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Zorn über Kinderbuch

Kroatien: Bei Kinderkarneval symbolisch Buch zu Regenbogenfamilien verbrannt

Am Sonntag eskalierte in einer Kleinstadt bei Split ein wochenlanger Kulturkampf um ein Kinderbuch zu Regenbogenfamilien. In Rumänien stürmten christliche Fundamentalisten derweil eine Vorführung von "120 BPM".


So endete am Sonntag der Kinderkarneval in Kaštela, einer Stadt mit rund 40.000 Einwohnern, 13 erhaltenen historischen Kastellen und dem Flughafen von Split

In der kroatischen Kleinstadt Kaštela ist es am Sonntag zu einem außergewöhnlichen Vorfall gekommen: Beim Kinderkarneval verbrannten kostümierte Erwachsene vor den Augen der Kinder eine Plakatwand, die ein Bilderbuch zu Regenbogenfamilien darstellen sollte: Auf beiden Seiten der als Regenbogenflagge bemalten Wand waren jeweils zwei Herzen mit den Aufrucken "Mutter" auf der einen und "Vater" auf der anderen Seite angebracht, darüber prangerte der Begriff "Kinderbuch".

Die Wand war zuvor in einem Umzug durch die Straßen getragen worden, wie traditionell jedes Jahr eine Art Übel des Jahres – oft ein unbeliebte Person aus der Politik. Dieses Mal stürzte sich die Empörung der Gemeinde allerdings auf das vor wenigen Wochen veröffentlichte erste kroatische Kinderbuch, das Regenbogenfamilien zum Inhalt hat. "Meine Regenbogenfamilie" stellt zwei Kinder samt ihren lesbischen bzw. schwulen Eltern vor (queer.de berichtete).


Bild: Dugine obitelji / facebook | Der Grund der Empörung: Ein harmloses Buch für Kinder

Unter großem Medienwirbel hatte der Verband der Regenbogenfamilien das rund 20-seitige Büchlein Mitte Januar aufgelegt und vorgestellt; es soll an interessierte Kindergärten und Schulen kostenlos vergeben werden (und wird in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern noch in mehrere Sprachen übersetzt, darunter Deutsch). Eine erste Auflage mit 500 Exemplaren war schnell vergriffen.

Das Buch solle schlicht den Lebensalltag von Kindern aus Regenbogenfamilien widerspiegeln und es Kindern und Erwachsenen ermöglichen, ungezwungen über diese Konstellationen zu sprechen, meinte Daniel Martinovic, Koordinator des Vereins, vor der Veröffentlichung. Das Buch soll zugleich als Beispiel für die Vielfalt der Gesellschaft dienen. "Wir wollen damit sagen, dass es in Kroatien verschiedene Familienformen gibt, wie Alleinerziehende, Adoptiv- und Langzeitfamilien. Sie existieren, sind präsent und man muss darüber reden", so Martinovic.

- w - Video (51s) - Feiere Pride mit Levi's®

Kampf gegen "Homo-Propaganda" eskaliert

Das Buch sorgte für viele positive Medienberichte, einige negative Kommentare aus Zeitungen, Politik und Gesellschaft und vor allem für viel Kritik von der katholischen Kirche und angeschlossenen Gruppen. Die weltweite christliche Fundi-Organisation CitizenGo, in Deutschland kürzlich Mitorganisator der Bustour der "Demo für alle" (queer.de berichtete), startete etwa eine Online-Petition zum Verbot der "Bewerbung des homosexuellen Lebensstils an Schulen" mit bislang über 17.000 Überschriften.

Über die symbolische Verbrennung des Kinderbuchs zeigte sich die queere Community entsetzt. Es sei doch wohl wahrscheinlich, dass auch in dieser Kleinstadt Kinder groß würden, die später schwul oder lesbisch werden oder die bei Homo-Eltern aufwachsen, kommentierte entsetzt das Portal crol.hr. "Mutter und Mutter" seinen kein unvorstellbares theoretisches Konzept, sondern eine Realität; das Verbrennen der Bücher erinnere an Faschismus und die Bücherverbrennung der Nazis – und setze das um, was von Altaren und rechten Portalen angefeuert worden sei.

Facebook / Random Toni | Gejubelt wurde auch, als der Regenbogen in Flammen aufging

Kroatien gehört laut Bevölkerungsumfragen zu den homophobsten Ländern der Europäischen Union. Insbesondere die katholische Kirche macht seit Jahren erfolgreich Stimmung gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben. 2013 stimmten die Kroaten in einem Volksentscheid dafür, dass ein Ehe-Verbot für Schwule und Lesben in der Verfassung verankert wird (queer.de berichtete). Immerhin schaffte es die damalige Mitte-Links-Regierung 2014, eingetragene Lebenspartnerschaften mit leicht eingeschränkten Rechten einzuführen (queer.de berichtete). Im letzten Jahr nahm eine Mitte-Rechts-Regierung hingegen erst unter Protesten von Plänen Abstand, Familien in Gesetzen ausschließlich heterosexuell zu definieren (queer.de berichtete).

