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Olympische Spiele

Protest gegen Mike Pence als US-Delegationschef

Der offen schwule Eiskunstläufer Adam Rippon ist sauer, weil mit dem Vizepräsidenten ein ausgesprochener Homo-Hasser Chef der US-Olympiadelegation ist.


Adam Rippon zieht auch Schlittschuhe über, wenn weit und breit kein Eis zu sehen ist (Bild: Instagram / adaripp)

  • 18. Januar 2018, 14:20h, noch kein Kommentar

Vor dem Start der Olympischen Winterspiele am 9. Februar im südkoreanischen Pyeongchang gibt es dicke Luft im amerikanischen Team: Der bislang einzige offen schwule US-Teilnehmer Adam Rippon übt in der Tageszeitung "USA Today" scharfe Kritik daran, dass Vizepräsident Mike Pence die nationale Delegation bei dem Sportevent anführt. Grund sei die Homophobie des Republikaners, so der 28-jährige Eiskunstläufer. Rippon, ein ehemaliger Juniorenweltmeister, hatte sich 2015 als schwul geoutet (queer.de berichtete).

"Sie meinen, Mike Pence – denselben Mike Pence, der in die Homo-Heilungstherapie investiert hat?" so Rippon in einem Telefoninterview. Weiter sagte der Sportler, dass er nicht zum traditionellen Treffen der US-Olympiateilnehmer mit ihrem Delegationsleiter vor der Eröffnungsfeier erscheinen werde. Die gesamte Trump-Regierung repräsentiere nicht die Werte, "die man mich als Kind gelehrt hat", so Rippon weiter.

Rippon kritisierte ebenfalls die ausländerfeindliche Haltung der Trump-Regierung, hinter der auch Pence, ein evangelikaler Christ, stehe: "Wenn es für ihn in Ordnung ist, was über Amerikaner und Ausländer gesagt wird, wenn verschiedene Länder als 'Dreckslöcher' bezeichnet werden, dann denke ich, er passt nicht in einen Gottesdienst." Dabei bezog er sich auf die angebliche Äußerung Trumps, der arme Länder wie Haiti vor Senatoren als "Shitholes" bezeichnet haben soll.

Die "Heilung" von Homosexualität unterstützte Pence während seiner Kampagne für den Einzug in den US-Kongress im Jahr 2000, als er dafür warb, finanzielle Mittel für Menschen zur Verfügung zu stellen, "die ihr sexuelles Verhalten ändern wollen" – zu diesem Zeitpunkt waren inzwischen aufgelöste Ex-Gay-Organisationen wie Exodus International noch sehr präsent, insbesondere in ländlichen Gegenden. Pence hat allerdings in den letzten Jahren bestritten, sich jemals für sogenannte Konversionstherapien eingesetzt zu haben.

Pence-Sprecherin: Alles Lüge!

Auch nach der Kritik Rippons behauptete Pence-Sprecherin Alyssa Farah schlicht: "Die Anschuldigung ist völlig falsch und hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Trotz dieser uninformierten Behauptungen wird der Vizepräsident enthusiastisch alle US-Athleten unterstützen, die sich nächsten Monat in Pyeongchang der Konkurrenz stellen."

Selbst ohne Berücksichtigung der Unterstützung für Koversionstherapien gilt Vizepräsident Pence als der religiöse Eiferer innerhalb der Trump-Regierung. Homophobie zieht sich durch seine gesamte Karriere: Als Abgeordneter des US-Repräsentantenhauses, dem er von 2001 bis 2013 angehörte, galt er als einer LGBTI-feindlichsten Parlamentarier, der jegliche Anerkennung von Homo-Paaren oder Transsexualität ablehnte. Als er danach Gouverneur des Bundesstaat Indiana wurde, trieb Pence das Gesetz "zur Wiederherstellung der Religionsfreiheit" voran, dessen einziges Ziel es war, die religiös begründete Diskriminierung im Bereich sexueller und geschlechtlicher Minderheiten zu erlauben (queer.de berichtete). Nach scharfer Kritik und Boykottandrohungen musste er schließlich zurückrudern (queer.de berichtete).

Im Oktober letzten Jahres veröffentlichte das Magazin "New Yorker" ein angebliches Zitat Donald Trumps, der sich über die Homophobie seines Stellvertreters lustig macht. Trump soll demnach bei einem internen Gespräch über Homo-Rechte gesagt haben: "Fragt diesen Typen [Pence] nicht – er will alle [Homosexuellen] aufhängen lassen" (queer.de berichtete). (dk)