Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?30838

Kommentar

Deine Sprache verrät deine Homophobie!

Die innere Schieflage mancher selbsternannter LGBTI-Freunde spiegelt sich stets in ihrer schiefen Sprache wider.


Sollte vermutlich witzig sein: Aufkleber der Piratenpartei zum CSD

Homophobie hat viele Gesichter. Bemerkenswert ist, dass sie gelegentlich auch bei Menschen durchschimmert, die sich selbst als erklärte Freunde der queeren Sache verstehen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn eine Position nicht das Ergebnis eines abwägenden Denkprozesses ist, sondern sich allein dem Ehrgeiz verdankt, zur Avantgarde der Aufgeklärten zu gehören. Das Faszinierende ist, dass so etwas am Ende immer ans Licht kommt. Eine innere Schieflage spiegelt sich stets in schiefer Sprache wider.

Ein Beispiel: Die Kolumnistin Anneliese Rohrer macht sich in einem Artikel für die Wiener Tageszeitung "Die Presse" vom 8. März 2014 vehement für das Adoptionsrecht von Schwulen und Lesben stark. Ihr Plädoyer mündet in die Anklage: "Damals wie heute wurde nicht auf die Frage eingegangen, warum ein gewalttätiger/problematischer Elternteil in der klassischen Kleinfamilie das Wohl des Kindes eher sicherstellt als eine liebevolle Umgebung mit zwei gleichgeschlechtlichen Eltern."

Klingt homofreundlich, ist es aber nicht. Warum wird hier ein "gewalttätiger/problematischer Elternteil" mit gleichgeschlechtlichen Eltern verglichen? Jeder Vergleich braucht ein gemeinsames Drittes, sonst hat er keinen Sinn. Das Verbindende von Äpfeln und Birnen ist Obst. Was aber ist das Verbindende von Gewalttätern und Homosexuellen? Es gibt keine Antwort auf diese Frage, die nicht schwulen- und lesbenfeindlich wäre. Die Sprache lässt sich nicht hintergehen.

- Werbung -

Homosexuelle sind keine besseren Menschen


Unser Gastautor Dietmar Krug hat im Februar den Roman "Die Verwechslung" veröffentlichlicht. Darin wird ein erfolgreicher TV-Talkmaster wegen der homofeindlichsten Äußerung des Jahres "ausgezeichnet" (Bild: Pilo Pichler)

Ein anderes Beispiel: In einem Beitrag in der Wiener Tageszeitung "Der Standard" vom 23. März 2014 plädiert der Autor und Journalist Georg Herrnstadt mit Superlativen für ein Adoptionsrecht von Schwulen und Lesben: "Es kann der Bewegung um Geschlechter­gerechtigkeit nichts Besseres passieren, als dass Kinder innerhalb homo­sexueller Beziehungen sozialisiert werden."

Wirklich nichts Besseres? Und mehr noch: "Man weiß es – wenn man will: Kinder aus homo­sexuellen Familien sind gelungen, sozial kompetent und glücklich. Dazu gibt es Untersuchungen in genügender Zahl – darüber braucht man nicht mehr lange diskutieren." Schon die Behauptung, eine Diskussion sei überflüssig, macht stutzig. Doch das wirklich verräterische Wort ist "gelungen". Wie kann eine Studie die Gelungenheit eines Kindes feststellen? Was ist überhaupt ein gelungener Mensch? Gelingen können Wagnisse, Spiele, Artefakte, Experimente. So rächt sich auch hier wieder die Sprache am Sprecher und verrät, aus welchem unbewussten Ideenfundus der Autor schöpft, wenn er an diese Form von Adoption denkt.

