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Mit-Gründer der "Christen in der AfD"

AfD-Politiker: Ehe für alle "unbiblisch"

Volker Münz, kirchenpolitischer Sprecher der Bundestags-Fraktion, kämpft gegen die politische und kirchliche Anerkennung von Homo-Paaren. Im Mai soll er offiziell am Katholikentag teilnehmen.


Motiv von Volker Münz im Wahlkampf zum Bundestag – inzwischen ist er einer von 92 Abgeordneten der AfD

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Volker Münz hat sich mit einer ablehnenden Stellungnahme in die Diskussion um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der evangelischen Kirche eingeschaltet. Der 53-Jährige ist Mitglied im Gemeinderat in Uhingen sowie der Bezirkssynode Göppingen. Eine evangelikale Sperrminorität in der evangelischen Kirche in Baden-Württemberg hatte kürzlich selbst Kompromisse zum Umgang mit Homo-Paaren abgelehnt (queer.de berichtete) – einige Geistliche wollen sich dem widersetzen.

"Es ist erschreckend, wie weit linke Ideologien, wie die Gender-Ideologie und die 'Ehe für alle' nicht nur in der Politik verbreitet sind. Auch in der Kirche haben diese unbiblischen Vorstellungen Einzug gehalten", beklagte Münz bereits in der letzten Woche laut einem Bericht der "Südwest-Presse". Es sei erschreckend, dass evangelische Amtsträger mit der Segnung oder Trauung homosexueller Paare wider Bibel und landeskirchlicher Regelungen handelten: "Diese Haltung der am Zeitgeist und nicht am Wort Gottes orientierten Amtsträger spaltet die Kirche" (Rolf Ulmer, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Göppingen, hat am Donnerstag in der Zeitung einen Widerspruch zu diesen Äußerungen veröffentlicht).

Münz ist, wie so einige Kollegen und Kolleginnen seiner Partei, ein christlich-fundamentalistischer Hardliner. So bezeichnete der Diplom-Ökonom einen befürwortenden "chrismon"-Kommentar zur Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibung als "Verrat an christlichen Werten und Geboten".

Nach homophoben Äußerungen in Bundestag gewählt

Zur Ehe-Öffnung im letzten Jahr schrieb Münz auf Facebook, mit der "Aufweichung des Ehe-Begriffs" werde "ein Fundament, auf dem unsere Gesellschaft aufgebaut ist, geschleift" – "Kinderehen und Vielehen" könnten folgen. "Gender Mainstreaming" bezeichnete er im März 2017 als "antichristliche Ideologie": "Sie widerspricht dem christlichen Menschenbild. Die Gender-Ideologie zerstört die Familie als Keimzelle der Gesellschaft."


Wie viele andere AfD-Politiker sah Münz in der Ehe für alle keinen Grund zum feiern

Zum umstrittenen Bildungsplan in Baden-Württemberg meinte er im letzten Sommer in einem Video-Interview, dieser widerspreche "unserem christlichen Menschenbild, weil da schon Schülern in der Grundschule die sogenannte Gender-Ideologie beigebracht werden soll". Es solle nicht verschwiegen werden, dass es Trans- oder Homosexualität gebe. "Aber für die Grundschule halte ich das [Thema] für zu früh." Ein Diktat für die vierte Klasse, in dem es etwa heiße: "mein Vater war früher eine Frau", sei eine "Perversion", so Münz, der bereits Anfang 2014 an einem der ersten Proteste gegen die Schulaufklärung in Stuttgart teilgenommen hatte.

Letztlich gehe es um einen falschen Begriff von "Toleranz", der statt einer Duldung Akzeptanz verlange, so Münz in dem Video: "Wenn jemand homosexuell ist, dann hat er genauso eine Menschenwürde wie jeder andere auch. Aber ich sage trotzdem: Das ist nicht meine Vorstellung von einer Lebensführung. Ich dulde das, aber ich halte es nicht für gut." Das Kindern Akzeptanz eigebracht werden solle, halte er "nicht für richtig": "Das ist eine Indoktrinierung."

Zwischen Trump-Besuch und Katholikentag

Münz, der als Mitunterzeichner der "Erfurter Resolution" den rechtsextremen Parteiflügel um Björn Höcke und André Poggenburg unterstützt, war auf Landeslistenplatz 8 der AfD in Baden-Württemberg in den Landtag eingezogen. Im Dezember machte ihn seine Partei zum kirchenpolitischen Sprecher. Es sei sein großes Anliegen, "das Verhältnis zu den Amtskirchen zu entkrampfen", meinte Münz dazu. "Das Programm der AfD hat sehr große Schnittmengen mit den christlichen Überzeugungen, wie das Thema Lebensrecht für Ungeborene, die Hilfe für Menschen in Not, die Familie als schutzbedürftiger Kern der Gesellschaft und die Ehe als gottgewollte Verbindung zwischen Mann und Frau."

