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USA
Trump-Richter: Ehe für alle ist "Anschlag auf die Natur"
Der Präsident baut die amerikanische Justiz um: Donald Trump hat bereits mehrere Homo-Hasser zu einflussreichen Richtern ernannt. Mit Gordon Giampietro soll jetzt ein besonders aggressiver Gegner der Gleichbehandlung befördert werden.

Gordon Giampietro arbeitet derzeit für eine Anwaltskanzlei – jetzt könnte der Homo-Hasser auf Lebenszeit zum Bundesrichter ernannt werden (Bild: Northwestern Mutual)
- 16. Februar 2018, 14:09h 3 Min.
US-Bürgerrechtler laufen Sturm gegen die Nominierung des homophoben Juristen Gordon Giampietro zum Bundesrichter. Präsident Donald Trump hatte bereits vor Weihnachten den 52-Jährigen für den freigewordenen Posten des Richters am U.S. District Court for the Eastern District of Wisconsin nominiert. Noch muss der US-Senat den Kandidaten mit einfacher Mehrheit bestätigen – dort haben die Republikaner eine Mehrheit von 51 zu 49 Stimmen. Die Ernennung würde dann auf Lebenszeit erfolgen.
Diese Woche gab es eine Empörungswelle gegen Giampietro wegen eines von BuzzFeed ausgegrabenen Zitats aus dem Jahr 2015. Im Interview mit der katholischen Radiomoderatorin Lydia LoCoco sagte Giampietro damals, dass die USA seit der Legalisierung der Antibabypille auf die falsche Bahn geraten seien, "weil das ein Anschlag auf die Natur" sei. "Und jedes Mal, wenn man die Natur angreift, gibt es eine Gegenbewegung. Das sehen wir heute auf viele Arten, nicht nur bei der Empfängnisverhütung, sondern auch bei der Ehe. Wenn man gegen Gottes Plan vorgeht, passieren schlimme Dinge." Die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht würde die "Idee der Ehe" untergraben, weil es bei Homosexuellen nur um Sex gehe, bei Heterosexuellen aber um Fortpflanzung.
In dem Interview behauptete der Jurist auch, Studien würden beweisen, dass Kinder am besten bei Vater und Mutter aufwachsen würden. "Niemand würde diesen Fakt bestreiten", so Giampietro. In Wirklichkeit kommen Studien allerdings praktisch einhellig zu dem Ergebnis, dass es Kindern in Regenbogenfamilien nicht schlechter geht als Kindern in einer "traditionellen" Konstellation (queer.de berichtete).
Giampietro: Aufhebung des Homo-Verbots ist ein Fehler
Außerdem erklärte der 52-Jährige, es sei ein Fehler des Supreme Court gewesen, 2003 die sogenannten "Sodomy Laws" für verfassungswidrig zu erklären. Zu diesem Zeitpunkt hatten noch 14 der 50 US-Bundesstaaten homosexuelle Handlungen verboten.
Giampietro ist ein Jura-Absolvent der konfessionellen "Catholic University of America", die in der Hauptstadt Washington angesiedelt ist. Die Hochschule gilt als homosexuellenfeindlich – im letzten Jahr wurde etwa der Pater James Martin von einer Uni-Veranstaltung ausgeladen, weil er zum Respekt von Homosexuellen aufgerufen hat.
Mehrere LGBTI-Organisationen wie Lambda Legal forderten nach Bekanntwerden des Zitats, dass Präsident Trump seine Nominierung zurückziehen soll. Auch Bürgerrechtler übten scharfe Kritik – die linksliberale Lobbygruppe "People for the American Way" bedauerte etwa, dass Trump erneut einen Juristen, der "hysterischen, panikmachenden Nonsens" verbreite, zum Bundesrichter machen wolle.
Trump hat seit seinem Amtsantritt vor 13 Monaten bereits mehrere homophobe Richter nominiert. Die Juristen Leonard Steven Grasz und John K. Bush wurden bereits vom Senat bestätigt – gegen den erbitterten Widerstand der Demokraten, von denen kein einziger der Beförderung zustimmte. Der Grund: Bush bedauerte wie Giampietro, dass Bundesstaaten homosexuelle Handlungen nicht mehr verbieten dürfen – Grasz sitzt im Vorstand der Nebraska Family Alliance, deren Hauptziel es ist, die Rechte Homosexueller zu beschneiden.
Homo-Hasser werden auch auf andere Posten befördert: So ernannte Trump Sam Brownback, der ebenfalls das Verbot homosexueller Handlungen unterstützt, zum Sonderbotschafter für Religionsfreiheit (queer.de berichtete). (dk)














