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US-Studie

Essstörungen bei über der Hälfte von jungen LGBT

Erschreckende Zahlen: Junge Menschen, die sexuellen oder geschlechtlichen Minderheiten angehören, sind elf Mal anfälliger für Essstörungen als ihre Altersgenossen.


Viele junge LGBT haben – zumindest in Amerika – kein gesundes Verhältnis zu Nahrungsmitteln (Bild: cyclonebill / flickr)

Bei 54 Prozent von amerikanischen Schwulen, Lesben, Bisexuellen und transgeschlechtlichen Personen zwischen 13 und 24 Jahren wurden bereits Essstörungen diagnostiziert. Insgesamt glauben sogar drei Viertel aller jungen LGBT, an Essstörungen zu leiden, auch wenn sie noch keine Diagnose erhalten haben.

Das ist das erschreckende Ergebnis einer Studie, die von der LGBTI-Organisation The Trevor Project sowie den US-Fachorganisationen National Eating Disorders Association und Reasons Eating Disorder Center durchgeführt wurde. Insgesamt wurden 1.305 junge Amerikaner, die sich selbst als LGBT identifizieren, für die Studie befragt. Die Rate an Essstörungen liegt laut den Autoren elf Mal höher als unter Cis-Heterosexuellen.

"Wir waren fassungslos über die Ergebnisse", erklärte Amit Paley vom Trevor Project. "Wir müssen mehr tun, um der alarmierenden Zahl an LGBTQ-Jugendlichen zu helfen, die mit Essstörungen leben und mit Suizidgedanken kämpfen."

Direktlink | Kurzfilm des Trevor Projects zu den Ergebnissen der Studie

Besonders Transpersonen betroffen

Besonders von Essstörungen betroffen sind transgeschlechtliche Menschen. Den Ergebnissen zufolge wurden bei 71 Prozent der jungen Transpersonen, die sich als heterosexuell identifizierten, derartige Störungen diagnostiziert. Ein weiteres erschreckendes Ergebnis ist, dass 58 Prozent der jungen LGBT, die unter Essstörungen leiden, schon einmal über Selbstmord nachgedacht hätten.

Ähnliche Studien kamen in der Vergangenheit zu ähnlichen Ergebnissen. Als Grund wird angeführt, dass junge Schwule, Lesben, Bisexuelle und transgeschlechtlichen Personen wegen des Coming-out-Prozesses viel gestresster seien als ihre cis-heterosexuellen Altersgenossen. Diskriminierung und Mobbing würden die Lage weiter verschärfen. Das führe laut Studien auch dazu, dass Homo- und Transsexuelle viel öfter Alkohol oder Drogen missbrauchten als andere. Bei Schwulen komme zudem hinzu, dass der gesellschaftliche Druck, einen perfekten Körper zu haben, höher sei als bei heterosexuellen Männern.

BZgA klärt auf

Mehr Infos zu Essstörungen bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf einer eigens dafür eingerichteten Website. Die BZgA bietet unter (0221) 89 20 31 auch ein Beratungstelefon an, das montags bis donnerstags zwischen 10 und 22 Uhr und freitags zwischen 10 und 18 Uhr besetzt ist. (dk)



#1 herve64Ehemaliges Profil
  • 02.03.2018, 21:06h
  • "Bei Schwulen komme zudem hinzu, dass der gesellschaftliche Druck, einen perfekten Körper zu haben, höher sei als bei heterosexuellen Männern.":

    Also, das dürfte eher ein Druck sein, den man sich selbst aufbürdet. Vor allem müsste man mal definieren, was eigentlich ein "perfekter Körper" ist und welche Maßstäbe man dabei anlegt. Und da gibt es an sich nur einen: der perfekte Körper ist der, in dem man sich wohlfühlt, und der muss eben nicht zwangsläufig mit den Leitbildern sein, die einem die Werbeindustrie aufoktroyieren möchte.

    Hilfe allerdings brauchen die genannten LGBTI*-Youngsters wirklich, und die hat darin zu bestehen, dass man ihr Selbstvertrauen aufbaut und stärkt. Alles Weitere ergibt sich dann von selbst, aber diese Basis ist eminent wichtig.
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#2 EssenundFreiheitAnonym
  • 02.03.2018, 21:34h
  • Was total bescheuert ist, ist das nicht gesagt wird, bei welchen Gruppe WELCHE Essstörung denn gehäuft vorkommt, das ist aber total entscheidend. Es wird nur erwähnt, das Anorexie eine große Rolle spielt, der Rest bleibt im Dunkeln.