Im Bundestag gebe es jede Sitzungswoche eine Andacht und ein Gebetsfrühstück mit Abgeordneten aus allen Fraktionen, freute sich der Politiker. "Dabei beten wir um göttlichen Beistand, denn wir tragen als Politiker nicht nur vor den Menschen Verantwortung für unser Handeln, sondern wie jeder Mensch nicht zuletzt vor Gott."

Der Glaube der Politiker wird übrigens offiziell unterstützt: Erst vor wenigen Wochen reiste Münz zusammen mit einigen weiteren Gesandten verschiedener Parteien zum "National Prayer Breakfast" in die USA: Zu der Ansprache von US-Präsident Donald Trump vor einer evangelikalen Organisation habe die US-Regierung die deutschen Politiker eingeladen. Die deutsche Botschaft organiserte dazu ein mehrtägiges Besuchsprogramm.


Die AfD kämpft in Anträgen, Pressemitteilungen und Programmen gegen die angebliche Steuerverschwendung des Gender-Mainstreamings. Besuche evangelikaler Events scheinen hingegen in Ordnung

Für Wirbel sorgt derweil auch, dass Münz im Mai an einer Podiumsdiskussion beim Katholikentag teilnehmen soll – nachdem im letzten Jahr Anette Schultner beim evangelischen Kirchentag teilnahm. Sie war damals Bundesvorsitzende der von Münz mitgegründeten Gruppe "Christen in der AfD". Die mehrfache Rednerin auf der homo- und transfeindlichen "Demo für alle" hat inzwischen die Partei verlassen, weil sie ihr zu extrem wurde.

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#1 BEARAnonym
  • 22.02.2018, 16:40h
  • Fehlt nur noch "undeutsch".

    Ich wüsste nicht, dass wir hier in einem biblischen Land lebten. Oder haben wir wieder das Heilige Römische Reich Deutscher Nation?
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#2 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 22.02.2018, 16:47h
  • Wie wunderbar, dass die Eheöffnung nicht biblisch ist, das wäre ja furchtbar :-)
    Wir leben im Jahr 2018 und der Staat ist von der Kirche getrennt - Punkt.
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#4 StrottiAnonym
#5 Pu244Anonym
  • 22.02.2018, 17:40h
  • Endlich mal einer der es kapiert hat, die Ehe gehört nur uns gläubigen Heteros, denn wir haben sie erfunden, merkt euch das!

    Nun muß die Ehe nur noch auf ihr biblisches Fundament zurückgeführt werden. Sex während der Menstruation muß, wie gefordert, wieder mit dem Tod bestraft werden. Gegen die Vielehe steht auch nichts drin, Abraham und einige andere, hatten viele Frauen (der Rekord liegt bei über 1000). Die Ehe des ältersten muß wieder vom nächst ältersten, unverheirateten Bruder, per Samenspende fortgeführt werden (Gott will das, er hat Onan deshalb getötet [eine der größeren Logiklücken der Bibel, aber wenn der Herrgott Spaß daran hat...]). Das schlimme Wort "Vergewaltigung" ist in der Bibel auch nur eine Umschreibung für eine schnelle Form der Heirat, außer es passiert in der Stadt, dann müssen beide getötet werden. Das wichtigste ist natürlich, dass wir wieder, wie es in der Bibel steht, dazu übergehen Frauen aus den Kriegsgebieten zu holen (Sexsklavin ist so ein böses Wort), dann bekommt auch jeder eine Frau ab.

    Ich bin so froh, dass nach knapp 2000 Jahren der Verirrung und Erosion der Ehe, die Dinge mal wieder ins Lot gebracht werden...
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#6 Tommy0607Profil
  • 22.02.2018, 17:45hEtzbach
  • Dieser rassistischer, homophobe Verein kennt sich mit Glaubensbüchern aus ?
    Das kann man nicht glauben .
    Nebenbei: Was hat ein Glauben wie Religionen in einen Staat oder Politik zu suchen? Denn staatliche und religiöse Regeln sind zwei verschiedene Dinge. Das sollten auch Menschen mal verstehen lernen. Denn der Mensch ist ja (angeblich) die schlaueste Spezies auf Erden .
    Und wenn man schon christlich interpretiert wie dieser "Herr".
    Es gibt da einen Satz von Prophet Jesus :
    "So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! "
    Oder ist der "Herr" dieses Vereines da mit der Maus vorbei gerutscht , haha
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#7 Sven100Anonym
#8 sanscapote
#9 SoSoAnonym
#10 easykeyProfil
  • 22.02.2018, 18:52hLudwigsburg
  • Evangelikal...das sagt ja schon alles, immerhin ist er nach Amerika gefolgen und hat sich nicht eines Einbaums bedient.

    Wer erklärt dem Hinterwäldler, dass Staat und solche Vereine wie "Kirchen" getrennt voneinander zu sehen sind.

    Viele Grüße in den tiefen, dunklen, braunen Wald!
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