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Sachbuch

"Die Marginalisierung von Lesben hat Methode"

Stephanie Kuhnens Sammelband "Lesben raus! Für mehr lesbische Sichtbarkeit" ist auch für schwule Männer eine gewinnbringende Lektüre.


Wimpel beim Lesbenfrühlingstreffen im vergangenen Jahr in Kiel (Bild: LFT)

Um es gleich vorweg zu sagen: Stephanie Kuhnen hat ein notwendiges, ein wichtiges Buch herausgegeben. Ihr Sammelband "Lesben raus! Für mehr lesbische Sichtbarkeit" hat Ende letzten Jahres eine überfällige Debatte ausgelöst und rüttelt, etwa bei vielen Lesungen, noch immer auf.

Fast 30 Autor_innen, zumeist – aber eben nicht nur – Lesben, berichten in prägnanten Beiträgen über eine Community, in der Lesben zwar mit einem "L" im Akronym LSBTTI vorkommen, innerhalb dieser Community aber kaum sichtbar sind. Geschweige denn in der Gesellschaft.

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Für viele Medien ist der CSD eine "Schwulenparade"


Herausgeberin Stephanie Kuhnen war von 2012 bis 2014 Chefredakteurin von "L-Mag" (Bild: Promo)

Stehpanie Kuhnen beschreibt in einem eigenen Buchbeitrag die Unsichtbarmachung von homosexuellen Frauen. Obwohl die Anzahl von Lesben und Schwulen in Deutschland statistisch gesehen etwa gleich groß ist, wird die Community meist als schwul geprägt wahrgenommen. So heißen die CSD-Demonstrationen in vielen Massenmedien verkürzt "Schwulenparaden".

Innerhalb der Community sieht es nicht besser aus. Viele Vereine werden von schwulen Aktivisten dominiert. Obendrein: "Die Marginalisierung von Lesben hat Methode", schreibt Kuhnen – und nennt Beispiele. Im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück gibt es bis heute keine Erinnerungstafel, die an die inhaftierten Lesben erinnert. Den Kampf für diese Erinnerung müssen Lesben nahezu alleine führen, und insbesondere schwule Männer stellen sich diesem Anliegen entgegen. 2011 entstand die Idee, den Münchner CSD einmalig in Christina Street Day umzubenennen. Schwule Männer liefen Sturm, auch hier auf queer.de. Die Entscheidung wurde revidiert.

Einige Beiträge in "Lesben raus!" widmen sich der fehlenden lesbischen Sichtbarkeit in bestimmten Bereichen der Gesellschaft – wie der Pflege, der Geschichtsschreibung oder der medialen Präsentation von Regenbogenfamilien. Obwohl die Mehrzahl queerer Lebensgemeinschaften mit Kindern aus lesbischen Paaren besteht, "vergeht allerdings kaum eine Woche, in der nicht irgendwo (in den Medien) eine süße Regenbogenfamilie mit zwei smarten Vätern und einem Kleinkind präsentiert wird", moniert Stephanie Gerlach.

Monika Barz und Angelika Jäger berichten über ihre Erfahrungen mit LSBTTIQ-Bündnispolitik in Baden-Württemberg. Auch wenn die Strukturen noch immer von schwulen Männern dominiert werden, so plädieren sie für mehr Einmischung. Sie heben die Chancen für mehr lesbische Sichtbarkeit hervor, die durch die Bündnisarbeit entstehen können.

Ein Plädoyer für lesbische Vielfalt


Der Sammelband "Lesben raus!" ist im vergangenenHerbst im Berliner Querverlag erschienen

Manuela Kay wünscht sich mehr aufmüpfige Lesben. Sie sieht in der lesbischen Community einen Hang zu Prüderie und eine gewisse Sexfeindlichkeit. Sie plädiert für mehr Akzeptanz von unterschiedlichen Lebensentwürfen und kritisiert, dass sexuell freizügigere Lesben als "Szenelesben" diffamiert werden. Etwas überspitzt schreibt sie: "Derweil entsprechen viele Lesben mehr und mehr dem Ideal der harmlosen und braven treuen Hausfrau."

