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Selbstausbeutung für die Community
Muss homochrom in diesem Jahr ausfallen?
Nordrhein-Westfalens queeres Filmfestival ist an seine Grenzen gestoßen. Im Interview spricht Organisator Martin Wolkner über die Gründe der aktuellen Krise.

Immer im Einsatz: homochrom-Organisator Martin Wolkner beim CSD (Bild: Fresh)
- 21. Januar 2018, 03:10h 3 Min.
Das Filmfest homochrom steht für 2018 auf der Kippe, wenn es keinen politischen Willen für eine größere Förderung gibt. Organisator des anerkannten queeren Fimfestivals und monatlichem Filmangebotes in vielen NRW-Städten ist Martin Wolkner. Er erläutert im Interview, warum die Leinwand möglicherweise bald dunkel bleiben kann.
Das Filmfest homochrom in Köln und Dortmund bekam in den letzten Jahren immer eine steigende Förderung. Warum steht das Event jetzt so plötzlich auf der Kippe?
Mit dem zwar wachsenden, aber dennoch immer zu wenigem Buget konnten wir bisher nur das Nötigste machen. Das erste Filmfest mit 11.000 Euro Budget wurde komplett ehrenamtlich gestemmt. Ich sah aber Potential, habe weiter daran gearbeitet, das Filmfest zu etablieren, und konnte über die Jahre weitere Förderer überzeugen. Vor zwei Jahren war es bereits das zweitgrößte von 24 LSBTIQ-Filmfestivals in Deutschland.
Ein toller Erfolg. Aber wo genau liegt das Problem für das kommende Festival in 2018?
Dass selbst an vierstelligen Beträgen gekürzt wurde. 2017 hatte das Filmfest bereits ein Budget von 49.000 Euro, und ich habe für ein Jahr Arbeit 10.000 Euro verdient, wovon noch Steuern, Krankenkasse etc. abgehen. Mit dem Festival wuchsen die Aufgaben, die meist an mir hingen, was immer schwerer mit zusätzlichen Aufträgen zu kombinieren war.
Die monatliche Filmreihe homochrom mit gut 100 Vorstellungen im Jahr organisiere ich ja auch noch ehrenamtlich. Selbst auf Landesebene geht man geflissentlich davon aus, dass in der Kultur Selbstausbeutung die Norm ist – obwohl Kultur doch maßgeblich von Förderung abhängt. Ich kann aber nicht weiter so prekär leben. Darum sehe ich eigentlich nur eine Aufwertung des Filmfests mit den beantragten höheren Fördersummen oder sein Ende.
Warum hast du denn das Filmfest homochrom weiter ausgebaut, statt Kosten wie Untertitelungen zu kürzen?
Zum einen schien Größe wichtig, um wahrgenommen zu werden, und ich bin der Meinung, dass Köln und Dortmund eine gute Qualität verdient. Ich möchte nicht ständig Filmfest-Filme in der Filmreihe wiederholen. Wenn man aber Festivalfilme ohne deutschen Verleih zeigt, sind schnell bis zu 85 Prozent des Festivalprogramms erstmals in Deutschland zu sehen – Untertitel nicht inbegriffen. Zum anderen ergab unsere repräsentative Umfrage 2015, dass es nicht viel gibt, bei dem man kürzen könnte. Unser Publikum möchte gern Premieren mit möglichst vielen Filmgästen sehen, aber nur 19 Prozent kommen ohne deutsche Untertitel aus. Es sind ohnehin jeweils nur vierstellige Beträge für Saalmieten, Filmmieten, Untertitelung, Gästereisen, Programmheft und Werbung vorhanden. Personalkosten scheinen am einfachsten zu kürzen sein.
Warum macht ihr euch so von Förderungen abhängig und versucht nicht, mehr Spenden oder Sponsoren zu akquirieren?
Bis auf wenige kommerzielle Ausnahmen sind alle Filmfestivals auf Förderung angewiesen. Denn im Gegensatz zu den USA ist Sponsoring hierzulande eher üblich für Sport, Musik, Jugend oder Prestigeträchtiges, bestimmt nicht für LSBTIQ. Adidas sponsert Pride-Veranstaltungen in Tel Aviv, aber nicht in Deutschland. Und Spenden erreichen selten diese Summen. Es ist also leider eine politische Frage, ob man neben anderen dieses Filmfest braucht und möchte. (dp)
Links zum Thema:
» Homepage von homochrom
















Vielleicht liegt da der Hase im Pfeffer.
Muss für die Steuervorteile eines Vereins nicht sowieso sogar jeder stimmberechtiges/zahlendes Mitglied werden können? Und wo sind die Jahresberichte?