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Selbstausbeutung für die Community

Muss homochrom in diesem Jahr ausfallen?

Nordrhein-Westfalens queeres Filmfestival ist an seine Grenzen gestoßen. Im Interview spricht Organisator Martin Wolkner über die Gründe der aktuellen Krise.


Immer im Einsatz: homochrom-Organisator Martin Wolkner beim CSD (Bild: Fresh)

Das Filmfest homochrom steht für 2018 auf der Kippe, wenn es keinen politischen Willen für eine größere Förderung gibt. Organisator des anerkannten queeren Fimfestivals und monatlichem Filmangebotes in vielen NRW-Städten ist Martin Wolkner. Er erläutert im Interview, warum die Leinwand möglicherweise bald dunkel bleiben kann.

Das Filmfest homochrom in Köln und Dortmund bekam in den letzten Jahren immer eine steigende Förderung. Warum steht das Event jetzt so plötzlich auf der Kippe?

Mit dem zwar wachsenden, aber dennoch immer zu wenigem Buget konnten wir bisher nur das Nötigste machen. Das erste Filmfest mit 11.000 Euro Budget wurde komplett ehrenamtlich gestemmt. Ich sah aber Potential, habe weiter daran gearbeitet, das Filmfest zu etablieren, und konnte über die Jahre weitere Förderer überzeugen. Vor zwei Jahren war es bereits das zweitgrößte von 24 LSBTIQ-Filmfestivals in Deutschland.

Ein toller Erfolg. Aber wo genau liegt das Problem für das kommende Festival in 2018?

Dass selbst an vierstelligen Beträgen gekürzt wurde. 2017 hatte das Filmfest bereits ein Budget von 49.000 Euro, und ich habe für ein Jahr Arbeit 10.000 Euro verdient, wovon noch Steuern, Krankenkasse etc. abgehen. Mit dem Festival wuchsen die Aufgaben, die meist an mir hingen, was immer schwerer mit zusätzlichen Aufträgen zu kombinieren war.

Die monatliche Filmreihe homochrom mit gut 100 Vorstellungen im Jahr organisiere ich ja auch noch ehrenamtlich. Selbst auf Landesebene geht man geflissentlich davon aus, dass in der Kultur Selbstausbeutung die Norm ist – obwohl Kultur doch maßgeblich von Förderung abhängt. Ich kann aber nicht weiter so prekär leben. Darum sehe ich eigentlich nur eine Aufwertung des Filmfests mit den beantragten höheren Fördersummen oder sein Ende.


Dieses Interview stammt aus der Januar-Ausgabe des Magazins "Fresh"

Warum hast du denn das Filmfest homochrom weiter ausgebaut, statt Kosten wie Untertitelungen zu kürzen?

Zum einen schien Größe wichtig, um wahrgenommen zu werden, und ich bin der Meinung, dass Köln und Dortmund eine gute Qualität verdient. Ich möchte nicht ständig Filmfest-Filme in der Filmreihe wiederholen. Wenn man aber Festivalfilme ohne deutschen Verleih zeigt, sind schnell bis zu 85 Prozent des Festivalprogramms erstmals in Deutschland zu sehen – Untertitel nicht inbegriffen. Zum anderen ergab unsere repräsentative Umfrage 2015, dass es nicht viel gibt, bei dem man kürzen könnte. Unser Publikum möchte gern Premieren mit möglichst vielen Filmgästen sehen, aber nur 19 Prozent kommen ohne deutsche Untertitel aus. Es sind ohnehin jeweils nur vierstellige Beträge für Saalmieten, Filmmieten, Untertitelung, Gästereisen, Programmheft und Werbung vorhanden. Personalkosten scheinen am einfachsten zu kürzen sein.

Warum macht ihr euch so von Förderungen abhängig und versucht nicht, mehr Spenden oder Sponsoren zu akquirieren?

Bis auf wenige kommerzielle Ausnahmen sind alle Filmfestivals auf Förderung angewiesen. Denn im Gegensatz zu den USA ist Sponsoring hierzulande eher üblich für Sport, Musik, Jugend oder Prestigeträchtiges, bestimmt nicht für LSBTIQ. Adidas sponsert Pride-Veranstaltungen in Tel Aviv, aber nicht in Deutschland. Und Spenden erreichen selten diese Summen. Es ist also leider eine politische Frage, ob man neben anderen dieses Filmfest braucht und möchte. (dp)



#1 GronkelAnonym
  • 21.01.2018, 08:58h
  • Homochrome ist doch ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Warum gibt es denn auf der Seite keine Möglichkeit Mitglied zu werden? Wieviele Mitglieder und oder zahlende Mitglieder hat der Verein denn?
    Vielleicht liegt da der Hase im Pfeffer.
    Muss für die Steuervorteile eines Vereins nicht sowieso sogar jeder stimmberechtiges/zahlendes Mitglied werden können? Und wo sind die Jahresberichte?
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#2 hugo1970Ehemaliges Profil
  • 21.01.2018, 10:21h
  • Tja, wenn neoliberale neokonservative in NRW regieren, dann sieht es schlecht aus mit homochrom!
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#3 GlongyAnonym
  • 21.01.2018, 11:02h
  • Antwort auf #2 von hugo1970
  • Was hat denn das ganze wieder mit der Regierung zu tun? Fass dir mal an die eigenen Nase und überlege was du bisher für die Filme gespendet hast und wie viel du für einen Filmabend ausgeben würdest.

