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Kommentare zu:
Herr Schäuble, erinnern Sie erstmals an sexuelle Minderheiten!


#11 steffdaAnonym
#12 AnonymAnonym
  • 15.01.2018, 17:04h
  • Am Gedenktag sollten im Deutschen Bundestag auch klare Worte an die gschäftsführende Bundesregierung gerichtet werden.

    Der Deutsche Bundestag im Herbst beschlossen, dass die Akten zur Aktion T4 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten.

    Der Beschluss wurde der Bundesregierung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Erwägung zu überwiesen. Seitdem ist nichts passiert.
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#13 BEARAnonym
  • 15.01.2018, 17:13h
  • Antwort auf #9 von Johannb
  • Also ich sehe das durchaus anders.

    Der Ansatz, dass Homophobie und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit letztlich die gesamte Gesellschaft schädigen, ist grundsätzlich natürlich nicht falsch.

    ABER es macht eben DOCH einen Riesen-Unterschied, ob man mit einer Beleidigung selbst gemeint ist oder nicht.

    Eine heterosexuelle Person kann sich in der Regel relativ entspannt zurücklehnen und sich sagen "Mag ja sein, dass mich da jemand schwul nennt (bzw. beschimpft), aber ich bin's ja nicht." Damit ist die Sache dann auch schon wieder vom Tisch.

    Ganz anders bei tatsächlich Betroffenen - egal, ob diese schon voll für sich selbst realisiert haben, was Sache ist, oder nicht: Die meisten queeren Menschen merken schon recht früh, dass sie anders sind, oder, wie der Volksmund leider sagt, dass "etwas mit ihnen nicht stimmt". Letzteres ist dann auch ein grundsätzliches Gefühl, das viele, viele queere Menschen während ihrer Kindheit und Jugend, manchmal lebenslang, mit sich herumschleppen. "Ich bin ja nicht so wie die anderen - ich bin ja nicht ganz in Ordnung - mit mir stimmt ja was nicht".

    Je öfter nun eine solche Person genau das auch noch von außen zu hören bekommt, desto mehr und intensiver kann und wird sich dieses Gefühl verfestigen. Und Beleidigungen, dummes Gerede etc. werden tausendmal mehr verfangen, als wäre man selbst ja gar nicht betroffen und könnte eine homophobe Beleidigung deshalb einfach von sich abperlen lassen.

    Da bleibt was hängen. Zum Teil ganz erheblich. Was sich auf das Selbstwertgefühl während des ganzen Lebens auswirken kann und Risiken für Depressionen, Angststörungen, Suizidalität etc. um ein Wesentliches erhöht.

    Das Stichwort heißt nicht umsonst "Minority Stress". Angehörige von Minderheiten unterliegen durch solches Verhalten Anderer einem starken Dauerstress. Und dieser Stress IST ein anderer, wenn man selbst zu einer (oder mehreren) der beschimpften Gruppen gehört, weil man es sich mehr zu eigen macht.

    Einen vergleichbaren "Majority Stress" gibt es daher de facto NICHT.

    Der Vergleich mit den Hexen hinkt übrigens recht gewaltig: Natürlich bezeichnete sich niemand freiwillig als Hexe. Denn Hexen hab und gibt es nicht. Queere Menschen allerdings eben schon.

    Bei queeren Menschen wird ihr innerstes Sosein angegriffen - bei heterosexuellen Menschen hat das über den bloßen, aktuellen und kurzfristigen Anteil der Beleidigung hinaus eben keine wie oben erläuterten bleibenden Nachwirkungen.

    Wie gesagt: dies soll das Argument, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist schlecht für die gesamte Gesellschaft, nicht schmälern. Auf individueller Ebene jedoch sieht es einfach definitiv anders aus.
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#14 Wen wundert dasAnonym
#15 ursus
  • 15.01.2018, 17:26h
  • Antwort auf #11 von steffda
  • "Das hat mit Opfer-Olympiade nichts zu tun, sondern mit historischer Genauigkeit."

    klar. nur schwule sind des gedenkens wert. lesben und transsexuelle müssen jetzt erst wieder beweisen, dass sie in für ein gedenken ausreichend menschenverachtender weise "benachteiligt und ausgegrenzt" wurden (das ist die formulierung, da es ausdrücklich nicht nur um kz-haft geht).

    zum wievielten male eigentlich, und wann soll es damit endlich mal genug sein?

    schon ironisch: man beklagt sich, dass eine opfergruppe aus dem gedenken ausgeschlossen wird, hat aber nicht das geringste problem damit, selbst andere opfergruppen auszuschließen, weil deren benachteiligungen einfach "nicht schlimm genug" gewesen seien.