Merkels meistersprachliche Verrenkung

Eine Meisterleistung an sprachlicher Verrenkung hat nicht zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel geliefert, als sie nach der Parlamentsabstimmung über die Ehe für alle am 30. Juni 2017 vor die Presse trat und sich eine Portion Zeitgeist verordnete, aber ja nicht zu viel: "Ich bin inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass die Volladoption für gleich­geschlechtliche Paare auch möglich sein sollte. Was allerdings die Frage der Ehe anlangt, so ist es meine Grundüberzeugung, dass der grundgesetzliche Schutz im Artikel 6 die Ehe von Mann und Frau beinhaltet. Deshalb habe ich dem Gesetzentwurf nicht zugestimmt."

Das kommt dabei heraus, wenn sich jemand im einen Fall eine Überzeugung bildet und im anderen eine Grundüberzeugung, die auch noch grundgesetzlich abgesichert ist: Schwule und Lesben sind zwar einem Kind als Eltern zumutbar, aber nicht einer Gesellschaft als Ehepaar.

Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthält Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.

-w-

-w-

-w-

#1 AndreAnonym
  • 18.03.2018, 07:55h
  • Klingt aufklärerisch und bescheiden, ist es aber nicht. Schon erstaunlich, dass der Autor bei den ersten beiden Beispielen bis ins Jahr 2014 zurückgehen muss um etwas zu nennen. Außerdem war es bei dem Merkelzitat ziemlich klar, was sie gemeint hat, also wenn der Autor meint die Leser hier bräuchten diesen Artikel um das zu merken, dann spricht das Bände darüber, welche Arroganz im Spiel ist. Bei den beiden ersten Zitaten wurde ganz klar gemeckert um zu meckern, weil Homophobie gesucht wurde wo vielleicht keine ist und nur die Schlußfolgerung welche auf Homophobie weißt ist zulässig, nicht z.B. das beim ersten Zitat darauf hingewiesen werden soll wie seltsam es ist, wenn homosexuelle Paare nicht adoptieren dürfen aber heterosexuelle erstmal ordentlich was anstellen müssen bis sie nicht mehr als wichtig für das Kindeswohl angesehen werden. Aber nein, es ist homophon. Ich mache mir da lieber meine eigene Meinung anstatt sie mir vorschreiben zu lassen.
  • Direktlink »
#2 RoyOLAnonym
  • 18.03.2018, 08:05h
  • Ich finde, dass an dieses Thema immer verkrampfter und verbissener herangegangen wird - ein wenig mehr Gelassenheit täte da gut.
    Hinter jedem Baum einen potentiellen Mörder zu vermuten, kann doch auch nicht im Sinne des Erfinders sein.
    P.S.: die Klammer zum ersten Beispiel: beides sind Menschen.
  • Direktlink »
#3 xxxphobieAnonym
  • 18.03.2018, 08:29h
  • Eigentlich mag ich die Häufigkeit der phobie-Worte bei queer.de nicht, aber dieses Forum zeigt damit die Missstände in unserer Gesellschaft auf. Unsere Community sieht sich jeden Tag dem Misstrauen, der Abneigung und dem Hass der "normgerechten" Mehrheit der Gesellschaft ausgesetzt. Und Sprache macht das deutlich, gerade in mehrheitstauglichen kommerziellen Medien werden Conchita Wurst oder Guido Maria Kretschmer auf ihr anderssein reduziert und eher wie glitzernde Deko missbraucht. Es werden schmeichelnde Formulierung benutzt, die erst auf den 2. Blick verletzen.
    Wie oft hab ich auch schon von völlig Fremden gehört, das mein schwuler Lebensstil völlig OK ist und das gleich im 2. Satz. Eine Anmassung, die nichts mit Polical Corectness sondern mit Selbstüberschätzung, Disrespekt und mangelnder Selbstreflektion zu tun hat.
    Deshalb fühl mich am wohlsten in mitten unserer Community, dort können mein Mann und ich uns geben wir wollen und wir könnrn uns hier auch zu nicht community relevanten Themen unterhalten ... alles so viel entspannter. Auch mit der Sprache.
  • Direktlink »