Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?30828

Zu Ehren lesbischer Aktivistin

Grüne wollen eine Audre-Lorde-Straße in Berlin-Kreuzberg

Sie hat Debatten um Critical Whiteness und Intersektionalität in Deutschland geprägt. Nun befasst sich die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg mit dem Antrag zu Audre Lorde.


Audre Lorde (links) befasste sich intensiv mit Intersektionalität und Critical Whiteness (Bild: K. Kendall / wikipedia)

  • Von Markus Kowalski
    15. März 2018, 10:02h 22 3 Min.

Der Aktivistin, Wissenschaftlerin und Dichterin Audre Lorde soll eine Straße im Berliner Stadtteil Kreuzberg gewidmet werden. So beantragt es die Grünen-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg. Der Antrag soll in der kommenden Woche, am 21. März, dem Tag gegen Rassismus, in die Versammlung eingebracht werden.

Damit wollen die Grünen einer bedeutenden Persönlichkeit der Queer-Community mehr Sichtbarkeit schaffen: Die Benennung einer Straße nach Audre Lorde, einer lesbischen, schwarzen Frau wäre ein Schritt "hin zu mehr Repräsentanz von LSBTTIQ*, Schwarzer Menschen und People of Color im öffentlichen Raum", heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Grünen sind in dem Kommunalparlament die stärkste Fraktion. Bereits 2015 hatten alle Parteien mit Ausnahme der CDU beschlossen, eine Straße oder einen Platz nach einer "weiblichen LSBTI-Person" zu benennen (queer.de berichtete). Mit der Grünen-Politikerin Monika Herrmann hat der Bezirk eine lesbische Bürgermeisterin.

Lorde lehrte als Gastprofessorin in Berlin

Audre Lorde bezeichnete sich selbst als "Schwarze, Lesbe, Mutter, Kriegerin und Poetin". Die US-Amerikanerin verbrachte acht Jahre ihres Lebens, von 1984 bis 1992, in West-Berlin. Sie fühlte sich vom dortigen Aktivismus getragen. "Die Frauenrechtsbewegung in Berlin ist stark, sie hat so viel Leben und Vitalität", sagte sie über ihre Zeit in Deutschland. "Es macht mein Herz froh, zu sehen, was alles möglich ist." Gleichzeitig kämpfte sie gegen die dunkle Seite des Landes: Rassismus. Sie wirkte maßgeblich am Aufbau einer afro-deutschen Bewegung mit. Der Begriff "afro-deutsch" wurde von ihr geprägt, in Anlehnung an "afro-amerikanisch".

Zeitweise hatte Lorde eine Gastprofessur am John-F-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin inne. "Rassismus in Deutschland muss ein Thema für weiße Feministinnen werden, weil es Teil eures Lebens ist und euer Leben in allen Aspekten betrifft", sagte sie in dem Dokumentarfilm "The Berlin Years 1984 to 1992". Sie appellierte an die weißen Frauen: "Nur weil ihr keine People of Color seid, seid ihr nicht vor den Folgen von Rassismus sicher."

Direktlink | Der Dokumentarfilm "Audre Laude – The Berlin Years 1984 to 1992" befasst sich mit ihrem Lebenswerk.
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Als schwarze, lesbische Feministin unsichtbar

Sie hinterließ einen nachhaltigen Eindruck auf die akademische Diskussion um "Critical Whiteness", dem kritischen Weißsein. So forderte sie in einem Vortrag alle weißen Zuhörer auf, den Raum zu verlassen. Alle People of Color im Publikum sollten den Raum nach dem Vortrag nicht verlassen, bevor sie mit einer anderen schwarzen Person gesprochen hatten. Auch wenn "Critical Whiteness" heute weiter stark umstritten ist, ist es ein Verdienst von Lorde, mit diesem radikalen Ansatz schwarze Frauen in ihrer Identität zu bestärken und zu ermutigen. Damit hat sie Diskussionen angestoßen, die bis heute in der LGBTI-Community weitergeführt werden.

In ihren theoretischen Schriften setzte sie sich mit der "Theorie der Differenz" und den sich überlappenden Identitäten auseinander, die Menschen haben. Sie selbst erfuhr immer wieder, in der Gesellschaft unsichtbar zu sein: "Ich meine, dass ich doppelt unsichtbar bin als eine schwarze, feministische Frau, und dreifach unsichtbar als eine schwarze, lesbische Feministin", sagte sie in dem Dokumentarfilm "A Litany for Survival: The Life and Work of Audre Lorde" (Eine Litanei des Überlebens: Das Leben und Werk der Audre Lorde).

Direktlink | Trailer zum Dokumentarfilm "A Litany for Survival: The Life and Work of Audre Lorde"
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Mit der Umbenennung einer Straße in Kreuzberg, die noch ausgesucht werden muss, wollen die Grünen Audre Lorde wieder stärker ins Gespräch bringen. "Uns ist es wichtig, dass eine Straße nach einer schwarzen und lesbischen Frau umbenannt wird", sagte Annika Gerold, Fraktionssprecherin der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung, gegenüber queer.de. "Ich gehe davon aus, dass der Antrag nächste Woche in die Ausschüsse überwiesen und dort diskutiert wird."

Wenn der Auftrag angenommen wird, soll das Bezirksamt mit der konkreten Umbenennung der Straße beauftragt werden. Das Amt soll dann einen Beteiligungsprozess in Gang zu setzen, bei dem Anwohnende und Gewerbetreibende mit einbezogen werden. Der Grünen-Antrag wird von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) unterstützt.

-w-

#1 niccinicciAnonym
  • 15.03.2018, 12:41h
  • mit viel mehr kann sich die looser-partei auch nicht rühmen. sollte ihre energien mal mehr für das sicherheitsgefühl ihrer bürger machen, zum beispiel videoüberwachung an gefährdeten orten, dann klappt es auch besser bei kommenden wahlen!
  • Direktlink »
#2 RoBInAnonym
  • 15.03.2018, 21:06h
  • Antwort auf #1 von niccinicci
  • Ich bemitleide alle "Weißen", die so wenig Selbstwertgefühl haben und diesen "Critical Whiteness"-Unsinn mitmachen. Es gibt weder eine Kollektivschuld, noch eine Erbschuld. Es ist mir völlig egal, was "weiße" Menschen vor 500 Jahren oder auch heute noch angerichtet haben. Ich war daran nicht beteiligt. Punkt.
  • Direktlink »
#3 TheDad