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Wien

"Schwulen" niedergestochen: Dreieinhalb Jahre Haft

In Wien ist ein bizarrer Prozess gegen einen 20-Jährigen zu Ende gegangen, der einen Marokkaner nach einem angeblichen Anmachversuch verletzt hatte.


Ein Geschworenengericht befand den Angeklagten des versuchten Mordes für nicht schuldig. (Bild: Hans Splinter / flickr)

  • 31. Januar 2018, 14:05h, noch kein Kommentar

Das Landesgericht Wien hat am Dienstag einen 20-jährigen Peruaner zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt, weil er einen 29-jährigen Marokkaner nach einem angeblichen Anmachversuch mit einem Messer niedergestochen und lebensgefährlich verletzt hatte. Außerdem muss er dem Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von 15.000 Euro zahlen.

Die Geschworenen sahen laut ORF den Täter der Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen für schuldig an. Die Staatsanwaltschaft hatte allerdings eine Verurteilung wegen versuchten Mordes angestrebt (queer.de berichtete).

Der Fall hatte sich im Sommer 2017 ereignet. Die beiden Männer lebten im Wiener Gemeindebezirk in unmittelbarer Nachbarschaft. Nach Aussagen des Angeklagten freundeten sie sich schnell an und rauchten gemeinsam Joints in der Wohnung des Marokkaners.

Der Vorfall ereignete sich ein paar Wochen nach dem Kennenlernen: Der 20-Jährige gab an, er sei Mitte August nachts zu dem 29-Jährigen gegangen, um sich Drogen zu beschaffen. Zu diesem Zeitpunkt habe er gewusst, dass sein Gegenüber schwul sei – er habe es ihm gleich nach dem Kennenlernen gesagt. In der Wohnung sei der Marokkaner aber erstmals zudringlich geworden: "Er hat mir nur noch Komplimente gemacht und gesagt, dass ich hübsch bin. Ich fand das eklig", so der Angeklagte. Er habe versucht, die Wohnung zu verlassen, der 29-Jährige habe sich aber in den Weg gestellt. Daraufhin habe der Marokkaner ein Messer in der einen Hand gehabt und sich mit der anderen im Intimbereich berührt. Der Angeklagte gab an, er habe dem 29-Jährigen das Messer entrissen, auf ihn eingestochen und sei aus der Wohnung geflüchtet.

Opfer: Bin nicht schwul und konsumiere keine Drogen

Das Opfer beschreibt den Vorgang anders: Demnach sei der Peruaner in die Wohnung gekommen und habe nach Drogen und Geld verlangt. Als er das volle Portmonee des 29-Jährigen gesehen habe, habe er in räuberischer Absicht auf ihn eingestochen. Als Zeuge bestritt er vehement, seinen Kumpel angemacht zu haben oder homosexuell zu sein. "Ich bin doch veheiratet", so das Opfer. Seine Frau sei eine Slowakin, von der er derzeit getrennt lebe. Außerdem bestritt er, mit dem Täter Drogen konsumiert zu haben.

Der Gerichtsmeidziner stellte beim Opfer zehn bis elf Schnittverletzungen am Körper fest. Lebensgefährlich war eine Verletzung des Herzbeutels, die nur durch eine Notoperation nicht tödlich endete. Außerdem habe der Patient schwere Verletzungen an den Armen gehabt, wodurch Lähmungen zurückbleiben könnten. Seinen Job in der Gastronomie könne er deshalb nicht mehr ausführen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Noch haben sich weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung dazu geäußert, ob sie rechtliche Mittel einlegen wollen. (cw)