https://queer.de/?30522
AfD-Provokationen
Nicole Höchst ist ein "regenbogenpupsendes rosa Glitzereinhorn"
Das designierte AfD-Kuratoriumsmitglied der Hirschfeld-Stiftung macht sich auf Facebook weiter über sexuelle und geschlechtliche Minderheiten lustig.

Nicole Höchst polemisiert trotz der Entsendung in die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gegen LGBTI-Rechte (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)
- 26. Januar 2018, 10:06h 4 Min.
Die AfD-Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst, die von ihrer Partei für das Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gewählt worden war, macht auf ihrer Facebook-Seite weiter gegen LGBTI-Rechte mobil. "Wenn es mehr als zwei Geschlechter gibt, bin ich ein regenbogenpupsendes rosa Glitzereinhorn", kalauerte die 47-jährige Politikerin aus Speyer in einem Eintrag vom Freitagmorgen.
Höchst präsentiert sich seit der Kritik an ihrer Ernennung als Opfer einer Medienkampagne. "Eine Niescheninteressengruppe [sic!] befürchtet Gegenwind", schrieb sie etwa bereits am Donnerstag zum Bericht von queer.de. Dabei trete sie doch ein für "die grösstmögliche Freiheit eines jeden", solange das "nicht die Freiheiten anderer einschränkt", behauptete die Befürworterin eines Ehe-Verbots für Schwulen und Lesben, die im Bundestagswahlkampf erklärt hatte, dass es unter "homosexuellen Männern mehr Pädophile" gebe.
Angst vor einer Art Homo-"Propaganda"
Homo- und Transsexuellen wirft die Rechtspopulistin in ihrem Facebook-Eintrag vom Freitag indirekt vor, zu sehr und zu sexuell in der Öffentlichkeit aufzutreten: "Ich will auch nicht mit dem belästigt werden, was meine heterosexuellen Nachbarn im Schlafzimmer tun. Ich nehme meine Freiheit in Anspruch, davon verschont bleiben zu wollen. Ich nehme die Freiheit für meine Kinder in Anspruch, davon verschont bleiben zu wollen." Sie warf einer "ausgewiesenen Minderheit" vor, für sich in Anspruch zu nehmen, "dass alle Kinder verunsichert werden müssen, ob sie Männlein oder Weiblein sind." Durch die "Genderdebatte" würde die Gesellschaft "immer stärker sexualisiert", behauptete Höchst weiter.
Die AfD-Politikerin kritisierte auch eine im November bekannt gegebene Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, wonach es das Recht auf Anerkennung eines dritten Geschlechts gebe (queer.de berichtete). Höchst leugnete in ihrem Eintrag schlicht die Existenz intersexueller Menschen: "Die binäre Opposition zwischen den zwei Geschlechtern kann nicht durch ein herbeikonstruiertes so genanntes drittes Geschlecht aufgehoben werden", so Höchst. Wie schon bei der Ehe-Öffnung behauptete die Politikerin damit, dass die Gewährung von Minderheitenrechten dazu führe, dass die Mehrheit Rechte verliere.

Nach jahrelangem politischen Streit war die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld 2011 eingerichtet worden, um an den von den Nazis vertriebenen Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld zu erinnern, Bildungs- und Forschungsprojekte zu fördern und der gesellschaftlichen Diskriminierung von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten entgegenzuwirken.
Der Lesben- und Schwulenverband ist sicher, dass die Mitgliedschaft der Homo-Hasserin im Kuratorium keine Auswirkungen auf die Arbeit der Stiftung hat: "Der LSVD wird mit seinen Kuratoriums-Mitgliedern weiterhin dafür arbeiten, dass der Stiftungsziel erfüllt und die Arbeit des Vorstandes unterstützt wird. Da dies auch von den anderen Kuratoriums-Mitgliedern so gesehen werden wird, bleibt Nicole Höchst damit eine zu vernachlässigende Stimme, die weder Einfluss haben, noch Gehör finden wird", erklärte der Verband am Donnerstag in einer Pressemitteilung. (dk)
Update 16.25h: Höchst sieht sich als Opfer von "Fake News", will in Stiftung gegen "Nischeninteressen" arbeiten
In einer Pressemitteilung, die sie am Freitag auch auf Facebook verbreitete, beklagte Höchst, in mehreren Presseartikeln seien "nicht nur Vorurteile gegenüber ihrer Person geschürt, sondern auch regelrechter Hass versprüht" worden. "Diese Vorwürfe sind besonders erheiternd für Menschen, die sie kennen, da es sich hierbei um Fake News par excellence handelt. Seit ihrer Studienzeit ist Frau Höchst eng mit Homosexuellen befreundet, auch zu Transgendermenschen gibt es keinerlei Berührungsängste".
Es sei "geradezu beschämend, wie Vorurteile geschürt werden von Menschen, die die Deutungshoheit über gesellschaftliche Entwicklungen sowie größtmögliche Toleranz und Akzeptanz für sich und ihre Sichtweisen beanspruchen", so Höchst.
Man müsse "nicht homophob, transophob [sic!] oder gar homo- und transfeindlich sein, um solche Kritik zu äussern", wie sie es getan habe, so Höchst in ihrer Pressemitteilung. In erster Person fuhr die Politikerin fort: "In der Stiftung werde ich meine Expertise sehr gerne einbringen. Selbstverständlich werde ich genau schauen, für welche Art Projekte mit welchen Zielen Steuergelder verwendet werden. Auch was die inhaltliche Ausrichtung der Projekte angeht, möchte ich mich aktiv an der Interessensabwägung 'Was ist gut für die Minderheit, was ist gut für die Mehrheit' beteiligen".
Weiter betonte die Politikerin: "Nischeninteressensgruppenpolitik, wie zum Beispiel die sogenannte Sexualpädgogik der Vielfalt, mit welcher die gesamte Gesellschaft am Nasenring von Minderheiten durch die Manege gezogen werden soll oder welche gar schädlich ist, werde ich nicht unterstützen". Sie stehe "für die größtmögliche Freiheit eines jeden, solange diese nicht die Freiheiten anderer einschränkt und akzeptiert vollumfänglich andere Lebensweisen jenseits des Mainstreams, auch des Biologismus".















Vor allem ist es peinlich, wenn jemand von Biologie spricht und dann unfähig ist, zu erkennen, dass es eben die Biologie ist, die uns als erste mit nicht-eindeutigen Geschlechtskonstellationen (XXY, Turner, XYY, XX-Mann) versorgt.
Von der Ignoranz gegenüber der verfassungsrechtlichen Realität ist dann auch noch gar nicht gesprochen.