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Nach schwerer Krankheit

Offen HIV-Positiver kandidiert für die Grünen in Hessen

Erst vor knapp einem Jahr bekam Felix Martin die Aids-Diagnose. Jetzt will er die Welt ein Stück verändern und kandidiert für die Landtagswahl im Oktober.


Felix Martin ist 22 Jahre alt und kandidiert für den hessischen Landtag. (Bild: promo)

Die Zeit im Krankenhaus hat im Leben von Felix Martin viel verändert. Vor knapp einem Jahr musste er wegen einer schweren Lungenentzündung behandelt werden, verlor zehn Kilo Gewicht. "Da war zuerst nicht klar, ob ich das Krankenhaus lebend verlassen werde." Dann kam die Diagnose: Er war nicht nur HIV-positiv, sondern die Krankheit war in seinem Körper bereits ausgebrochen und hatte die Lungenentzündung verursacht.

Doch jetzt ist Martin wieder fit und möchte positiv darüber sprechen, HIV-positiv zu sein. Noch mehr: Er will dieses Anliegen mit in die hessische Landespolitik nehmen. Am Freitag wurde er von der Mitgliederversammlung der Grünen im Werra-Meißner-Kreis bei Kassel zum Direktkandidaten für den Wahlkreis 9 aufgestellt.

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Schlüsselerlebnis bei einem Treffen mit anderen Positiven

In den kommenden Wochen will er sich bei der Partei für die Landesliste auf Platz 16 bewerben. Bis zur Landtagswahl am 28. Oktober sind es noch einige Monate hin. Wenn sich die Grünen aber bei den 14 Prozent halten, die sie in der letzten Umfrage bekommen haben, würde Martin mit diesem Platz in den Landtag einziehen. Er wäre dann der zweite offen HIV-Positive Abgeordnete in Deutschland. Als erster war 2013 Carsten Schatz für "Die Linke" in das Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen (queer.de berichtete).

Felix Martin will, das man auch als Positiver in der Politik "was werden" kann. Denn heute sind auch "ganz normale Leute" HIV-positiv, wie Martin nach seiner Diagnose herausgefunden hat. Ein Schlüsselerlebnis sei ein Positiven-Treffen in der Akademie Waldschlösschen bei Göttingen gewesen: "Da habe ich gesehen, dass es den anderen Positiven auch gut geht." Seitdem stehe für ihn fest: "Ich will die politische Botschaft kommunizieren, dass man mit der Krankheit ganz normal leben kann." Menschen sollen keine Angst mehr haben, sich vor Familie oder Kollegen zu outen.

Outing als HIV-positiv immer noch schwierig

Dabei hat er selbst erlebt, wie schwierig es immer noch ist, über die eigene Diagnose zu reden. In langen Gesprächen musste er Berührungsängste bei Bekannten abbauen. "Wieso versaust du dir dein Leben mit dem", habe der Vater seines Freundes über ihn gesagt. Für den 22-Jährigen ist das ein Ansporn, die Welt in diesem Punkt ein wenig zu verändern. Zuletzt sprach er in Darmstadt auf der "Kleinsten Aids-Gala der Welt" über sein Leben mit der Krankheit und die Zeit im Krankenhaus: "Ich musste mich immer wieder übergeben. Ich schämte mich vor den Krankenschwestern. Ich war so unfassbar hilflos." Seine ehrliche Rede berührte damals viele im Publikum.


Auf der "Kleinsten Aids-Gala der Welt" in Darmstadt sprach Felix Martin von seinem Leben mit der Krankheit. Bild: HESSEN IST GEIL! / twitter

"Geht's dir wieder gut?", fragten ihn manche Parteifreunde, als er aus dem Krankenhaus zurück in die Politik kam. "Sie meinen damit: 'Wir unterstützen dich'", sagt Martin. In der Partei habe er für seine Agenda Rückhalt. Obwohl seine politischen Schwerpunkte die Bildungs- und Finanzpolitik sind, ist Felix Martin auch die queerpolitische Arbeit wichtig.