    Und auch ein ethnischer Zusammenhang fehlt, dieser kann aber bedeutend wichtig sein und wird in der Regel heute bei Diätstudien auch mit einbezogen. Was ist mit dem Einkommen? Arme Leute können in der Regel weniger proteinreiche Nahrung kaufen, weil die Teuer ist und essen deshalb meist mehr billige gesättigte Fette und Kohlenhydrate.

    Essstörung kann ja vieles sein: Magersucht, Fettsucht, Binge Eating, Ess-Brechsucht, Orthorexie, Loch in der Geldbörse.
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#3 StretchingmasterProfil
  • 02.03.2018, 23:56hEssen / Holsterhausen
  • Dem Bericht könnte man entnehmen das es sich bei der Essstörung ausschließlich um Magersucht oder ähnliches Handelt.
    Aber dem ist nicht so. Bei mir persönlich ist es das genaue Gegenteil. Schönheitsideal? Was ist das?
    Leider ist unsere Szene immer oberflächlicher geworden die letzten Jahre. Alle müssen rank und schlank sein und mindestens 5 mal die Woche ins Fitnessstudio rennen. Wenn man das nicht vorweisen kann dann rutscht man in die nächste Minderheitengruppe in der es noch viel schwieriger ist einen Partner zu finden.
    Es hängt so viel von der Akzeptanz der Menschen ab. Man sollte nicht glauben wie weit das reicht bei jedem einzelnen.

    Schönen Tag noch
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#4 nicht repräsentativAnonym
  • 03.03.2018, 13:53h
  • "Die Rate an Essstörungen liegt laut den Autoren elf Mal höher als unter Cis-Heterosexuellen."

    Dieses Zahlenverhältnis liest sich in der Tat alarmierend.

    Im Studienbericht selbst konnte ich diese Info allerdings nicht wiederfinden. (Hier ist er verlinkt:
    www.nationaleatingdisorders.org/blog/eating-disorders-among-
    lgbtq-youth)


    Es stellt sich daher die Frage, wie das Zahlenverhältnis ermittelt wurde. Wurden auf gleiche Weise Nicht-LGBTI-Jugendliche gezielt als Kontrollgruppe befragt - oder wurde einfach irgendeine Statistik zur generellen Prävalenz von Essstörungen unter Jugendlichen bemüht?

    Prinzipiell ist hier zu bedenken, dass die Umfrage von zwei Organisationen mit Schwerpunkt Essstörungen lanciert wurde - und dass die Befragten großteils über deren social media-Kanäle rekrutiert wurden. Die Befragten dürften also insgesamt eine stärkere "Affinität" zum Thema Essstörungen haben als LGBTI im Allgemeinen. Auf die gesamte "community" bezogen, sind die Aussagen daher m.E. nicht zwangsläufig repräsentativ.

    Interessant wäre in jedem Fall weitere Forschung über die Interdependenzen von Suizidgedanken, Essstörungen und sexueller Orientierung bzw. Identität.

    (Meiner Ansicht nach ist eine Essstörung auch als Coping-Verhalten begreifbar, das es einem Individuum ermöglicht, auf den Suizid letztlich zu verzichten.)
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#5 nicht repräsentativAnonym
#6 saltgay_nlProfil
  • 03.03.2018, 15:54hZutphen
  • Essstörungen sind ernste psychische Erkrankungen. Sie zu diagnostizieren bedarf es eines Fachmannes. Selbst wenn es sich um so deutliche Symptome wie bei einer Bulimie handelt, muss eine gründliche Untersuchung erfolgen.

    Das kann eine solche Studie mit Sicherheit durch eine Befragung von Jugendlichen, die in social media - Gruppen aktiv sind, nicht bewirken. Es besteht die Gefahr, dass es sich hierbei um Trends handelt, die von Jugendlichen nachgeahmt werden.

    Typisches Beispiel ist das bei Mädchen beliebte Ritzen. Würden wir jede Ritzerin stationär behandeln, so würden die Klassen kleiner und die Kinder- und Jugendpsychiatrien überquellen. Vor 10 Jahren waren es die "Emos", die einen solchen Trend setzten. Man muss also sehr genau unterscheiden, was man aus den Befragungen verwerten kann und was das Ergebnis verfälscht.

    Eine ähnliche Inflation erleben wir ja mit dem ADHS-Syndrom, Autismus und Hochbegabungen.
    Das hat den Vorteil, dass jeder auffällige Schüler nun zumindest seine Diagnose bekommt, wenn er auch sonst nicht sonderlich geschätzt ist. Mutti zerfließt vor Selbstmitleid und Wut auf die Gesellschaft, die einfach nicht anerkennen will, dass ihr Yannik-Wilhelm völlig verkannt wird, denn er ist so sensibel und voller Güte. Diese Kinderaugen können nicht lügen. Eine Mutter weiß das. Kein Wunder, denn der liebe Junge benimmt sich in der Schule wie die Axt im Walde, schickt Tierpornos via "what's app" und stalkt die Mädchen. Da ist er dann zu Hause ausgepowert.