Max Helmich berichtet von den alltäglichen Problemen, die ihm als Menschen widerfahren, der sich als Transmann und Lesbe versteht. Er hat sich die Brüste abnehmen lassen, nimmt Hormone, hat seinen Vornamen und Personenstand geändert, möchte aber keinen Penis, denn: "Ich mag mein 'Untenrum'." Die Transition bedeutet für Max zugleich auch ein Verlust. Nach 25-jährigem Engagement für Frauen und Lesben sind ihm die alten Freiräume nun zumeist verwehrt.

Pia Thillmann berichtet über Butch-Lesben. Als "Mannweiber" und "Kampflesbe" tituliert, kämpften sie stets auf dem Präsentierteller. Das verleihe zwar Durchsetzungskraft, sei aber auch ermüdend, so Thillmann.

Eine Debatte auch für schwule Männer

Die zahlreichen, relativ kurzen Beiträge sind recht gedrängt, so dass man sich manchmal eine längere Ausführung gewünscht hätte. Stil und Form der Beiträge variieren. Doch in der Gesamtheit erkennt man eine vielfältige Kritik, die sich auch an die eigene lesbische Community richtet. Sichtbarkeit nach außen, aber auch ein Plädoyer für lesbische Vielfalt. Auffällig ist ebenso, dass einige Autor_innen soziale Probleme benennen. Die Zunahmen sozialer Ungleichheit ist eben nicht der ideale Rahmen für mehr Partizipation von Minderheiten. Mit einem Augenzwinkern bezeichnet Eva von Raedecke Karl Marx als "alte Lesbe".

Stephanie Kuhnens Vorbemerkung – "Für schwule Aktivisten sollte das Thema lesbische Sichtbarkeit und Teilhabe daher kein Lippenbekenntnis sein, sondern eine Ehrensache im Eigeninteresse" – trifft den Nagel auf den Kopf. Natürlich verlieren einige schwule Männer Macht, wenn Macht geteilt wird, doch wir alle gewinnen Vielfalt und Zusammenhalt. Diese Inspiration ist umso notwendiger, als wir uns seit Jahrzehnten wieder erstmals mit relevanten rechtsextremen und rechtspopulistischen Gegner_innen konfrontiert sehen, die das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen.

Die lesbische Wut ist nur allzu berechtigt. "Lesben raus!" ist ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit.

Infos zum Buch

Stephanie Kuhnen (Hrsg.): Lesben raus! Für mehr lesbische Sichtbarkeit. Sachbuch. 296 Seiten. Querverlag. Berlin 2017. 16,90 Euro. ISBN 978-3-89656-257-9


#1 Tanja SchwanzanaAnonym
  • 11.03.2018, 08:53h
  • Das Thema ist längst überfällig. Allerdings finde ich, man sollte die Sichtbarkeit lesbischer und bisexueller Frauen nicht nur auf die für Lesben negativen Seiten legen, sondern auch über den Rassismus und Sexismus innerhalb der lesbischen Gemeinschaft berichten.
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 11.03.2018, 09:28h
  • Antwort auf #1 von Tanja Schwanzana
  • Rassismus ist ein dehnbarer Begriff, der vielfältig anwendbar, auch um reaktionäre Frauenfeindlichkeit zu verteidigen.

    Jenseits pathologischer Fälle wie Alice Weidel gibt es aber seit langem auch eine an sich ehrenwerte Taktik des lesbischen Sich-Unsichtbarmachens.

    Nicht nur an Alice Schwarzer kann man sehen, wie die lesbische Identität fast völlig hinter dem Feminsismus verschwindet.