Filmvorführung in Bukarest gestört

Für Chaos und Hass sorgten am Sonntag auch christlich-fundamentalistische Aktivisten in Rumänien: In einem Museum in der Haupstadt Bukarest stürmten sie eine Vorführung des Films "120 BPM", sangen Nationalhymne und Gebete und forderten einen Stopp der "Homo-Propaganda". Mehrere Personen stellten sich mit Plakaten wie "Rumänien ist nicht Sodom und Gomorrha" vor die Leinwand. Nach gut 30 Minuten entfernte die herbeigerufene Polizei die Störer.

Facebook / VICE Romania | Mitarbeiter der rumänischen Ausgabe von "Vice" waren zufällig anwesend und streamten den Protest live ins Internet

Der Film erzählt vom Aktivismus der Pariser Gruppe "Act-up" zum Beginn der Aids-Krise (queer.de berichtete). In Deutschland ist das 2016 in Cannes mit dem Grand Prix, der Queer Palm und dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnete Drama gerade auf DVD erschienen (queer.de berichtete).

Vor zwei Jahren hatte in Rumänien eine "Koalition für die Familie", über das Volksbegehren "Vater, Mutter, Kind" ebenfalls mit der "Demo für alle" verbunden und in Bukarest unterstützt vor allem von der orthodoxen Kirche, über drei Millionen Unterschriften für einen Volksentscheid gesammelt, mit dem die Ehe in der Verfassung heterosexuell definiert werden soll (queer.de berichtete). (nb)



#1 RobinAnonym
  • 04.02.2018, 23:40h
  • Wie kann man nur Kinder dermaßen für seinen Hass instrumentalisieren?!

    Solche Verbrennungen, Stürmen von Filmvorführungen, etc. zeigen wieder mal, wie die Homohasser und religiösen Fanatiker ticken.
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#2 Julian SAnonym
  • 04.02.2018, 23:49h
  • >>> Kroatien: Bei Kinderkarneval symbolisch Buch zu Regenbogenfamilien verbrannt <<<

    >>> In Rumänien stürmten christliche Fundamentalisten derweil eine Vorführung von "120 BPM". <<<

    Und solche Staaten sind in der EU...

    Wann wird die EU endlich Gegenmaßnahmen ergreifen und (entsprechend der EU-Grundrechte-Charta) mehr für die Akzeptanz von LGBTI tun?

    Die EU hat solche Staaten vorschnell aufgenommen, dann soll sie jetzt auch endlich gegen den Hass in diesen Staaten aktiv werden.

    Oder will die EU tatsächlich tatenlos zusehen, wie der Faschismus wieder in Europa aufersteht??
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#3 JadugharProfil
  • 05.02.2018, 02:12hHamburg
  • Verbrennen bedeutet Vernichtung! Wenn Bücher verbrannt werden, so ist der Schritt nicht weit, daß man Menschen verbrennt. Das hat es wiederholt in der Geschichte gegeben. Anlaß war immer der Klerus, der die Menschen zu Mordtaten anstiftete!
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#4 Paulus46Anonym
  • 05.02.2018, 03:15h
  • Antwort auf #3 von Jadughar
  • Leider "ticken die Uhren" in Osteuropa/Balkanländer mit Ausnahme von Slowenien, Kroatien, Ungarn und Tschechien, wo zumindest Lebenspartnerschaftsinstitute ermöglicht wurden, anders als im Rest Europas. Aber auch in Kroatien gibt es erhebliche Probleme, wie dieser Vorfall zeigt.

    Noch viel, viel schlimmer schaut es im Islamisch dominierten Nordafrika/Naher Osten (wohltuende Ausnahme Israel mit dem LGBTI-Leuchtturm Tel-Aviv) sowie Zentralasien anders aus.

    Und viel viel zu wenig achten wir als westliche Homosexuelle darauf, was dort in Osteuropa/Balkan sowie in Nordafrika/Naher Osten geschieht.

    Boykottaufrufe gegen Saudi-Arabien, gegen Iran, gegen Vereinigte Arabische Emirate seitens der LGBTI-Bewegung vollkommene Fehlanzeige.

    Und so jubeln die Deutschen Heteros und Homos gemeinsam, wenn diesen Sommer dann die Putin-Fussball-WM Spiele in Russland stattfinden , und gleiches geschieht bei den "gekauften" WM-Fussballspielen in Katar 2022 dann.
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#5 KetzerAnonym
  • 05.02.2018, 03:28h
  • ...woran man mal wieder sieht, dass der christliche Fundamentalismus in ganz Europa nach wie vor eines unserer größten Probleme ist.

