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Kommentare zu:
Warum wir uns für die Abschaffung des §175 nicht bedanken müssen


#11 Ith_Anonym
  • 18.03.2018, 18:09h
  • Danke dafür... wollte diesen Sonntag nach dem letzten durchgearbeiteten Wochenende was Sinnvolles, und Entspannendes tun, und hab's beim Lesen dieses Buches gefunden.

    Formal würd ich vorab gerade mal kurz meckern, von wegen kein Inhaltsverzeichnis: Es gibt ja durchaus Überschriften, ergo wäre es für die Kindle-Version auch technisch nicht soo schwer, daraus ein Inhaltsverzeichnis zu machen. Machte das Navigieren in einem E-Book sehr viel leichter, besonders, wenn man mal was nachlesen möchte.

    Aber zum Inhalt:
    Ich finde mich da auch als trans*-Person an vielen Stellen wieder, zumindest wenn ich mir homophob durch transphob ersetzt vorstelle. Und auch wenn ich um Selbstreflektion bemüht bin - ich denke gerade das erste Mal kritisch darüber nach, wie sehr ich mich selbst zensiere, in mehrfacher Hinsicht. Stacheldraht im Kopf.. befremdlich, das festzustellen.

    Ich schreibe ja schon ewig meine Vampir-Stories, alles bloß für mich selbst, und irgendwie denke ich gerade das erste Mal darüber nach, ob das nicht bedenklich ist, wie schlimm ich es finde, dass meine Protagonisten schwul sind. Also die, die mir nahe sind insbesondere.
    Ich meine, irgendjemand könnte merken, wie ernst ich das meine, damit, dass ich mich als schwuler Kerl identifiziere, was ich aus offensichtlichen Gründen nicht darf: Weil ich nicht als Mann auf die Welt gekommen bin, und damit krank, wenn ich es doch tue .. und wenn schon, dann aber nicht mit Interesse an Männern.
    Und dann schäm ich mich natürlich noch ganz besonders für deren Sexualität.. wenn man schon schwule Charaktere hat, dann soll's da wenigstens um Schwänze gehen, oder? Nicht bloß um SM und Zärtlichkeit und Liebe...

    Und wie schlimm ich diese meine Innenwelt entgegen den Ansprüchen der Realität finde, und wie viel selbstverständlicher ich wohl meinen Kram schon lange mal zu einer Sammlung von Kurzgeschichten zusammengepackt und veröffentlicht hätte, wenn (das alles heteronormal wäre..) ich nicht wirklich gut wüsste, wie unnormal meine inneren Welten sind... und wenn ich mir nicht sehr sicher wäre, wie eklig andere Menschen mich und meine Gedanken wohl finden würden, wenn sie irgendetwas davon zu sehen bekämen.

    Tja, ich bin halt wohl echt ein Freak.. und ich denke gerade das erste Mal darüber nach, dass es vielleicht wirklich nicht bloß meine eigene Schuld ist, dass und wenn ich mich so sehe, und das ist irgendwie ein gutes Gefühl. Auch wenn eine Betroffenheit zurückbleibt, am Ende des Buchs, bei der es schwerfällt, sich nicht als Opfer zu fühlen.. einige Dinge hat man an dem Punkt vielleicht besser verstanden als vorher.

