Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?30764

Staatshomophobie

Tunesien verbietet "Call Me By Your Name"

Im laut Bundesregierung "sicheren Herkunftsland" Tunesien ist ein oscarnominierter Film verboten worden, weil dieser von der Liebe zweier Männer handelt.


"Call Me By Your Name" darf nicht in Tunesien gezeigt werden (Bild: Sony Pictures Classics)

Das tunesische Kulturministerium hat vergangene Woche die italienisch-amerikanisch-brasilianisch-französische Koproduktion "Call Me By Your Name" verboten. Eine geplante Aufführung in Tunis sei laut AFP abgesagt worden. Weitere Angaben zur Ursache des Verbots machte die Regierung nicht.

Der Filmverleiher Lassaad Goubantini erklärte, das Verbot sei motiviert von der "Thematik des Filmes". Dieses Verbot sei allerdings ein "Angriff auf die Freiheiten". Er erklärte weiter, dass diese Entscheidung der Regierung gegen die Landesverfassung verstoßen würde.

Tunesien steht derzeit auch im Zentrum der politischen Debatte in Deutschland, weil die schwarz-rote Bundesregierung dem Land trotz der staatlichen Verfolgung von Homosexuellen das Prädikat "sicherer Herkunftsstaat" verleihen will. In Tunesien stehen auf Homosexualität Haftstrafen von bis zu drei Jahren. Grüne und Linke lehnen die Anerkennung als "sicher" ab, weil Tunesien neben Rechte von sexuellen Minderheiten auch Frauenrechte und das Recht auf freie Meinungsäußerung einschränkt. Außerdem gab es wiederholt Berichte über staatliche Folterungen.

"Call Me By Your Name" handelt von der Liebesbeziehung eines 17-Jährigen (gespielt von Timothée Chalamet) mit einem 24-Jährigen (Armie Hammer) im Italien der Achtzigerjahre. Der Film ist erst vergangene Woche in Deutschland angelaufen (queer.de berichtete). Von der FSK erhielt die Produktion eine Altersfreigabe ab 12 Jahren. "Call Me By Your Name" hatte auch Kritiker begeistert und wurde für vier Oscars nominiert. Bei einer Gala am Sonntag konnte der Film einen Academy Award gewinnen – für das beste adaptierte Drehbuch (queer.de berichtete).

Direktlink | "Call Me By Your Name" ist seit vergangenem Donnerstag auch in deutschen Kinos zu sehen

"Wonder Woman" wurde ebenfalls verboten

Tunesien hatte bereits im vergangenen Jahr mit dem Verbot von "Wonder Woman" für Aufregung gesorgt. Aktivisten nahmen an, dass die feministische Botschaft des Films in der Regierungszentrale nicht gut angekommen sei. Offiziell wurde das Verbot aber mit Antisemitismus begründet: Grund sei, dass mit Gal Gadot eine jüdische Israelin die Hauptrolle übernommen habe – eine tunesische Partei erklärte, dass man im Land gegen jegliche "Normalisierung des zionistischen Staates" vorgehen werde.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Filmverbote in homophoben Staaten: Letztes Jahr sagte etwa Malaysia den Start des Musicalfilms "Die Schöne und das Biest" ab, weil in dem Film auch die Homosexualität einer Figur angedeutet wird (queer.de berichtete). Das Verbot wurde später aufgehoben (queer.de berichtete). Die Türkei untersagte erst vor zwei Monaten ein LGBTI-Filmfestival und andere queere Events (queer.de berichtete). (dk)



#1 TimonAnonym
#2 TimonAnonym
  • 05.03.2018, 12:54h
  • Und dieses Land, wo man nicht mal so einen hervorragenden Film zeigen darf (den muss ja nicht jeder sehen, es geht nur um die Menschen, die ihn sehen wollen) und wo GLBTI verfolgt, schikaniert und verhaftet werden oder wo sie gar um Gesundheit und Leben fürchten müssen, ist für Union und SPD also ein für GLBTI "sicherer Herkunftsstaat"...
  • Antworten » | Direktlink »
#3 schwarzerkater
  • 05.03.2018, 14:06h
  • tunesien wird nicht das einzige land bleiben, in dem der film verboten wird ... schätze mal, dass er auch nicht in den palestinensergebieten (wohin jedes jahr milliarden gelder der EU versickern) laufen wird, oder in saudi-arabien.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ralph
  • 06.03.2018, 05:58h
  • Filmzensur gab es auch in Deutschland schon. Als in den Siebzigern der erste schwule Spielfilm "Die Konsequenz" in der ARD gezeigt wurde, schaltete der Bayerische Rundfunk sich aus und sendete was anderes. Beim damals ausschließlich terrestrischen Fernsehen funktionierte das auch noch, denn die Zuschauer konnten ja nicht auf Satellitenempfang ausweichen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 TheDadProfil
  • 06.03.2018, 12:13hHannover
  • Antwort auf #3 von schwarzerkater
  • ""tunesien wird nicht das einzige land bleiben, in dem der film verboten wird ...""..

    Und weil das so ist, und weil sich ja auch andere Länder so Scheiße verhalten ist Tunesien dann ein "sicheres Herkunftsland" ?

    Kuck an..
  • Antworten » | Direktlink »