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Theater

Im Labyrinth des Anderssein

Das Dortmunder Schauspielhaus hat Virginia Woolfs queeren Roman "Orlando" als Grundlage für einen packenden wie aktuellen Theaterrabend genommen – bis Juli steht das Stück auf dem Programm.


Jetzt in Dortmund auf der Bühne: Virginia Woolfs Roman "Orlando" erzählt die Geschichte eines Mannes, der zur Frau wird, mehr als 350 Jahre lebt und dabei kaum altert (Bild: Birgit Hupfeld)
  • Von Lars Waldner
    18. Februar 2018, 13:44h, noch kein Kommentar

Die kleine Studiobühne des Dortmunder Schauspielhauses erstrahlt im Lichterglanz. Neonröhren, die unterschiedliche Farben annehmen können, schlängeln sich an der Decke entlang und umrahmen die Bühne. Mit Verästelungen bilden sie eine Art von Labyrinth – aber eines, aus dem es keinen Ausweg gibt.

Eine schöne Idee der Bühnenbildnerin Maria Eberhardt. Denn auch Orlandos Lebensweg ist durch eine fast aussichtslose Situation geprägt.

Der berühmte gleichnamige Roman von Virginia Woolf gab die Handlung der Bühnenfassung vor: Der englische Adlige Orlando flüchtet im 16. Jahrhundert nach einer enttäuschten Liebschaft als Dichter in die Einsamkeit der Natur. Dann geschieht das Unerwartete: Orlando fällt in einen tiefen Schlaf, aus dem er erst nach sieben Tagen erwacht – als Frau!

Ein queerer Charakter in einem Roman von 1928

Sie beziehungsweise er fühlt sich nun beiden Geschlechtern zugehörig – und das in einer Welt, in der Weiblichkeit und Männlichkeit starken Rollenklischees unterworfen sind. Zum dramatischen Höhepunkt wird die Szene vor Gericht, in der bestimmt werden soll, was Orlando nun ist: ein Mann oder eine Frau? Für den Richter gibt es nur eine Möglichkeit.

Die Dichterin Virginia Woolf schuf mit der Hauptfigur ihres 1928 erschienenen Romans "Orlando" einen Charakter, der erstaunlich gegenwärtig erscheint. Heute würde man Orlando als "queer" bezeichnen, als jemand, der in keine gängige Geschlechter-Schublade passt.

Die Regisseurin Laura N. Junghanns unternimmt am Ende ihrer Inszenierung noch einen assoziativen Schlenker auf das Massaker mit 49 Toten im LGBT-Club "Pulse" in der amerikanischen Stadt Orlando. In fast völliger Dunkelheit wird über Lautsprecher eine Collage von Originaltönen aus TV-Reportagen über den Amokläufer und dessen Motiv eingespielt – der Täter konnte es wohl nicht ertragen, dass andere so lebten wie sie es wollten. Das wird zu einem packenden Moment, der einen anspruchsvollen Theaterabend beindruckend zum Abschluss bringt.

Infos zum Stück

Orlando. Theaterstück nach Virginia Woolf. Regie: Laura N. Junghanns. Darsteller: Ekkehard Freye, Marlena Keil, Friederike Tiefenbacher. Live-Musik: aniYo kore. Ort: Schauspielhaus Dortmund (Studio). Weitere Termine am 11.3., 21.4., 27.4., 2.5., 13.5., 8.6., 23.6., 8.7. und 11.7.