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Den Haag
Nach Grindr-Date: 17-Jähriger tot aufgefunden
Der Tod eines Teenagers schockiert die niederländische Schwulenszene. Noch ist unklar, ob der Junge ermordet wurde.

Nach dem Verschwinden bat die Polizei die Öffentlichkeit um Mithilfe, um den Teenager zu finden (Bild: Nationale Politie)
- 28. Februar 2018, 12:20h 3 Min.
Niederländische Taucher haben am Montag die Leiche eines 17-Jährigen im See Böttgerwater in Den Haag entdeckt; Orlando Boldewijn war am 17. Februar verschwunden, nachdem er sich offenbar mit einem Mann via der schwulen Dating-App Grindr verabredet hatte. Die Polizei hatte knapp eine Woche nach dem Verschwinden die Öffentlichkeit um Hinweise über den Verbleib des Teenagers gebeten.
Die Behörden kündigten nach dem Leichenfund eine Obduktion an. Die Polizei machte keinerlei Angaben, ob Boldewijn gewaltsam zu Tode gekommen ist oder ob sie von einem Unfall ausgeht.
Das mutmaßlich letzte Lebenszeichen sendete der aus Rotterdam-Noord stammende Teenager am Morgen des 18. Februar an seine Mutter. In einer Textnachricht kündigte er an, dass er auf dem Weg nach Hause sei. Allerdings erklärte eine Freundin des Schülers, dass die Nachricht nicht typisch für seinen Schreibstil gewesen sei und es deshalb Zweifel gebe, ob er wirklich der Autor war. "Gewöhnlich kürzt er viele Wörter ab, aber in dieser Nachricht hat er das nicht ein einziges Mal getan", erklärte sie in der niederländischen Presse.
Boldewijn habe das Mädchen oft als Alibi gegenüber seiner Mutter verwendet, wenn er andere Männer zum Sex traf. Sie erklärte weiter, dass sich der 17-Jährige via Grindr oft zu Dates getroffen habe, allerdings selten zwei Mal mit dem selben Mann.
Polizei befragte mutmaßliches Date des Teenagers
Die Polizei erklärte nach dem Leichenfund, man habe bereits einen der Kontakte des 17-Jährigen vom fraglichen Abend befragt. Der 20-Jährige aus Den Haag habe ausgesagt, er habe den Jungen im Stadtteil Ypenburg abgesetzt, weil dieser sich mit einem weiteren Mann verabredet habe. In Ypenburg liegt auch der See, in dem die Leiche gefunden wurde.
Freunde und Lehrer haben Boldewijn gegenüber der Presse als ambitionierten und vielversprechenden jungen Mann beschrieben, der sich bereits vor Jahren als schwul geoutet habe. Auch seine Mutter habe die sexuelle Orientierung ihres Sohnes voll und ganz akzeptiert. "Orlando hat Gedichte verfasst und Freunden erzählt, dass er fast jeden Tag ein Buch liest", erklärte Schuldirektor Arnold Koot gegenüber der Tageszeitung "Algemeen Dagblad". "Und er diskutierte gerne über Politik oder Ökonomie, aber auch über Themen, die ihn persönlich berührten – Homosexualität und Diskriminierung".
Homophobe Reaktionen in sozialen Netzwerken
In sozialen Netzwerken äußerten einige Nutzer auch Kritik an dem Jungen, dem sie vorwarfen, sich mit Grindr selbst in Gefahr gebracht zu haben. LGBTI-Aktivisten zeigten sich über derartige Äußerungen empört: "Der Junge hat nicht die Gefahr gesucht sondern nach Kontakten und Liebe", erklärte Philip Tijsma von der Organisation COC. Ihn überrasche aber nicht, dass es derartige Reaktionen gebe: "Homophobie und Rassismus sind eine tägliche Realität. Ein schwarzer, schwule Junge, der Sexdates hat – viele Leute haben sich auch 2018 an so etwas noch nicht gewöhnt." (cw)















Friede Deiner Seele, Orlando Boldewijn.