    Ich sage bewusst in GANZ Europa. Rechtes und ultrarechtes, menschenfeindliches Gedankengut sind in Gesamt-Europa weiter auf dem Vormarsch. Dabei ist es wenig hilfreich, einzelne Länder der EU als "besonders böse" zu markieren. Der Faschismus sitzt seit kurzem mit knapp 100 Abgeordneten im deutschen Parlament, und in Österreich stellt er einen nicht unwichtigen Teil der Regierung.

    Wir driften immer weiter nach rechts; die Bedrohung steigt und steigt. Und viele von uns finden kein besseres "Hilfsmittel" als Othering und Sündenbockpolitik. Damit sie besser verdrängen können, dass auch sie selbst mit an der Misere beteiligt sind.

    Immerhin 26,3% der Befragten erklärten in der Queer.de-Umfrage zur 2017er Bundestagswahl, sie würden CDU, CSU, FDP oder AfD wählen. Also "christliche", neoliberale und/oder rechtsextreme Parteien. Die alle von ihren Grundsätzen her eher gegen eine solidarische Gesellschaft arbeiten.

    Etliche Kommentator_innen hier verteidigen teils bis aufs Blut ihren in der Kindheit eingetrichterten Glauben, der es den entsprechenden unterdrückerischen Organisationen, i.d.R. RKK oder Evangelische Kirchen, ermöglicht, genügend Anhänger_innen für ihre prä-humanistische Politik zu finden, innerhalb derer winzige Halbsätze wie "man könnte homosexuelle Paare unter gewissen Umständen ja auch mal heimlich segnen" schon als Riesenerfolg gefeiert werden.

    All diejenigen, die, aus welchen konkreten Gründen des eigenen (i.d.R. wirtschaftlichen) Vorteils auch immer, eine der unterdrückerischen o.g. Organisationen mit unterstützen, sind letztlich nicht viel besser als diejenigen, die dann (noch im Ausland, sicherlich bald auch hier) LGBTIQ*-Symbole verbrennen oder -Veranstaltungen stürmen.

    Eines der großen Grundübel unserer Zeit ist, alle Schuld bei bestimmten Sündenbock-Gruppen (Ausländer, jetzt auch wieder Juden, Schwule etc.) zu suchen und vermeintlich auch zu finden, ohne erst einmal vor der eigenen Haustüre nachzusehen, was sich da so an braunem Dreck angesammelt hat.

    Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Und ja: wer Solidarität und Empathie zu Gunsten von eigenen kurzfristigen "Vorteilen" ganz weit links liegen lässt, wer also auch nur eine der Organisationen unterstützt, auf deren Agenda eine Politik der verschiedenen "Menschenklassen" steht, macht sich mitschuldig.

    Und auch wer in solchen Situationen schweigt, macht sich letztlich mitschuldig. Denn wenn die rechten Brüller keinen Gegenwind bekommen, wiegen sie sich in immer mehr Sicherheit. Und erstarken immer mehr.

    Zivilcourage ist angesagt. Wenn jemand sich homophob, rassistisch, sexistisch etc. äußert oder so handelt. Wenn jemand andere Menschen schlecht behandelt, ausgrenzt, diskriminiert, verunglimpft.

    Speak up!
    Silence = Death.
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#6 Gerlinde24Profil
  • 05.02.2018, 03:40hBerlin
  • Kroatien und Rumänien. Beide wollen den Euro, und verhalten sich, DANK Fundichristen und rechten Gruppen, wie die letzten Vollhomks. Wer den Euro will, muss ihn sich verdienen, zum Beispiel, indem man europäische Grundwerte schützt, und nicht (sinngemäß) applaudiert, wenn Bücher verbrannt werden, denn, wo Bücher brennen, brennen eines Tages vielleicht auch Menschen!
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#7 herve64Profil
  • 05.02.2018, 08:23hMünchen
  • "Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen."

    (Heinrich Heine)

    Das ist ein Grund, Kroatien-Reisen zu canceln.
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#8 goddamn liberalAnonym
  • 05.02.2018, 08:34h
  • Antwort auf #3 von Jadughar
  • "Verbrennen bedeutet Vernichtung! Wenn Bücher verbrannt werden, so ist der Schritt nicht weit, daß man Menschen verbrennt."

    So ist es, Die Parallelen zur NS-Bücherverbrennung sind nicht zufällig.

    Die einzige Zeit, in der Kroatien schon mal ein unabhängiger Staat war, war die Zeit des mörderischen Hitler-Verbündeten Ante Pavelic. Der war auch sehr katholisch. Sowas wirkt bis heute nach.
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#9 TimonAnonym
  • 05.02.2018, 08:53h
  • Noch nicht mal bei so was Harmlosem wie Kinder-Karneval können die Homohasser friedlich sein.

    Selbst das müssen sie missbrauchen, um Hass zu schüren und bereits Kinder mit ihrem Hass zu indoktrinieren.
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#10 herve64Profil