    Wenn von dem Veranstalter realistische Preise für den Aufwand der Planung und Vorführung der Filme verlangt werden würden, würde hier ein Aufschrei sondergleichen passieren. Aber nein, lieber gibt man den anderen die Schuld und lässt die Allgemeinheit dafür bezahlen.

    Meiner Ansicht nach sollte das Geld lieber in Synchronisation oder vernünftige Untertitel ausgegeben werden und die Vermarktung über große Online-Film-Anbieter wie Amazon oder Apple geschehen. Dadurch lässt sich dann über den Gewinn ein Filmabend mit den beliebtesten Filmen realisieren. Für mehr fehlt eben die Zielgruppe, die für die Filme ins Kino geht statt auf der Couch zu gucken,
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#4 seb1983
  • 21.01.2018, 11:07h
  • Antwort auf #2 von hugo1970
  • Ein Beitrag wie er auch von der AfD stammen könnte. Zwar nicht gelogen, aber verdreht und doch an der Wahrheit vorbei.

    Die Finanzierung des Festivals stand schon immer auch wackeligen Beinen, egal unter welcher Landesregierung. Der Veranstalter hat nur langsam keine Lust mehr sich dafür (Achtung) den Arsch aufzureißen.

    Da ist eine Kürzung der Förderung höchstens der Anlass aber nicht die Ursache.
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#5 hugo1970Ehemaliges Profil
  • 21.01.2018, 12:20h
  • Antwort auf #3 von Glongy
  • "die Vermarktung über große Online-Film-Anbieter wie Amazon oder Apple geschehen"

    Wer denkt hier nur bis zur Nase?
    Das die Großen noch größer werden und sämtliche Konkurrenz vereinleiben?

    "Für mehr fehlt eben die Zielgruppe,"

    Und deshalb ist der Öffentliche Auftrag wichtig, das jede Zielgruppe, ohne Konkurrenzdruck, versorgt wird.

    Warum verurteile ich Konkurrenz und um gleich Konkurrenz zuzulassen?
    Wenn die Reglementierung funktionieren würde, dann könnten die Konzerne nicht noch größer werden!
    Konkurrenz kann aber auch schädlich sein! Zum Beispiel beim Häusle bauen. Mann nimmt die preiswerteste Baufirma und was passiert? Genau die geht pleite, mitten in der Bauphase, oder eine marode Firma pfuscht. Die Verbrauchersendungen im Öffentlich rechtlichen TV sind voll mit solchen Beispielen. Das Beispiel mit dem Bauen ist stell vertretend für alle Branchen.
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#6 hugo1970Ehemaliges Profil
  • 21.01.2018, 12:24h
  • Antwort auf #4 von seb1983
  • "Ein Beitrag wie er auch von der AfD stammen könnte. Zwar nicht gelogen, aber verdreht und doch an der Wahrheit vorbei."

    Doch, trotzdem sind die Konservativen am meisten Schuld, denn die blockieren überall (auch wenn Sie nicht an der Macht sind) soziale Projekte.
    Warum haben wir nicht endlich eine vernünftige moderne Schulaufklärung, auch dort wo "linke" Regierungen in den Ländern an der Macht sind?
  • Antworten » | Direktlink »
#7 HeckmeckAnonym
  • 21.01.2018, 13:34h
  • Ich habe mal eine Verständnisfrage. Erst ist im Interview von Ehrenamtlichkeit die Rede, an anderer Stelle erklärt dann der Interviewpartner, dass er in einem Jahr nur 10.000 Euro verdient hat.

    Steht hinter Homochrom ein gemeinnütziger Verein und er ist dort hauptamtlicher Mitarbeiter? Oder wie ist das zu verstehen?
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#8 AnselmAnonym
#9 TheDadProfil
  • 21.01.2018, 14:51hHannover
  • Antwort auf #1 von Gronkel
  • ""Homochrome ist doch ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Warum gibt es denn auf der Seite keine Möglichkeit Mitglied zu werden? Wieviele Mitglieder und oder zahlende Mitglieder hat der Verein denn?""..

    Wie wäre es damit diese Fragen an eine der im Impressum angegebenen E-Mail-Adressen der Vertretungsberechtigten Personen zu stellen ?

    ""Muss für die Steuervorteile eines Vereins nicht sowieso sogar jeder stimmberechtiges/zahlendes Mitglied werden können? Und wo sind die Jahresberichte?""..

    Nöö..
    Ein Verein braucht mindestens 7 Mitglieder..
    Aber auch nicht mehr..
    Für die "Steuervorteile" die sich unter bestimmten Voraussetzungen ergeben können sind die Höhe der Einnahmen über Mitgliedsbeiträge und Spenden, aber vor allem der Verwendungszweck ausschlaggebend..

    Die Jahresberichte sind nicht öffentlich, die können die Mitglieder zumeist nachlesen, wenn sie auf der Jahreshauptversammlung wo die "Entlastung des Vorstandes" stattfindet nicht anwesend waren..
    Ansonsten unterliegen die ja auch dem Steuergeheimnis..
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#10 StrottiAnonym
  • 21.01.2018, 15:14h
  • Antwort auf #7 von Heckmeck
  • Steht alles im Interview: Das erste Filmfest wurde komplett ehrenamtlich organisiert, und die monatliche Filmreihe wird ehrenamtlich organisiert. Für die Organisation des Filmfests kriegt er 10000 Euro, was gerade mal einer Viertelstelle entspricht.
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