    Danke dafür!
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#12 OrthogonalfrontAnonym
#13 JadugharProfil
  • 18.03.2018, 19:22hHamburg
  • Zu bedanken brauchen wir für die Abschaffung des §175 wirklich nicht. Besonders dann nicht, daß ein wenige Tage vor der Abschaffung jenes unrühmlichen Paragraphen ein Verurteilter 14 Jahre lang inhaftiert war und für ihn alle Gnadengesuche abgelehnt wurden. Es dauerte ungefähr zwei Jahrzehnte, bis man die Rehabilitation unter größten Widerstand durchsetzte, so spät, daß viele Betroffenen schon verstorben waren. Die wenigen Überlebenden, denen man eine Rehabillitierung gönnte, wurden mit einen lächerlichen Almosen abgespeist, die extrem weniger ist, als eine gewöhnliche Haftentschädigung. So geht die Diskriminierung munter weiter!
    Untersuchungshäftlinge ohne Verurteilungen wurden gar nicht berücksichtigt, obwohl sie für den Rest ihres Lebens einen massiven Schaden erlitten, wie beispielsweise Wolfgang Lauinger. Noch heute hetzen viele Kirchen gegen Menschen, die nicht heterosexuell sind.
    In meinen Bekanntenkreis wurden viele nach ihren Outing massiv geschädigt! Die meisten verloren ihren Beruf oder ihre Existenz! Noch nicht einmal ihre Familien gaben ihnen Rückendeckungen und bezeichneten sie als Verbrecher, wo sie gnadenlos vor die Tür gesetzt wurden. Wenn man das alles so erlebt, fühlt man sich als Mensch zweiter Klasse! und das wirkt bis zum Rest des Lebens in der Psyche nach! Ich persönlich empfinde es heute so, daß die Gesellschaft um mich Nichtheterosexualität für nicht selbstverständlich empfindet. Bis heute verteidige ich nahezu täglich Homo- und Transsexuelle gegen die verbalen Angriffe.
    Aus diesen Gründen sind die Errungenschaften auf diesen Sektor in Bezug auf Menschenrechte und Gleichberechtigung ein sehr fragiles Gebilde, um das wir uns sorgen müssen.
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#14 rollawayAnonym
  • 18.03.2018, 19:40h
  • wir haben 92 AFD Leute im Bundestag es kann nur schlimmer werden für Minderheiten hierzulande
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#15 von_hinten_genommenAnonym
  • 18.03.2018, 21:57h
  • Antwort auf #14 von rollaway
  • Außer denen gibt es auch noch kompetente Abgeordnete von den Grünen, LINKE, und einzelne der SPD. Die Bürger müssen aufwachen und verstehen, dass nur sie(!) was verbessern können. Wahlenthaltung bringt nichts und Protestwahl ebenfalls nichts. Wer die Union wählt, lässt die AfD an die Türe klopfen. Und wer die FDP wählt, lässt Heuchelei im Bundestag zu.
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#16 Patroklos
#17 Julian SAnonym
  • 18.03.2018, 22:39h
  • Ich finde auch, dass viele LGBTI sich mit viel zu wenig zufrieden geben. Viele sind schon zufrieden, dass wir nicht staatlich verfolgt werden und heiraten dürfen.

    Dann kommt oft der Vergleich, man könne froh sein, dass man nicht in Uganda & Co lebe. Ja, sind wir, aber solche Staaten sind doch wohl kein Maßstab für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

    Und schon wenn man an Mobbing an Schulen oder teilweise Arbeitsplätzen denkt oder an Gewalttaten, dann bekommt die heile Welt schon Risse.

    Dabei gibt es noch so viel, was zu echter Gleichstellung fehlt: von Art. 3 GG und Verbot von Gehirnwäsche-"Therapien" zur Umpolung, über AGG und Abstammungsrecht bis hin zur rechtlichen Lage von Trans- und Intersexuellen.

    Wir wollen nur Gleichstellung - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    100% Gleichstellung - mit weniger können und dürfen wir uns nicht zufriedenstellen...
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#18 Julian SAnonym
#19 herve64Ehemaliges Profil
  • 18.03.2018, 23:44h
  • Antwort auf #13 von Jadughar
  • Stimmt, und zwar nicht nur, weil die Abschaffung dieses unsäglichen Paragraphen mehr als überfällig war. Es gibt hier mehr als genug Baustellen für unsereins und mehr als genug geschehenes Unrecht, das nach Wiedergutmachung regelrecht schreit.

    Die angeblichen "Rehabilitierungen" und Entschädigungen für die Opfer dieses Unrechtsparagraphen sind ein schlechter Witz, und diese verschämte Totschweigerei der Bundesregierungen seit 1994 sind ein Bombenfurz, der zum Himmel stinkt.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #13 springen »
#20 AnonymAnonym
  • 18.03.2018, 23:50h
  • Warum nicht? Weil hintenrum noch genau so weiterverfolgt wird, als gäbe es ihn noch?
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