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Debatte

Katholische Kirche: Weiter Widerstand gegen Segnung von Homo-Paaren

In der Debatte um die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren wiederholen deutsche Bischöfe zwar nicht den Nazi-Vergleich von Andreas Laun, viele bleiben aber in der Sache hart.


Bischof Gebhard Fürst kritisiert, dass Homo-Paare keine "natürliche Offenheit für Kinder" haben (Bild: Harald Gehrig / wikipedia)

Der Vorschlag, Homo-Paare zu segnen, trifft in der Führungsriege der katholischen Kirche weiterhin auf heftigen Widerstand. So sprachen sich die beiden baden-württembergischen Bischöfe Stephan Burger aus Freiburg und Gebhard Fürst aus Rottenburg-Stuttgart gegenüber der Nachrichtenagentur dpa gegen die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren aus. Das Erzbistum Freiburg bekräftigte, dass man die Gleichbehandlung von homosexuellen Paaren aus religiösen Gründen generell ablehne. "Die Segnung einer individuellen Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare im Rahmen einer gottesdienstlichen Feier könnte leicht den Anschein erwecken, genau eine solche Gleichstellung vorauszusetzen", so ein Sprecher.

"Die Spende des Sakramentes bleibt der Ehe mit ihrer natürlichen Offenheit für Kinder vorbehalten", sagte Gebhard Fürst, der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. "Segnungsgottesdiensten im Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften kann ich auch deshalb nicht zustimmen, weil solche Feiern einen quasi-sakramentalen Eindruck erwecken würden."

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Fürst lobt eingetragene Lebenspartnerschaft

Seelsorgerliche Begleitung für homosexuelle Paare sei dagegen selbstverständlich. "Eingetragene Partnerschaften tolerieren wir voll und ganz. Sie dürfen nicht diskriminiert werden", so Fürst weiter. Allerdings ignoriert die Aussage, dass eingetragene Partnerschaften seit Öffnung der Ehe im letzten Oktober in Deutschland überhaupt nicht mehr abgeschlossen werden können. Der Satz des Kirchenfürsten klingt auch angesichts des kirchlichen Arbeitsrechts, das ausdrücklich die Diskriminierung von Schwulen und Lesben erlaubt, wie Hohn. Erst Anfang des Monats wurde etwa bekannt, dass ein kirchlicher Kindergarten eine lesbische Erzieherin feuern will, weil sie angekündigt hatte, ihre Partner zu heiraten (queer.de berichtete).

Fürst, der bereits im Jahr 2000 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof ernannt worden war, gilt als langjähriger Gegner von Schwulen und Lesben. 2005 sagte er etwa, Homosexualität sei keine "Spielart des Normalen" (queer.de berichtete). Welche Macht Fürst auch politisch hat, zeigte er 2006: Nachdem der damalige baden-württembergische Sozialminister Andreas Renner Schirmherr des Stuttgarter CSD geworden war, warf Fürst dem CDU-Politiker Beleidigungen vor – das führte schließlich zum Rücktritt des als weltoffen geltenden Ministers (queer.de berichtete).

Die Debatte um eine zumindest teilweise Anerkennung von Schwulen und Lesben innerhalb der katholischen Kirche war Anfang des Jahres vom Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode angestoßen worden, als dieser die Segnung von Homo-Paaren anregte (queer.de berichtete). Auch Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, erklärte später, er könne sich die Segnung von schwulen und lesbischen Paaren im Einzelfall vorstellen (queer.de berichtete).

Die Debatte war allerdings auch geprägt von offener Homophobie: So verglich der frühere Salzburger Weihbischof Andreas Laun die Segnung von Homo-Paaren mit der Segnung von Konzentrationslagern der Nazis (queer.de berichtete).

Moraltheologe fordert Reformen

Unterdessen forderte Moraltheologe Elmar Kos die Deutsche Bischofskonferenz auf, für Klarheit in Bezug auf die Segnung homosexueller Paare zu sorgen. Angesichts der am Montag beginnenden Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Ingolstadt erklärte der Professor der Universität Vechta im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montagsausgabe): "Ich würde mir wünschen, dass die Entscheidungsträger – die Bischöfe – das Thema Segnungsfeiern für homosexuelle Paare mutiger angehen würden."

Für das Christentum sei die Leiblichkeit des Menschen ein wesentlicher Faktor. "Diese Leiblichkeit verleugnen zu müssen widerspricht dem vollkommen", sagte Kos. Der Theologe forderte deshalb eine Weiterentwicklung: "Wenn man zugeben muss, dass die Neigungshomosexualität kein willentlicher Entschluss ist, muss man auch den nächsten Schritt gehen und erklären, dass die zugehörige Praxis in Ordnung ist."