    na klar ist das eine opfer-olympiade, was denn sonst?
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#16 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 15.01.2018, 17:33h
  • Antwort auf #11 von steffda
  • Die "historische Genauigkeit" hat inzwischen herausgefunden, dass sowohl Frauen in Ravensbrück waren, als auch lesbische Frauen. Und wenn man weiter forscht und mit objektiver Genauigkeit forscht, bin ich mir ziemlich sicher, dass es auch irgendwo Belege für Trans* gibt, die auch nicht besser behandelt wurden.
    Es wäre ja außerordentlich erstaunlich, dass ausgerechnet die "braunen" "bei Trans* tolerant gewesen wären (???)
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#17 ursus
#18 TraumzerstörerinAnonym
  • 15.01.2018, 18:35h
  • Antwort auf #13 von BEAR
  • "Eine heterosexuelle Person kann sich in der Regel relativ entspannt zurücklehnen und sich sagen "Mag ja sein, dass mich da jemand schwul nennt (bzw. beschimpft), aber ich bin's ja nicht." Damit ist die Sache dann auch schon wieder vom Tisch. "

    Nö, bei mir war das nicht so. Ich habe seit meinem Eintritt in die Schule, bis zu meiner Transition immer vorgeworfen bekommen, eigentlich schwul zu sein. Die Vermutung wurde sogar von meiner ersten Partnerin geäußert, trotz Sex usw.
    Auch wenn man nicht auf einer Party auf die subtile Aufforderung zum Sex von Mädchen eingeht, kann das schon eine Schwul-Vermutung provozieren.

    "Der Vergleich mit den Hexen hinkt übrigens recht gewaltig: Natürlich bezeichnete sich niemand freiwillig als Hexe. Denn Hexen hab und gibt es nicht. Queere Menschen allerdings eben schon. "

    Doch. Besonders in den USA bezeichnen sich einige Frauen als Hexen, wenn sie z.B. einer Wicca-Gemeinschaft angehören. Auch hier bezeichnen sich manche so, auch wenn wohl ein historischer Nachweis für Hexen wie man sich sie heute vorstellt, nie erbracht werden konnte, auch wenn AnhängerInnen des Glaubens das anders sehen(Sie glauben eben daran, dass diese existiert hätten und können nicht zwischen christlichem Hexenwahn und Realität unterscheiden)

    Da spielt eben auch so ein gutes Gefühl mit, eine Erbin einer einst unterdrückten, mystischen Minderheit zu sein, so nach dem Motto: "Wir Hexen wurden ja früher gejagt und verbrannt, zeige Respekt!" was aber keine Sinn macht, denn man kann sich nicht einfach selbst zu einer Minderheit erklären. Man ist das aufgrund körperlicher oder historischer/biographischer Tatsachen, oder eben nicht. Und Hexen hat es historisch nie gegeben.
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#19 AnonymAnonym
#20 antosProfil
  • 15.01.2018, 18:37hBonn
  • Antwort auf #13 von BEAR
  • Selbstverständlich ist das ein Unterschied.

    Didier Eribon beschreibt die Inkorporation einer schwulen Identität z. B. so:

    Mein Begehren und mein Sexualität allmählich zu entdecken hieß, mich dieser immer schon durch Schmähworte definierten und stigmatisierten Kategorie zuzuordnen und den Schrecken all derer zu durchleben, denen klar wird, dass solche Beleidigungen sie ein Leben lang bedrohen werden. Eine Beleidigung ist ein Zitat aus der Vergangenheit. Ihre Bedeutung hat sie nur deshalb, weil sie von unzähligen Sprechern wiederholt worden ist. "Ein schwindelerregendes Wort aus dem Dunkel der Zeiten", schreibt Genet in einem Gedicht. Doch für die so Adressierten handelt es sich stets auch um einen Blick in die Zukunft, um die fürchterliche Ahnung, dass diese Worte, und all die Gewalt, die sie mit sich führen, nie weggehen werden. Schwul zu werden heißt, sich ins Feuer von Vokabeln zu stellen, die man tausendmal gehört hat und deren verletzende Kraft man schon lange kennt, weil man ihnen, noch bevor sie einen bewusst und tatsächlich treffen, potentiell längst ausgesetzt ist. Eine stigmatisierte Identität geht einem voraus, man wird sie eines Tages bewohnen und verkörpern und auf irgendeine Weise versuchen, mit ihr klarzukommen.

    [Aus: Rückkehr nach Reims]
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