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Literatur

Schwule Liebe in der arabischen Welt

Mohamet Leftahs Roman "Der letzte Kampf des Kapitän Ni'mat" ist bis heute in Marokko verboten – jetzt ist im Größenwahn Verlag eine deutsche Übersetzung erschienen.


Mohamet Leftah hat auf Französisch geschrieben und in Frankreich veröffentlicht. "Der letzte Kampf des Kapitän Ni'mat" ist die erste Übersetzung eines seiner Werke in die deutsche Sprache.

Ni'mat hatte schon immer fortschrittliche Ansichten: Er studierte Literatur, befürwortete marxistische Ideen und kämpfte für die Gleichstellung der Frau in der arabischen Welt.

Jedoch wechselte er die Bücher durch Waffen aus, als seine Ideale in Gefahr waren und kämpfte im Ägypten der Nasser-Ära als Pilot. Zuerst gegen religiöse Kräfte, dann gegen Israel. Bei dem Sechstagekrieg von 1967 verlor er nicht nur seine Lebensziele, sondern auch seine Träume. Er schied früh aus dem Militärdienst aus, heiratete und verbrachte seitdem scheinbar glückliche Ehejahre in Kairos Nobelviertel Maadi.

Dreißig Jahre danach wird Ni'mat immer noch von einem Gefühl der Machtlosigkeit und des Versagens übermannt. Gemeinsam mit seinen ehemaligen Mitstreitern aus Armee-Zeiten besucht er täglich den exklusivsten Schwimmclub für reiche, aber gelangweilte Rentner.

Im Schwimmbad erwachen schwule Gefühle

Doch einmal am Tag richtet sich die Aufmerksamkeit aller Badebesucher auf die jungen Männer, die das Becken bevölkern. Es ist die Trainingsstunde der neuen Generation. Ihre athletischen Körper erzeugen Bewunderung. Erinnerungen an die eigene, erloschene Jugend werden wach.

Und dann passiert das Unmögliche. An einem besonders heißen Augusttag konstatiert Ni'mat eine nie zuvor dagewesene innere Regung. Eine Regung über die jungen Männerkörper, die von nun an seine Gedanken dominieren wird. Ein innerer Kampf gegen seine lange verdrängte Homosexualität beginnt, der Ni'mats letzter Kampf werden soll.

Der populärere französisch-marokkanische Schriftsteller Mohamet Leftah, der 2008 in Kairo verstarb, war ein revolutionärer, arabischer Autor und Journalist. Sein Roman "Der letzte Kampf des Kapitän Ni'mat"- einerseits eine Liebesgeschichte zwischen Männern, andererseits eine leidenschaftliche Kritik an der arabischen Gesellschaft – darf bis heute in Marokko nicht erscheinen.

Denn der Inhalt ist ein Plädoyer für das Recht auf Freiheit, für das Recht auf Meinungsfreiheit, für das Recht auf Liebe. Rechte, die von radikal-islamischen Kräften eines patriarchalischen Systems manipuliert werden: Moralische Werte werden festgelegt und jegliche Form von Individualität brutal unterdrückt. (cw/pm)

Infos zum Buch

Mohamed Leftah: Der letzte Kampf des Kapitän Ni'mat. Roman. Aus dem Französischen von Laura Viktoria Skipis. 250 Seiten. Größenwahn Verlag. Frankfurt 2017. Hardcover: 21,90 (ISBN 978-3-95771-188-5), Ebook: 17,99 € (ISBN 978-3-95771-189-2)


#1 gatopardo
  • 11.02.2018, 11:58h
  • Es ist immer dasselbe. Homosexuelle verbiegen sich ein Leben lang und betrügen sich selbst um das wahre Glück. Wie man weiss, so gibt es sie sogar noch in unseren Ländern, wo man sich ohne Folgen outen und verheiraten kann.
    Aber ganz schlimm ist es natürlich in der arabischen Welt, wo man es zwar überall treibt, aber eine Frau heiratet, Kínder bekommt und Schwule vehement ablehnt. Erinnere mich noch klar an die 50er und 60er Jahre, wo wir ähnlich geheuchelt haben, um nicht in die Mühlen der Justiz zu geraten.
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#2 schwulenaktivist
#3 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 11.02.2018, 16:06h
  • Man kann es auch als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnen, wenn unter anderem homosexuelle Literatur oder die Homosexualität an sich den Bürgern verwehrt- und systematisch blockiert wird.
    Von der nicht-Erwähnung der Trans* etc. ganz zu schweigen.
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#4 kuesschen11Profil
  • 11.02.2018, 17:59hFrankfurt/Main
  • Antwort auf #3 von BuntesUSchoenes
  • Man kann es auch als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnen.

    Oh ja, das sehe ich auch so, denn das Verbot und Unterbinden von Literatur, in der es um Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen geht, ist doch nichts anderes als die Bücherverbrennung im einstigen Nazi-Staat. Demnach ist es ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

    In den arabischen Ländern soll Heteronormativität eine Dominanz in der Öffentlichkeit erzeugen und jeder weiß doch, dass eine andere sexuelle Orientierung/Identität im Geheimen genauso ausgelebt wird, wie überall auf der Welt. Die Politik wird auch dort systematisch gegen Minderheiten gesteuert.
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#5 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 11.02.2018, 19:49h
  • Antwort auf #4 von kuesschen11
  • Ganz genau, so ist es.
    Ich finde es furchtbar, dass der Staat einem noch vorschreibt, was man privat liest.
    Klar, Heteronormativität und das Zwingen in diese Struktur ist das große Problem.
    Es ist so menschenverachtend und an den Bedürfnissen der Gesellschaft vorbei :-/
    Aber Hauptsache die Religion wird umgesetzt.

    Kann man 1:1 auf andere Länder übertragen und ist bei uns das Problem mit den angeblichen "Christen." Wir dürfen zwar Bücher über Homosexualität etc. lesen, aber selbst bei uns wird die Auswahl erschwert oder nur gering bis gar nicht in Bücherläden präsentiert. Oder Filme, etc.
    Auch bei uns lässt die Sichtbarkeit zu wünschen übrig.

    Es verärgert einen und macht gleichzeitig auch traurig.

    Dieses Buch ist sicherlich interessant und mit positiver Absicht geschrieben.
    Ich hoffe, dass die moslemischen LSBTTIQ das irgendwann mal lesen dürfen.
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#6 Carsten ACAnonym
  • 11.02.2018, 20:50h
  • Es ist immer gut, wenn gerade auch solche andernorts zensierten Bücher weiterhin verlegt werden. Alles andere würde bedeuten, dass die Zensoren gewonnen hätten.
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#7 Ralph
  • 12.02.2018, 06:27h
  • Der feine "sichere Drittstaat" Marokko. Nicht mal lesen darf man, was man will, geschweige denn leben, wie man will. Mir ist übrigens in der Vergangenheit schon öfter aufgefallen, dass der König von Marokko vom europäischen Hochadel gern auf Königshochzeiten usw. eingeladen wird, als wäre er Staatsoberhaupt eines freundlichen, zivilisierten, freien Landes. Die edlen Kronenträger Europas könnten mal ein Zeichen setzen, indem sie diesen Dikatator nicht mehr als einen der Ihren behandeln.
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