Kos spach sich gegen eine Verzögerungstaktik aus: "In dieser Diskussion höre ich immer wieder, dass die Theologie Vorlagen zum weiteren Vorgehen erarbeiten müsse. Darüber wundere ich mich. Denn theologisch liegen die Konzepte auf dem Tisch. Es kommt jetzt darauf an, zu handeln und sich zu entscheiden." (dk)

 Update  17.00 Uhr: Stefan Kaufmann attackiert Haltung der katholischen Kirche

Der offen schwule Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann (CDU) attackiert die katholische Kirche scharf für ihre Haltung gegenüber Schwulen und Lesben. "Die Position der katholischen Bischöfe in Baden-Württemberg muss angesichts der jüngsten Äußerungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, welcher eine Segnung homosexueller Paare nicht mehr ausschließt, sehr verwundern", so Kaufmann.

Dass eine Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare seitens der katholischen Kirche generell abgelehnt werde, ist sei "äußerst bedenklich". "Die katholische Kirche agiert auch in Baden-Württemberg nicht im rechtsleeren Raum", mahnte Kaufmann an. "Spätestens seit Oktober 2017 ist in Deutschland eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften durch die Öffnung der zivilrechtlichen Ehe seitens des Gesetzgebers vorgenommen worden. Ich erwarte von der katholischen Kirche in Deutschland, dies angemessen zu würdigen und Homosexuelle nicht länger durch eine Ungleichbehandlung zu diskriminieren." Kaufmann begrüßte "das von Kardinal Marx angekündigte Umdenken bezüglich einer Segnung homosexueller Paare" und ermutigte alle Verantwortlichen in der katholischen Kirche, diesen Weg zu unterstützen.

Stefan Kaufmann war 2015 nach seiner Verpartnerung der Segen der katholischen Kirche verwehrt worden – von Bischof Gebhard Fürst persönlich (queer.de berichtete). Am Ende erhielt das Paar doch noch einen Segen – von der von Rom unabhängigen Alt-katholischen Kirche (queer.de berichtete).



#1 Ralph
  • 19.02.2018, 11:59h
  • Die kath. Kirche wird zu wichtig genommen und nimmt sich selbst zu wichtig. Dem, was sie Sexualmoral nennt, folgt in Deutschland nur eine kleine Minderheit religiöser Sektierer. Die meisten Kirchenmitglieder lehnen sie ab. Es muss endlich Schluss sein mit den kirchlichen Privilegien, insbesondere dort, wo sie die Grundrechte verletzen. Darum ist eine öffentliche Diskussion zu führen,nicht darüber, ob der eine oder andere Bischof scheinliberal oder echtreaktionär ist. Über die menschenfeindlichen Ansichten und Aussagen dieser Kirche ist die gesellschaftliche Entwicklung längst hinweggegangen. Sie sind allenfalls noch von strafrechtlicher Relevanz.
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#2 ClaasAnonym
  • 19.02.2018, 13:01h
  • Alter, verbitterte Männer die Macht und Einfluss schwinden sehen, versuchen verzweifelt, sich am letzten Strohhalm festzuhalten, um doch noch Macht und Einkommen ihrer Sekte zu retten...
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#3 Stop ReligionAnonym
  • 19.02.2018, 13:09h
  • Jede Religion basiert im Kern auf Ausgrenzung, Bevormundung, Unterdrückung und dem Schüren von Hass. Anders kann Religion gar nicht funktionieren.

    Die brauchen Feinde, die man als das personifizierte Böse hinstellen kann, um ihren Schäfchen Angst zu machen und sie so auf Linie zu bringen. Denn wer ein glückliches, angstfreies Leben führt, braucht keine Heilsprediger, die ihm erfundene Höllen-Märchen erzählen.

    www.giordano-bruno-stiftung.de
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#4 PierreAnonym
  • 19.02.2018, 13:13h
  • Will die Kinderschänder-Sekte wieder mal von ihren Verbrechen ablenken, indem sie andere mit Schmutz bewirft?

    Es geht nicht nur um millionenfachen Kindesmissbrauch und dessen Vertuschung, sondern auch Unterschlagungen, schwarze Kassen, duibiose Immobiliengeschäfte, etc.

    www.kirchenaustritt.de/
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#5 stromboliProfil
  • 19.02.2018, 13:33hberlin
  • Antwort auf #2 von Claas
  • leider durchwegs jüngere mitläufer und unterstützerInnen, siehe "besorgte eltern", " demo für alle", "lebensschützerInnen"..
    Da ist der faulige samen weiterhin fleißig verspritzt und der bauch weiterhin trächtig geblieben.
    Jetzt folgen die "spätgeborenen" mit ihren rückwärtsblickenden wertvorstellungen...
    Wir erleben erst den anfang von dem was noch kommt!
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#6 GislainAnonym
  • 19.02.2018, 15:41h
  • Gerade als Christ kann man eigentlich gar nicht anders, als aus diesem menschenverachtenden, unchristlichen Hass-Konzern auszutreten...

    Das kann man doch nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren.

    Was sind das nur für Menschen, die andere nur wegen deren einvernehmlicher Liebe diskriminieren wollen?!

    Hat diese Welt keine dringenderen Probleme? Z.B. Hunger, Kriege, Gewalt, etc.
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#7 RobinAnonym
  • 19.02.2018, 16:13h
  • >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
    Bischof Gebhard Fürst kritisiert, dass Homo-Paare keine "natürliche Offenheit für Kinder" haben
    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Und was ist mit Hetero-Paaren, wo mind. einer der Partner zeugungsunfähig ist?

