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Berlin

CDU will LGBTI-Aufklärung in der Kita verbieten

Die Unionsfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus fordert in einem Antrag den Stopp einer vom Senat geförderten Handreichung für Erzieher – und liegt damit auf einer Linie mit AfD und "Demo für alle".


"In vielen Kitas gibt es einen Murat, der gerne Prinzessin spielt, eine Alex, die bei lesbischen, schwulen oder transgeschlechtlichen Eltern zu Hause ist, oder einen Ben, der nicht länger Sophie heißen möchte", heißt es in der Handreichung (Bild: Tom Reynolds / flickr)

Die Berliner CDU will die neue Kita-Handreichung zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt stoppen. In einem Antrag der Fraktion im Abgeordnetenhaus (PDF) wird der rot-rot-grüne Senat aufgefordert, die "Verteilung/Verbreitung sowie Nutzung der Broschüre 'Murat spielt Prinzessin, Alex hat zwei Mütter und Sophie heißt jetzt Ben' unverzüglich zu stoppen und die Broschüre zurückzuziehen".

"Fragen der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt gehören nicht in die Berliner Kindertagesstätten", heißt es in der kurzen Begründung der CDU-Fraktion. "Die dort betreuten Kleinstkinder sollen Kind sein dürfen, ohne in jüngsten Jahren mit Fragestellungen zur sexuellen Identität konfrontiert zu werden. Es ist folglich konsequent, dass der Senat die Verteilung bzw. Verbreitung sowie die Nutzung der Broschüre stoppen und sie zurückziehen muss."

Praxishilfen für Erzieher auf 140 Seiten


Die Handreichung wurde von der Bildungsinitiative Queerformat erarbeitet

Die von der Bildungsinitiative Queerformat erstellte Handreichung ist in einer Auflage von 2.000 Exemplaren erschienen und die erste ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Sie richtet sich nicht direkt an Kinder, sondern an Fachkräfte, Teams und Einrichtungen der frühkindlichen Bildung. Auf 140 Seiten werden Grundlagen der Inklusionspädagogik erklärt, Praxishilfen gegeben und pädagogische Maßnahmen vorgestellt.

"In vielen Kitas gibt es einen Murat, der gerne Prinzessin spielt, eine Alex, die bei lesbischen, schwulen oder transgeschlechtlichen Eltern zu Hause ist, oder einen Ben, der nicht länger Sophie heißen möchte", heißt es im Einführungstext. Im Vorwort schreibt Staatssekretärin Sigrid Klebba (SPD): "Der Umgang mit Vielfalt und Diversität in der pädagogischen Arbeit ist Anspruch und Herausforderung gleichermaßen." Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie hat die Broschüre im Rahmen der Initiative "Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt" finanziert.

Die AfD empörte sich als erste Partei

Seitdem queer.de in der vergangenen Woche als erstes über die Handreichung berichtet hat und Massenmedien die Nachricht aufgriffen, überschlug sich zunächst die AfD vor Empörung. Die "neue Sex-Broschüre für Kita-Erzieher" sei "reine Geldverschwendung", erklärte der "bildungspolitische Sprecher" der Berliner AfD-Fraktion Franz Kerker in einer diffamierenden Pressemitteilung. Sein Kollege Steffen Königer im Brandenburger Landtag hetzte in einer Stellungnahme: "Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren müssen vor solchen Ideen, die nur kranken Hirnen mit pädophilen Hintergedanken entsprungen zu sein scheinen, geschützt werden."

Die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch bezeichnete die Handreichung in einem Tweet als "Kindesmissbrauch", der "bei uns staatlich nicht nur gefördert, sondern gefordert" werde. Das Portal "Freie Welt" ihres Ehemanns Sven von Storch forderte: "Wehret den Anfängen!", und die von beiden gesteuerte "Initiative Familienschutz" sprach in einer Erklärung von einem "knallharten Menschenexperiment mit ungewissem Ausgang".

Natürlich trat auch die von Hedwig von Beverfoerde geleitete, homo- und transfeindliche "Demo für alle" auf den Plan und startete am 13. Februar eine Online-"Petition gegen den staatlichen Missbrauch und die Manipulation der Kinder durch die LGBT-Lobby". Mehr als 20.000 Menschen fordern darin bislang einen sofortigen Stopp der Kita-Broschüre.

Die Handreichung ist kostenlos erhältlich

Die digitale Fassung der Handreichung "Murat spielt Prinzessin, Alex hat zwei Mütter und Sophie heißt jetzt Ben" steht zum Download auf queerformat.de bereit. Das gedruckte Heft kann kostenfrei beim Berliner Senat per Fax-Formular oder Email an infopunkt@senbjf.berlin.de bestellt werden.


 Update  16.02., 10.05h: LSVD kritisiert Union und AfD

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg hat den Antrag der CDU am Freitag in einer Pressemitteilung scharf kritisiert: "Dass sich die Berliner CDU zu einer Handreichung für pädagogische Fachkräfte gleichermaßen unqualifiziert äußert wie bereits die AfD, ist erschreckend", meinte LSVD-Sprecher Jörg Steinert. "Wir haben mit dem vorherigen rot-schwarzen Berliner Senat gut zusammen gearbeitet. Die CDU sollte nun nicht auf AfD-Kurs umschwenken. Homophobie und Vorurteile sind gesellschaftliche Realität. Warum sollte verschwiegen werden, dass ein Kind zwei Mamas oder zwei Papas hat? Immer mehr Kinder wachsen in Regenbogenfamilien auf." Eine Pädagogik der Vielfalt, die Diskriminierung präventiv verhindere, sei zu begrüßen, so der Verband. "Die frühzeitige Auseinandersetzung mit Vielfalt ist förderlich für das respektvolle Miteinander."