    Die Gesellschaft will nicht verändern oder zur Veränderung erziehen, sondern einzig und allein reparieren, damit jedes Glied der Gesellschaft konsumiert und den Markt ankurbelt. Arbeitslose Sozialarbeiter, befristet beschäftigte Sozialpädagogen, just die Helferindustrie kann aber psychisch Kranke sehr gut gebrauchen, weil sie ihnen ihren Arbeitsplatz sichern. Deshalb ist dafür zu sorgen, dass die Gestörten nie ausgehen. Die Politiker der Volksparteien und die AfD bieten in der Tat ein reichhaltiges Therapiepotential - aber man soll ja nicht verallgemeinern.

    So bleibt bei jeder Studie die alte dialektische Grundfrage bestehen: "Wer sagt das? Wem nützt dies?"
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#7 TheDadProfil
  • 03.03.2018, 20:56hHannover
  • ""Die Rate an Essstörungen liegt laut den Autoren elf Mal höher als unter Cis-Heterosexuellen.""..

    ""Besonders Transpersonen betroffen""..

    Erkenne den Fehler..

    Wenn man vernünftige Ergebnisse will, dann darf man nicht nur "Cis-Heterosexuelle" als Gegen-Probe befragen..

    Dessen ungeachtet ist die Studie einmal mehr erschreckend, aber nicht unerwartet..
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#8 TheDadProfil
  • 03.03.2018, 21:00hHannover
  • Antwort auf #1 von herve64
  • ""Vor allem müsste man mal definieren, was eigentlich ein "perfekter Körper" ist und welche Maßstäbe man dabei anlegt.""..

    Und so ganz nebenbei mal langlebige Mythen abbaut wie diesen, das Dicke Menschen weniger frieren würden, so wie man es in den letzten Tagen immer mal wieder hören durfte..

    Körper-Wärme entsteht aber nicht durch eine "dickes Fett-Polster", sondern ausschließlich durch Muskel-Arbeit..

    ""Und da gibt es an sich nur einen: der perfekte Körper ist der, in dem man sich wohlfühlt""..

    Besser kann man das kaum formulieren..
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#9 Taurus82Profil
  • 04.03.2018, 10:18hWerder (Havel)
  • Bei dem kranken Schönheits- und Perfektionswahn wundert mich das überhaupt nicht! Sobald sich eine Werbung an homosexuelle Männer richtet, egal ob es um einen Urlaub geht oder Mode oder sonst irgendwas, werden ausschließlich ULTRAmuskulöse, extrem gut gebaute Männer in knapper Bekleidung präsentiert. Das setzt den Leuten einfach ein Bild in den Kopf wie man als Schwuler auszusehen hat und die wenigsten tun das. Mich kotzt das mittlerweile extrem an! Models aus Werbung die sich an heterosexuelle Männer richtet sehen auch gut aus, aber eben bei weiten nicht so krank aufgepumpt und übertrieben muskulös. Ich wünsche mir weniger Muskeln, weniger Sixpacks und weniger nackte Haut in Werbung die sich an Schwule richtet. Ich hätte NIE gedacht so etwas einmal zu sagen.
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#10 TheDadProfil
  • 04.03.2018, 13:22hHannover
  • Antwort auf #9 von Taurus82
  • ""Ich wünsche mir weniger Muskeln, weniger Sixpacks und weniger nackte Haut in Werbung die sich an Schwule richtet. Ich hätte NIE gedacht so etwas einmal zu sagen.""..

    So viel nackte Haut wird exklusiv für Schwule gar nicht lanciert..

    Vor dem Hintergrund der "MeToo"-Debatte ist es dringend notwendig die Werbe-Branche in diese Debatte einzubeziehen, und die "Werte" zu überprüfen die mit den Werbe-Botschaften transportiert werden, die z.B. auch Eindrücke vermitteln die der Heteronormativität Rechnung tragen..

    Insofern ist hier kein Ende der Öffentlichen Sichtbarkeit von Nacktheit einzufordern, und schon gar nicht nur die Nacktheit von Männern, oder solche die sich an Schwule Männer richten würde, sondern einzufordern zu erkennen das es nicht notwendig ist mit Nacktheit für PC's oder Auto's zu werben, während Badehosen dann unter halb geöffneten Bademänteln zu verschwinden scheinen..
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