    Oder mit Frauen jenseits der Wechseljahre, die auch keine Kinder mehr bekommen können?

    Dürfen die auch alle nicht mehr heiraten?

    Und was ist mit schwulen und lesbischen Familien, wo Kinder aufwachsen?

    Gut, die Kirche hatte es noch nie mit Logik, aber zumindest solch simple Zusammenhänge müssen denen doch mal auffallen....
  • Antworten » | Direktlink »
#8 AndreasKAProfil
  • 19.02.2018, 16:28hKarlsruhe
  • ... wundert das allen Ernstes irgendeinen von euch, dass sowas wieder 'rausgehauen wird?

    Ganz egal welche Apologeten auch hier im Chat wieder anmerken, dass es "die Kirche sich Nicht-Heterosexuellen Menschen öffnen würde" - hey, alle "Nettigkeiten" sind und bleiben Gnadenakte die gar nichts mit rechtlicher, gleichberechtigter Anerkennung zu tun haben.

    Sie wiegen die naiv-gutgläubigen Nicht-Heterosexuellen in eine trügerische Sicherheit. Mehr noch! Mit solchen "netten Aktionen" argumentieren sogar auch noch LGTBI**-Leute und reden sich das Unrecht schön!

    Ich habe den Eindruck, sie halten an ihrem Kirchenglauben fest wie ein Kleinkind am Schnuller und am süßen Schlabberbrei.

    Schnuller ausspucken, Brei wegstellen und endlich mal normal-harte Kost wie das Leben es bietet kauen! Sonst wird man nicht erwachsen!

    Die Kirche will uns nicht!
    Gleichberechtigung wird es in 1000 Jahren seitens der Kirche nicht geben!

    Was aber wollen wir von der Kirche?
    - Glaubensgemeinschaft?
    - Zugang zu Gott?
    - flokloristische Traditionen erhalten?
    - Hübsche Kulisse für Familienfeste?
    - Nettes Ambiente zu Weihnachten?
    - Weihrauchduft und Pomp & Circumstances?

    Das alles gibt es, wenn man drauf steht, auch woanders. Es ist unbeschreiblich, wie viele Wahrheiten und Wirklichkeiten sich auf der ganzen Welt tummeln. Schaut euch um, denkt nach und vermutlich könnt ihr dann sowieso auf das meiste Brimbamborium verzichten.

    ... und interessanterweise schaffen es auch Leute abseits der Kirche, ja sogar Atheisten und Agnostiker, ein ethisch einwandfreies, menschenfreundliches Leben zu führen.

    Man kann es echt nicht oft genug sagen:

    Glaubt woran immer ihr wollt - aber tretet aus der Kirche aus! Es ist höchste Zeit! Das ist eindeutig der einzige Weg, den unglückseligen Einfluss dieser reaktionären Leute zu verringern.
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#9 Tommy0607Profil
  • 19.02.2018, 17:08hEtzbach
  • Diese Glaubensgemeinschaft ist wirklich jenseits von " Gut und Böse". Die sollten mal wirklich etwas mehr Menschlichkeit und Toleranz lernen. Und nach Grundsätze von Prophet Jesus "leben" : Denn JESUS hat Menschen nicht verurteilt: ER und auch GOTT nimmt jeden Menschen an . Ohne jede Einschränkung !
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#10 AndreasKAProfil
  • 19.02.2018, 17:46hKarlsruhe
  • Antwort auf #9 von Tommy0607
  • "Gut & Böse" aus deinem Beitrag lieferte mir die Idee zu einem Buchtipi: "Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind" von Michael Schmidt-Salomon:

    www.schmidt-salomon.de/jvgub/home1.htm

    Er regt darin zum Denken darüber an, was es mit Religionen so auf sich hat.

    Zu deinem Jesus-Bild: Sorry. Da pickst du dir leider hier nur die schmackhaften Rosinen heraus. Schade, dass Jesus als Ganzes nicht so sympathisch ist. Es gibt bekanntlich auch Jesusworte die offensiver und aggressiver sind und die du verschweigst. Jesus als "Heile-Gässchen-Heiland" zu verklären bringt die Diskussion ebenso wenig weiter, wie ein Verengen des Blickwinkels auf aufgeklärte Theologen/Priester etc. die sich hier und da von der vorgegebenen Linie lösen.
    Es sind also beileibe nicht nur die Passagen im Alten Testament oder der Apostelgeschichte der Bibel, die zu Ausgrenzung und sogar Hass auf Andersartigkeit anhalten - ja die selbst das "Ausmerzen" solcher Andersartigkeit vorschreiben.

    Wennschondennschon!

    Will man Bibelworte als Argumente heranziehen, muss man sich auf die stets vorhandenen Gegenbeispiele einrichten und auch diese gleichrangig in Betracht ziehen.

    Und da wären wir wieder einmal: Mit der Bibel lässt sich alles und nichts erklären/rechtfertigen. Sie taugt einfach nicht zu vernünftigen Diskussionen sondern ist allenfalls ein Zeitvertreib in frömmelnden Wissensspielchen.
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