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Kommentar
Deine Sprache verrät deine Homophobie!
Die innere Schieflage mancher selbsternannter LGBTI-Freunde spiegelt sich stets in ihrer schiefen Sprache wider.

Sollte vermutlich witzig sein: Aufkleber der Piratenpartei zum CSD
- Von Dietmar Krug
18. März 2018, 06:37h 3 Min.
Homophobie hat viele Gesichter. Bemerkenswert ist, dass sie gelegentlich auch bei Menschen durchschimmert, die sich selbst als erklärte Freunde der queeren Sache verstehen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn eine Position nicht das Ergebnis eines abwägenden Denkprozesses ist, sondern sich allein dem Ehrgeiz verdankt, zur Avantgarde der Aufgeklärten zu gehören. Das Faszinierende ist, dass so etwas am Ende immer ans Licht kommt. Eine innere Schieflage spiegelt sich stets in schiefer Sprache wider.
Ein Beispiel: Die Kolumnistin Anneliese Rohrer macht sich in einem Artikel für die Wiener Tageszeitung "Die Presse" vom 8. März 2014 vehement für das Adoptionsrecht von Schwulen und Lesben stark. Ihr Plädoyer mündet in die Anklage: "Damals wie heute wurde nicht auf die Frage eingegangen, warum ein gewalttätiger/problematischer Elternteil in der klassischen Kleinfamilie das Wohl des Kindes eher sicherstellt als eine liebevolle Umgebung mit zwei gleichgeschlechtlichen Eltern."
Klingt homofreundlich, ist es aber nicht. Warum wird hier ein "gewalttätiger/problematischer Elternteil" mit gleichgeschlechtlichen Eltern verglichen? Jeder Vergleich braucht ein gemeinsames Drittes, sonst hat er keinen Sinn. Das Verbindende von Äpfeln und Birnen ist Obst. Was aber ist das Verbindende von Gewalttätern und Homosexuellen? Es gibt keine Antwort auf diese Frage, die nicht schwulen- und lesbenfeindlich wäre. Die Sprache lässt sich nicht hintergehen.
Homosexuelle sind keine besseren Menschen

Unser Gastautor Dietmar Krug hat im Februar den Roman "Die Verwechslung" veröffentlichlicht. Darin wird ein erfolgreicher TV-Talkmaster wegen der homofeindlichsten Äußerung des Jahres "ausgezeichnet" (Bild: Pilo Pichler)
Ein anderes Beispiel: In einem Beitrag in der Wiener Tageszeitung "Der Standard" vom 23. März 2014 plädiert der Autor und Journalist Georg Herrnstadt mit Superlativen für ein Adoptionsrecht von Schwulen und Lesben: "Es kann der Bewegung um Geschlechtergerechtigkeit nichts Besseres passieren, als dass Kinder innerhalb homosexueller Beziehungen sozialisiert werden."
Wirklich nichts Besseres? Und mehr noch: "Man weiß es – wenn man will: Kinder aus homosexuellen Familien sind gelungen, sozial kompetent und glücklich. Dazu gibt es Untersuchungen in genügender Zahl – darüber braucht man nicht mehr lange diskutieren." Schon die Behauptung, eine Diskussion sei überflüssig, macht stutzig. Doch das wirklich verräterische Wort ist "gelungen". Wie kann eine Studie die Gelungenheit eines Kindes feststellen? Was ist überhaupt ein gelungener Mensch? Gelingen können Wagnisse, Spiele, Artefakte, Experimente. So rächt sich auch hier wieder die Sprache am Sprecher und verrät, aus welchem unbewussten Ideenfundus der Autor schöpft, wenn er an diese Form von Adoption denkt.
Merkels meistersprachliche Verrenkung
Eine Meisterleistung an sprachlicher Verrenkung hat nicht zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel geliefert, als sie nach der Parlamentsabstimmung über die Ehe für alle am 30. Juni 2017 vor die Presse trat und sich eine Portion Zeitgeist verordnete, aber ja nicht zu viel: "Ich bin inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass die Volladoption für gleichgeschlechtliche Paare auch möglich sein sollte. Was allerdings die Frage der Ehe anlangt, so ist es meine Grundüberzeugung, dass der grundgesetzliche Schutz im Artikel 6 die Ehe von Mann und Frau beinhaltet. Deshalb habe ich dem Gesetzentwurf nicht zugestimmt."
Das kommt dabei heraus, wenn sich jemand im einen Fall eine Überzeugung bildet und im anderen eine Grundüberzeugung, die auch noch grundgesetzlich abgesichert ist: Schwule und Lesben sind zwar einem Kind als Eltern zumutbar, aber nicht einer Gesellschaft als Ehepaar.
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Mehr zum Thema:
» Buchvorstellung: Ein Negativ-Preis für Homophobie und die Folgen (23.02.2018)
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