Berlin)
Prof. Dr. Detlef Siegfried (Historiker, Universität Kopenhagen)
Karl-Heinz Steinle (Historiker, Berlin/Stuttgart)
Dr. Andreas Sternweiler (Mitbegründer Schwules Museum, Berlin)
Stefanie Sycholt (Filmregisseurin, München)
Jerzy Szczesny (Vorstand Schwulenberatung, Berlin)
Prof. Dr. Stefan Timmermanns (Sexualpädagoge, University of Applied Sciences, Frankfurt/M.)
Wolfgang Theis (Mitbegründer Schwules Museum, Berlin)
Claudia Weinschenk (Historikerin, Projekt "Der Liebe wegen", Stuttgart)
Ruth Weiss (Holocaust Überlebende, Schriftstellerin, Skipsted / Dänemark)
Prof. Dr. Michael Wildt (Historiker, Humboldt Universität Berlin)
Raimund Wolfert (Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin)
Prof. Dr. Jürgen Zimmer (Erziehungswissenschaftler em., Freie Universität Berlin



#1 BEARAnonym
  • 15.01.2018, 06:54h
  • Find' ich's nur nicht, oder gibt es tatsächlich keine Möglichkeit, die Petition mit zu unterzeichnen?
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#2 Patroklos
#3 Julian LAnonym
  • 15.01.2018, 09:57h
  • Es ist skandalös, dass bisher beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus diese Opfergruppe konsequent ausgeblendet wurde.

    Das ist nun mal eine reale Opfergruppe und diese dann aus Vorbehalten gegen LGBTI auszublenden, ist nicht nur geschichtsverfälschend, sondern auch menschenverachtend und zeigt, dass Deutschland immer noch nicht seiner historischen Verantwortung gerecht wird.
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#4 PeerAnonym
  • 15.01.2018, 10:14h
  • Wer einzelne Opfergruppen verschweigt, stellt sich damit in direkter geistiger Nachfolge der Nazis, die sie zu Opfern gemacht haben.
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#5 Julian LAnonym
  • 15.01.2018, 10:24h
  • Antwort auf #4 von Peer
  • Volle Zustimmung!

    Durch das Verschweigen macht man die Opfer nochmal zu Opfern und zeigt damit, dass man die Taten der Nazis nicht nur toleriert, sondern gutheißt und es selbst genauso macht.
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#6 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 15.01.2018, 10:37h
  • Und was ist mit denen, die die Union und die AfD wählen? Sind die dann trotzdem besser?
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#7 unpräziseAnonym
  • 15.01.2018, 13:49h
  • der begriff "sexuelle minderheiten" ist hier falsch und unpräzise: es waren schwule männer, die verfolgt und ermordet wurden.
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#8 ursus
  • 15.01.2018, 14:14h
  • Antwort auf #7 von unpräzise
  • "der begriff "sexuelle minderheiten" ist hier falsch und unpräzise: es waren schwule männer, die verfolgt und ermordet wurden."

    hurra, eine weitere opfer-olympiade ist eröffnet. schade, dass man damit nicht wenigstens immer erst vier jahre abwarten muss.
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#9 JohannbAnonym
  • 15.01.2018, 16:17h
  • Antwort auf #8 von ursus
  • Sehe es so, dass die Verfolgung von Homos auch Heteros trifft und treffen kann...
    Wird ein Kind auf dem Schulhof als 'Schwuler' beschimpft, so trifft es dieses Kind gleich. Egal, ob es sich nun seiner Sexualität bewusst ist oder nicht.

    Als in den KZ's Personen vernichtet wurden, war es egal, ob die Person Opfer war, weil es es homosexuell war oder Opfer war wegen der Homophobie.

    Im Mittelalter wars ja auch so, dass wohl kein Opfer von der Hexenverbrennung sich selbst freiwillig als Hexe bezeichnete.

    Homophobie und die Verfolgung Homosexueller trifft Heteros genau so bzw. kann diese genau so treffen. Daher ist für die Zukunft wichtig, dass auch Heteros vor Homophobie geschützt werden.
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#10 FelixAnonym
  • 15.01.2018, 16:45h
  • Da ja auch die SPD Teil der Bundesregierung ist, kann sie ja jetzt schon mal zeigen, ob es wirklich kein Weiter so gibt oder ob die SPD doch weiterhin nur Schoßhündchen der Union bleibt.
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