Er will durchsetzen, dass die Verbände und Vereine der LGBTI-Community in Hessen mehr Geld bekommen. Ebenso sei der "Lehrplan Sexualerziehung" für allgemeine und berufliche Schulen wichtig. Dieser müsse so umgesetzt werden, dass spätere Landesregierungen die Fortschritte nicht wieder rückgängig machen können.



#1 Tom das PferdAnonym
  • 17.03.2018, 16:38h
  • 'Waste of time'. Mach ne Weltreise oder was anderes. Aber für die Politik würde ich bestimmt meine Lebenszeit nicht investieren. Und für die Grünen sowieso nicht...
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#2 BEARAnonym
  • 17.03.2018, 17:05h
  • Antwort auf #1 von Tom das Pferd
  • Tja. Die einen leben halt Egoismus pur - die anderen wollen gesellschaftlich etwas erreichen.

    Auch wenn ich die Grünen schon länger nicht mehr wähle - der junge Mann hat meinen Respekt und meine volle Unterstützung. Danke und weiter so!
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#3 Rosa SoliAnonym
  • 17.03.2018, 17:18h
  • "Denn heute sind auch ganz normale Leute positiv"

    Gibt es auch unnormale oder nicht normale Positive? Oder hat es die früher gegeben, heute aber nicht mehr?

    Es versteht sich von selbst, dass ein grüner Jungpolitiker sich natürlich zu den normalen Positiven zählt. Vermutlich ist er auch ein normaler Schwuler.

    *augenroll*
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#4 KMBonnProfil
  • 17.03.2018, 18:02hBonn
  • Der Junge macht etwas aus seiner Situation und geht mit Leidenschaft an das Thema ran.

    Man muß nicht positiv oder bei den Grünen sein, um ihm Erfolg und alles Gute zu wünschen.

    Er hat ein Ziel vor Augen, will etwas erreichen und etwas verändern. Er wird Kraft und Unterstützung brauchen und ich finde, dass er sie auch verdient hat.
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#5 andreAnonym
  • 17.03.2018, 19:15h
  • Antwort auf #3 von Rosa Soli
  • Ich bin ein unnormaler Positiver. So ein Mitteilungsbedürfnis wie der grüne Jungpolitiker habe ich nämlich nicht. Ich gehe auch nicht zu Treffen mit anderen Positiven, nach dem Motto "ach Du auch...." Es wissen 3 Leute, die mir besonders nahe stehen, mehr nicht. Aber letztendlich ist das die Entscheidung eines jedem selbst. Es gehört wohl zum Job eines Politikers, sich mitteilen zu müssen. Da macht er keine Ausnahme. Bei den Grünen ist es eher belehren. Andere sehen es anders. C'est la vie-So ist das Leben. Ganz ganz ganz bunt. grins
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#6 Rosa SoliAnonym
  • 17.03.2018, 19:42h
  • Antwort auf #5 von andre
  • Darum ging es mir nicht. Wenn jemand offen machen will, dass er/sie positiv ist, dann muss das möglich sein, ohne dadurch Nachteile zu erfahren.

    Mit ging es um die Sprache, die einmal mehr deutlich macht, dass es neben den "normalen" Positiven, damit sind wohl die "guten Infizierten" gemeint, auch die nicht normalen geben soll. Und von denen hat man sich abzugrenzen, in dem man auf die eigene Normalität verweist.

    Das halte ich für ein Kackspiel und es zeugt von wenig Selbstwert. Am Ende haben sich auch die "normalen Leute" (sofern sie nicht gerade intravenös Drogen konsumieren) ganz schlicht durchs Ficken angesteckt, verweisen zugleich aber auf andere, die angeblich nicht normal sein sollen.

    Ich frage mich immer noch, was es heißen soll, dass sich auch "normale Leute" mit HIV infizieren. Sind andere Infizierte irgendwie unnormal?
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#7 Anti-PolitikerAnonym
  • 17.03.2018, 19:51h
  • Antwort auf #2 von BEAR
  • "Tja. Die einen leben halt Egoismus pur - die anderen wollen gesellschaftlich etwas erreichen."

