https://queer.de/?30540
CDU-Vereinigung
LSU-Landesverband Thüringen gegründet
In elf Bundesländern gibt es jetzt einen Verband der Schwulen und Lesben in der Union.

Charline Köhler ist die erste Chefin der Lesben und Schwulen in der Union in Thüringen (Bild: LSU Thüringen)
- 29. Januar 2018, 14:27h 3 Min.
Am Samstag, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsolzialismus, hat sich in Gera der thüringische Landesverband der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) gegründet. In einer Pressemitteilung teilten die "elf Gründungsmitglieder aus Nord-, Süd-, West- und Ostthüringen" mit, dass der Landesverband künftig "LGBTI-Themen in Landes- und Kommunalpolitik tragen" wolle.
"Mit dem Beschluss der Öffnung der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare des Bundestages im Juni letzten Jahres sind bei weitem nicht alle Fragen der LSBTTIQ-Gemeinschaft geklärt", erklärte die frisch gewählte Landesvorsitzende Charline Köhler. "Mit der Möglichkeit zu heiraten ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung getan, doch noch immer begegnen wir täglich Homophobie und Intoleranz." Als Beispiel nannte sie, dass in Deutschland "zahlreiche Ärzte" weiter versuchen würden, Schwule und Lesben zu "therapieren" – und damit die Betroffenen teilweise in den Selbstmord treiben würden.
Thüringen ist der elfte Landesverband der LSU; zuletzt gründete sich vor einem guten halben Jahr ein bayerischer Ableger der LGBTI-Gruppe innerhalb der Union (queer.de berichtete). Köhler ist derzeit die einzige Frau, die einen Landesverband anführt.
"Zeichen von Toleranz, Nächstenliebe und Menschlichkeit"
Der Gründungsort Gera sei laut Köhler nicht zufällig ausgewählt worden: "Als Studentin habe ich Gera als liebenswerte und offene Stadt kennengelernt und mich bewusst dafür entschieden, auch nach meinem Studium hier zu bleiben", so die neue Landeschefin. "Leider" hätten Parteien wie die AfD und "Die Rechte" mit mehreren Demonstrationen "das Bild von Gera in der Öffentlichkeit getrübt". Köhler zeigt sich auch besorgt, dass mit dem Thüringer AfD-Politiker Stephan Brandner ein Gegner von LGBTI-Rechten den Justizausschuss im Bundestag anführen soll. "Wir setzen dem mit der Gründung der LSU heute – gerade in Gera – ein klares Zeichen von Toleranz, Nächstenliebe und Menschlichkeit entgegen", so Köhler weiter.
Der LSU-Landesverband verstehe sich auch als "Impulsgeber" für die eigene Partei, in der es "viele Vorurteile, Missverständnisse und klares Falschwissen" über sexuelle und geschlechtliche Minderheiten gebe. Das möchte Köhler ändern: "Meine Vision der CDU und von Deutschland ist, dass Abgrenzung und Ungleichbehandlung der Geschichte angehören. Ich wünsche mir ein Land, in dem es keinen Unterschied macht, ob ich einen Partner oder eine Partnerin habe." Die LSU wolle "ihren Beitrag zur Aufklärung und Toleranzbildung" leisten.
Der LSU-Bundesverband war 1998 gegründet worden – zu einer Zeit, als die Union noch offen homophob auftrat und auf Plakaten noch mit dem Bild von gleichgeschlechtlichen Paaren und dem Slogan "Toleranz ja – Ehe nein" warb. Anfangs setzte sich die LSU nicht für die vollständige Gleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare ein – 2005 warb der damalige LSU-Chef Roland Heintze etwa noch dafür, am Adoptionsverbot festzuhalten (queer.de berichtete). Inzwischen kämpft die LSU bei den meisten Themen auf der Seite der anderen LGBTI-Organisationen. (pm/dk)
Links zum Thema:
» Homepage LSU Ost