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#1 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 15.02.2018, 21:10h
  • Diese Reaktion der CDU wundert mich nicht. Passt ja völlig in ihr biblisch altes Denkmuster.
    Dementsprechend bekommt die Union auch Kontra und konstruktive Kritik.

    Und weiter geht's in unserem Kampf um gleiche Rechte!
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#2 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 15.02.2018, 21:25h
  • Nun muss sich auch keiner mehr wundern, weshalb es so wenig bis fast keine lesbisch, schwul, oder bisexuelle Fachkräfte in den Kindergärten gibt.
    Aus demselben Denkmuster heraus werden Absagen gegeben.

    Danke für nichts!
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#3 LaurentEhemaliges Profil
#4 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
#5 Homonklin44Profil
  • 15.02.2018, 21:48hTauroa Point
  • ""Die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch bezeichnete die Handreichung in einem Tweet als "Kindesmissbrauch", der "bei uns staatlich nicht nur gefördert, sondern gefordert" werde. ""

    Sicher, dass sie nicht den Religionsunterricht meinte? Nachhaltige Experimente an Menschen und so, da könnte man da drauf kommen.

    Wie sich Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern vorkommen müssen, die nicht über ihre Eltern reden dürfen, fragt sich keiner bei Storchs im Salat.
    Und dass die Broschüre eigentlich das Personal anspricht, spannt die hysterische Spinatwachtel eh nicht.

    Na ja und C-Parteien ... wen wunderts?
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#6 MelVixenAnonym
  • 15.02.2018, 22:00h
  • Antwort auf #3 von Laurent
  • Ich glaube #meint die ganzen "pädophilie" vorwürfe gegenüber dem booklet die 1zu1 auch gegen lgbti- bzw. Männlich Erzieher erhoben werden.

    Aus diesen "Gründen" und "Bedenken" werden Erzieher/Lehrer in anderen Staaten wie den USA öfter abgelehnt.
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#7 TimonAnonym
#8 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 15.02.2018, 22:06h
  • Antwort auf #3 von Laurent
  • Was meinst du mit andere Fachkräfte?
    Es geht hier um die CDU, die diese Handreichung von Aufklärung in Kitas verbieten möchte.

    Es gibt genügend intolerante Erzieherinnen, die sich mit dem Thema Homosexualität schwer tun (freundlich formuliert). Wenn sie schon so gut wie keine LSBTTIQ-Fachkräfte einstellen wollen, werden sie sich auch erstmal gegen diese Aufklärung sträuben, leider. In Berlin ist die Chance vielleicht noch ein paar Millimeter höher.
    Wenn ich mir aber vorstelle, dass auch andere Bundesländer mal so weit sind und verstehen, dass Aufklärung wichtig ist, dann gibt es da erstmal Protest von Erzieherinnen.

    Glaube mir, ich hab genug gesehen und erlebt.

    Aber trotz der Ablehnung, die kommen wird, muss das mit der Aufklärung durchgesetzt werden. Wir leben im Jahr 2018 und Homosexuelle dürfen heiraten. Also muss es Aufklärung geben: in der Schule und im Kindergarten. Und überall, wo es wichtig ist.
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#9 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
#10 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 15.02.2018, 22:47h
  • An Herr Königer,

    Da muss ich Ihnen widersprechen. Kinder im Alter zwischen 3-6 Jahren sind zum Beispiel sehr interessiert, wenn sie einen Bruder oder eine Schwester bekommen. Da fragt ein 5 jähriges Kind schon mal die Mutter, wie das Kind geboren wird, und wie das Kind in den Bauch kommt. Dazu gibt es längst Bilderbücher und es wird im Kindergarten thematisiert, wenn es ein Kind in der Gruppe gibt, dessen Eltern ein weiteres Kind erwarten.
    Nennen Sie das dann auch Sex-Unterricht?!?
    Oder denken Sie nur beim Thema Homosexualität an Sex?

    Homosexualität bedeutet Liebe. Und Liebe ist erstmal ein Gefühl und ein Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen zwei Menschen. Mit Sex hat das erstmal nichts zu tun.
    Wenn Sie nun also phantasieren, es würde dann in den Kitas Sex stattfinden und thematisiert, dann haben Sie diese Broschüre und dessen Aufklärung noch nicht verstanden.
    Übrigens ist diese Aufklärung der beste Weg um sexuellen Missbrauch zu VERMEIDEN. Somit ist diese Aufklärung ganzheitlich positiv zu betrachten.

    Ihre Falschaussagen gehen ins Leere. Es gibt in dieser Broschüre keinen einzigen Satz, der zum sexuellen Missbrauch animieren würde.

    Es geht um die Vielfalt der Menschen. Vielleicht wissen Sie das noch nicht, aber die Menschen sind vielfältig geboren. Und das gilt es zu respektieren. Es geht um die Gesundheit und die Förderung der Kinder. Es geht um Entwicklung und um Selbstbewusstsein. Es geht um Personlichkeitsentfaltung.

    Ihr Thema, Herr Königer, sexueller Missbrauch und Pädophilie ist eine andere Baustelle. Das hat mit der Broschüre und mit der darin beschriebenen Aufklärung GANZ UND GAR NICHTS ZU TUN.

    Lesen Sie die Broschüre einfach durch, dann wissen Sie worum es geht und können dann hoffentlich selbst erkennen, dass Sie mit Ihrer Aussage völlig daneben liegen.
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