Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?30703

Queeres Geld

Wie eine LGBT-Kryptowährung verfolgte Schwule in Tschetschenien retten soll

Der Gründer der schwulen Dating-App Hornet will eine digitale Währung starten. Der "LGBT Token" soll ab April verfügbar sein und Geld für Community-Projekte generieren.


In Berlin haben schon mehrere Geschäfte und Restaurants zugesagt, den "LGBT Token" als Zahlungsmittel zu akzeptieren

Es klingt irre: Was, wenn alle queeren Menschen weltweit ihre eigene Währung hätten? Für Christof Wittig wird diese Vision bald Realität – mit dem "LGBT Token". Diese digitale Währung soll der LGBT-Community ihr eigenes Zahlungsmittel geben, mit der sie ganz nebenbei ihre eigenen Projekte finanziert.

In der Berliner Kollwitzstraße hätten schon vier Geschäfte und Restaurants zugesagt, den LGBT Token als Zahlungsmittel zu akzeptieren, erzählt Wittig bei einer Präsentation am Mittwoch in Berlin. "Diese Unternehmen rollen der Community den rosa Teppich aus und zeigen damit ihre Offenheit." Geschäfte würden sich dadurch als "gay-friendly" outen, indem sie am Eingang den Aufkleber "LGBT Token accepted here" anbringen.

Eine Währung, die ohne Zentralbank auskommt

Der LGBT Token basiert – wie der Bitcoin – auf der Blockchain, einer Technologie, in die gerade viele Erwartungen gesteckt werden. Hier werden alle Daten dezentral und öffentlich abgespeichert. Eine Kryptowährung, die auf dieser Technik basiert, braucht somit keine Zentralbank und ist damit von Staaten unabhängig.

Die Blockchain gleicht – stark vereinfacht gesprochen – einer Excel-Tabelle, in der alle Eintragungen von vielen Nutzern verifiziert werden. Bei einem digitalen Zahlungsmittel ist diese Blockchain-Tabelle die Buchführung der Transaktionen dieser Währung. Durch die Hilfe der Nutzer, die einzelne Transaktionen verifizieren, wird das Zahlungssystem besonders sicher. Eine Bank, die jede Überweisung überprüft und alle Kundendaten zentral speichert, ist nicht mehr nötig.


Die Wirtschaftskraft der internationalen LGBT-Community ist laut den Erfindern der neuen Kryptowährung größer als die von Deutschland (Grafik: LGBT Token)

Diese technischen Vorteile will Christof Wittig für die LGBT-Community nutzbar machen. "Nichts spricht lauter als Geld", sagt er, "und die Wirtschaftskraft der weltweiten LGBT-Community zusammen ist größer als die von Deutschland. Also warum nutzen wir das nicht?" Queere Menschen sollten sich ihre Kaufkraft für einen guten Zweck zu nutze machen – die Kryptowährung sei das Mittel dafür.

Ein Prozent gehen jährlich in Community-Projekte

Die Währung wird von der LGBT Foundation ausgegeben, einer Stiftung, die am 12. Januar gegründet wurde. Die Tokens werden unter anderem über die schwule Dating-App Hornet verfügbar sein, die weltweit nach eigenen Angaben 25 Millionen Nutzer hat. Dort werde man auch für Mitgliedschaften mit dem LGBT Token bezahlen können.

Der öffentliche Verkauf der LGBT Token – abgekürzt LGBT$ – soll Ende April starten und vier Wochen dauern. Dabei werden 25 Milliarden LGBT$ digital erzeugt und zum Verkauf stehen. Nutzer können dann mit dem Kryptogeld zahlen. Je öfter der LGBT Token benutzt werde, desto größer die Nachfrage, desto höher werde der Marktwert jedes einzelnen Token – so die Idee. Dadurch soll die Währung jedes Jahr ihren Wert steigern.