    Das kann frau so machen. Dann sollte frau sich als Lesbe dann aber nicht über Unsichtbarkeit beschweren.
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#3 TamakAnonym
  • 11.03.2018, 09:57h
  • "der sich als Transmann und Lesbe versteht"

    Das ist in sich total widersprüchlich. Entweder man ist Frau und lesbisch oder eben Transmann und hetero. Die Aussage "Ich bin ein lesbischer Mann" ist nichts weiter als ein ideologisch aufgeladenes Statement, das den Geschlechtsbegriff vollständig in die Beliebigkeit verschieben soll. Es handelt sich nicht um eine Beschreibung der eigenen Identität, sondern um eine politische Kampfansage.
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#4 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 11.03.2018, 10:00h
  • Dass Schwule dadurch Macht verlieren, ist Quatsch. Alle Menschen haben gleich viel Macht. Nur sind wir als LSBTTIQ leider in einer geringeren Zahl, so dass die Sichtbarkeit grundsätzlich zu wünschen übrig lässt. Das betrifft Schwule, Lesben, Bisexuelle, Trans, Inter, queer, etc.

    Der Artikel und das Buch ist dennoch richtig und wichtig. Denn in meiner Gegend gibt es Cafés für Schwule. Ein Café für Lesben, Bi-Frauen, und Trans gibt es in meiner Gegend leider nicht.
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#5 phantom@wssAnonym
  • 11.03.2018, 10:11h
  • Lesben sind das eine, viel wichtiger finde ich die Sichtbarkeit von transidenten Menschen. Viele Angebote richten sich nur an Schwule und Lesben, Transsexuelle werden teilweise als Objekt der Begierde angesehen, besonders vor etwagigen geschlechtsanpassenden Maßnahmen. Mir ist bewusst, dass sich d8e Bedürfnisse von Trans* Personen und Lesben und Schwulen unterscheiden. Sichtbarkeit und Toleranz auf beiden Seiten sollte jedoch gegeben sein.
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#6 TuniAnonym
  • 11.03.2018, 10:11h
  • Der Grund, warum die LGBT Bewegung historisch betrachtet eher Männer dominiert war, ist, weil homosexuelle Männer bis in die späten 60er verfolgt wurden und lesben eben nicht. Es ist also nur natürlich, dass es mehr Schwule waren, die damals auf die Straße gingen. Übrigens gibt es auch über eine lesbenverfolgung im 3. Reich keine gesicherten Beweise. Klar sind im KZ auch lesben umgekommen, aber eben weil sie Jüdin oder kommunistin waren.

    de.m.wikipedia.org/wiki/Homosexualität_in_der_Zeit_des_Natio
    nalsozialismus


    Ein Denkmal für lesbische NS Opfer wäre absurd. Man könnte genauso gut ein Denkmal für im KZ verstorbene Dachdecker fordern.
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#7 SvenAnonym
  • 11.03.2018, 10:14h
  • Zurecht gab es Widerstand gegen die Umbenennung des CSD. Das war der Versuch einer dreisten Geschichtsverfälschung.
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#8 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
#9 MaraAnonym
#10 SaharaAnonym
  • 11.03.2018, 12:42h
  • Antwort auf #6 von Tuni
  • Wusstest du von der Einordnung der Lesben als "Asoziale"? Der schwarze Winkel?
    Unter dieser Schublade wurden Lesben nämlich im 3. Reich ermordet. Nur für den Fall, dass du es im Geschichtsunterricht überhört hast.
    Es tut mir leid, dass Schwule nach dem 3. Reich immer noch kriminalisiert wurden.
    Das steht aber nicht im Zusammenhang mit dem was während der 3. Reichs tatsächlich passiert ist.
    Die Mühlen der Geschichte malen langsam. Man schaue in Richtung des vor einigen Jahren eingerichteten Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma, das war auch überfällig,
    Ich will, dass den ermodeten Lesben genauso ein Denkmal zugestanden wird, wie allen anderen auch.
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