    Da hast Du aber wohl eine romantisch-verklaerte Sicht auf "die Politik"; da wird keiner etwas, der querschlaegt, bzw. "etwas erreichen" oder "aendern" will. Entweder werden solche Leute gar nicht erst in hoehere Aemter/Positionen gewaehlt, bei Diskussionen ignoriert bzw. als "Verraeter" oder "Abweichler" tituliert (wer hat's gemacht? Der Franz (Muentefering). Der. der auch gesagt hat, dass es unfair waere, die Parteien an ihren Wahlversprechen zu messen), oder eiskalt abserviert/kaltgestellt. Wie es die Birne, ach Verzeihung, Herr DR. Kohl, mit Geissler getan hat.
    Da waeren mir auch meine Nerven zu duenn fuer, um in solchen "ehrenwerten Kreisen" "etwas erreichen/aendern" zu wollen.
    Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern ganz einfach mit gesundem Selbsterhaltungstrieb, bzw. fehlenden (politischen notwendigen) Charaktereigenschaften, die keineswegs alle positiv sind!
    N.b.: es wurde vor wenigen Tagen wieder eine Studie veroeffentlich, in Bezug auf die Wesensmerkmale von Maennern und Frauen in "normalen" und "leitenden" Positionen; Ergebnis war, dass Frauen in leitenden Positionen sich wesentlich weniger von gleichgestellten Maennern unterscheiden, als in "normalen" Pos.. Ist ja auch irgendwie einleuchtend; wer Fuehrungspositionen will, nuss sich eben durchbeissen/-boxen koennen; da zaehlt Empathie oder Mitgefuehl NICHTS. Soviel nochmal dazu, von wegen Frauen in Machtpositionen waeren "humaner", ruecksichtsvoller, oder "netter"
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#8 BEARAnonym
  • 17.03.2018, 20:33h
  • Antwort auf #5 von andre
  • Mir ist ein offen und authentisch auftretender Politiker wie er, der sich auch explizit für die Community einsetzt, tausendmal lieber als einer wie Kevin Kühnert, der die Haltung "Ich bin zwar schwul, möchte aber keine Klientelpolitik machen" vertritt - oder gar einer wie Jens Spahn, der "zwar schwul" ist, aber ganz offen GEGEN die Community agiert.

    An seinen Formulierungen kann er freilich noch etwas arbeiten, denn Patzer wie in #3 kritisiert müssen wirklich nicht sein. Das ist unnötige Anbiederung. Aber du meine Güte - er ist 22. Da fällt er bei mir noch unter Welpenschutz. Ich wünschte, ich hätte im gleichen Alter auch nur annähernde Möglichkeiten gehabt, politisch und/oder aktivistisch tätig zu sein. Aber dafür braucht man Allies. Die hatte ich nicht. Und so bin ich einen anderen, weit beschwerlicheren Weg gegangen.

    Er hat Verbündete - Menschen, die ihn unterstützen. Sicher auch, WEIL er offen und authentisch ist. Dazu sei ihm herzlich gratuliert.

    "Menschen sollen keine Angst mehr haben, sich vor Familie oder Kollegen zu outen." Gut so! Ich möchte noch "in der Community" ergänzen. Denn auch da ist das immer noch ein Problem - quod erat demonstrandum.
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#9 Dont_talk_aboutProfil
  • 17.03.2018, 21:34hFrankfurt
  • Sich als HIV-positiv zu outen, erfordert sicher viel Mut. Und Mut und keine Angst vor Ausgrenzung zu haben halte ich für sehr wichtige Eigenschaft eines jungen Politikers
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#10 PeerAnonym
  • 17.03.2018, 21:47h
  • Da HIV immer noch ein Stigma ist, ist es enorm wichtig, dass Menschen wie Herr Martin offen damit umgehen. So helfen sie anderen Betroffenen, die diesen Mut (noch) nicht haben und können vielleicht auch bei Nicht-Betroffenen Ängste und Vorurteile abbauen.

    Ich danke ihm, dass er so offen damit umgeht.

    Und ich danke den Grünen, dass sie da keinerlei Angst zeigen und wieder mal ganz vorne dabei sind, die Gesellschaft zu modernisieren.
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