Investor Christof Wittig bei der Präsentation am Mittwoch in Berlin (Bild: Markus Kowalski)

Da kommt die gemeinnützige Seite ins Spiel: Einmal im Jahr will die hinter der Währung stehende Stiftung ein Prozent von allen verfügbaren LGBT$ neu schöpfen – nach einem Jahr also schon 250 Millionen LGBT$. Dieses Geld soll in politische Projekte der Community fließen. Dadurch könnten Organisationen bezahlt werden, die schwule Männer retten, die in Tschetschenien verfolgt werden, schwärmt Christof Wittig.

Mindestens eine gute Investition, wenn nicht sogar mehr

Stuart B. Cameron, Chef der LGBT Karriere-Messe "Sticks & Stones", zeigte sich von der Idee überzeugt: "Natürlich ist das ein großes Geschäft, aber es ist auch eine gute Sache, weil es der Community zugute kommen wird." Einige Besucher der Präsentation waren in Diskussionen skeptisch, ob man den LGBT Token tatsächlich im Alltag als Zahlungsmittel etablieren könne. Die anwesenden Investoren waren sich zumindest sicher, dass jeder, der in der ersten Verkaufs-Runde LGBT Token kaufe, auch Gewinn machen werde.

Da die Kryptowährung voraussichtlich jedes Jahr mehr Wert sein werde als vorher, werde jährlich mehr Geld für Community-Projekte zur Verfügung stehen. Dadurch könnten – je nach Wert des Tokens zum US-Dollar – beträchtliche Summen in Millionenhöhe erzeugt werden. Die Wertsteigerung hängt jedoch an einer Bedingung: Viele Menschen müssen die Währung möglichst oft zum Bezahlen nutzen.

Ein Wort in eigener Sache
Hinter gutem Journalismus stecken viel Zeit und harte Arbeit – doch allein aus den Werbeeinnahmen lässt sich ein Onlineportal wie queer.de nicht finanzieren. Mit einer Spende, u.a. per Paypal oder Überweisung, kannst Du unsere wichtige Arbeit für die LGBTI-Community sichern und stärken. Abonnenten bieten wir ein werbefreies Angebot. Jetzt queer.de unterstützen!


#1 PierreAnonym
  • 22.02.2018, 13:33h
  • "Ein Prozent gehen jährlich in Community-Projekte"

    Was für eine tolle Geschäfts-Idee:
    man gibt 1% für Community-Projekte und schon kommen zig Leute und man verdient sich eine goldene Nase an den restlichen 99%.

    Nein danke. Wer wirklich helfen will, kann auch spenden oder Spenden sammeln, um Community-Projekte zu unterstützen oder verfolgten GLBTI zu helfen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 BlockChainAnonym
  • 22.02.2018, 18:13h
  • Wie wird eigentlich sicher gestellt, dass - wenn jeder die Blockchain doch einsehen kann - dass die Buchungen trotzdem vertraulich sind?

    Also der Restaurant-Betreiber nicht sehen kann was ich in meinem Leben sonst noch so alles mit dem LGBT$ gekauft habe?

    Wer garantiert zudem, dass der Betreiber nicht beliebig viele LGBT$-"Schöpft" und damit mein Geld, welches gerade in LGBT$ liegt unmittelbar abertet?

    Ich glaube, da hat einer ganz viele $$$ in den Augen und nur die Hälfte kapiert.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Gerlinde24Profil
  • 23.02.2018, 06:02hBerlin
  • Für mich ne clevere Geschäftsidee, um die Community zu schröpfen. 1% ist lächerlich!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 NickAnonym
  • 23.02.2018, 21:48h
  • Antwort auf #1 von Pierre
  • Entweder Du hast den Artikel nur Quergelesen oder nicht verstanden. Die Idee ist hervorragend und es ist traurig solche destruktiven Reaktionen wie die Deine zu lesen.

    Die Rechte die wir haben sind nicht selbstverständlich, werden Sie nie sein. Finanzielle Mittel sind ein entscheidender Faktor um unsere rechte zu bewahren und in anderen Ländern zu normalisieren.
  • Antworten » | Direktlink »