Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://www.queer.de/detail.php?article_id=30840
Home > Kommentare

Kommentare zu:
Warum wir uns für die Abschaffung des §175 nicht bedanken müssen


#31 TheMumProfil
#32 habemus_plemplem
  • 20.03.2018, 19:56h
  • In diesem Buch sind viele wichtige Geschehnisse, Debatten, mediale Ereignisse und historische Gegebenheiten der letzten Jahre festgehalten. Schon allein als Logbuch ist das Buch sehr wertvoll. Johannes Kram liest sehr sorgfältig zwischen den Zeilen. Klug und nachvollziehbar macht er auf Subtexte aufmerksam, die andere leicht überlesen - oder gelernt haben, sie zu ignorieren.

    Oft äußert sich Kram in seinem Buch über einzelne Personen, die für die jeweiligen Debatten prägend waren. Dabei geht es ihm nicht darum, die Personen als homophobe Person zu entlarven, sondern das Homophobe in deren Aussagen herauszustellen. Das Entlarven als homophobe Person erübrigt sich, weil Kram sich selbst und grundsätzlich alle und jede_n für mehr oder weniger homophob hält, als Folge einer homophoben Erziehung und Sozialisation, die von allen geteilt wird.

    Krams Ausführungen kann ich größtenteils nachvollziehen oder ihnen zustimmen, allerdings wäre mein Text über Volker Beck durchwachsener ausgefallen. Bei allem Respekt und aller Dankbarkeit für Becks Verdienste um die rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz sexueller Minderheiten finde ich, man kann nicht einerseits für die geschlechtliche und körperliche Selbstbestimmung von trans- und intersexuellen Menschen auf die Straße gehen und gleichzeitig andererseits mit einer blinden Vehemenz wie Volker Beck auf ein Elternrecht zur Knabenbeschneidung bestehen. Das geht mit emanzipatorischen Idealen von Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit absolut nicht zusammen. Zumindest nicht in meinem Kopf. Hier betrachtet Beck es vielmehr als Geschenk für einen kleinen Jungen, so voll und ganz in der Religion seiner Eltern aufwachsen zu dürfen, wie diese es auch immer für richtig halten mögen. Ich kann dem nicht folgen. Wenn Gott nach Blut verlangt, dann verlangt er immer zuviel! Immer! Ich könnte deshalb keine solche Laudatio über Volker Beck schreiben, wenngleich ich seine Verdienste für LGBTI anerkennen und respektieren möchte. Nun gut, dieser Aspekt wäre zugegebenermaßen etwas am Thema des Buches vorbeigegangen und vielleicht kann Johannes Kram einfach die Dinge besser voneinander trennen als ich.

    Steckenweise zieht sich die Maischberger-Sendung von 2014 zur Bildungsplandebatte in Baden-Württemberg wie ein roter Faden durchs Buch. Dies begrüße ich sehr, da diese Sendung tatsächlich einen Tiefpunkt der Debatte darstellte, der auch mir noch lebhaft in Erinnerung ist. Allerdings habe ich mich beim Lesen gewundert, dass Jens Spahn nicht als Teilnehmer dieser Sendung erwähnt wurde. Gerade das von Kram kritisierte gleichberechtigte Nebeneinanderstellen von Homosexualität und Homophobie als "zwei konträre Meinungen" wurde durch Spahn in der Sendung mitgetragen und verteidigt. Unvergessen ist seine Forderung, es mögen beide Seiten einmal verbal abrüsten. Ich habe ehrlich gesagt nicht begriffen, warum Kram ihn hier nicht erwähnt hat.

    Dennoch: ein gutes Buch, ein wichtiges Buch!
  • Antworten » | Direktlink »
#33 TheDadProfil
  • 21.03.2018, 11:12hHannover
  • Antwort auf #30 von soon1984
  • ""In diesem Land gibt es - Gott sei Dank - ein Recht auf eine eigene Meinung.""..

    Mit dem Wirken irgendeines "Geist-Wesens" hat diese "Meinungs-Freiheit" in der Verfassung, die sich als Grundrecht und Individual-Recht vom Bürger ausgehend GEGEN den Staat richtet rein gar nichts zu tun..

    ""Dass eine Regierungschefin keine eigene, weil nicht genehme, Meinung haben sollen darf, das ist der eigentliche Skandal, denn es zeigt sich in dieser Aussage eine klare Tendenz, nur Meinungen zulassen zu wollen die man selbst mag oder die der eigenen Community genehm sind.""..

    Da muß man dann mal drüber überlegen..

    Denn hier stellt sich die Frage ob diese Kanzlerin in ihrer Funktion als sich stellende Kandidatin zur Kanzler-Wahl geäußert hat, oder als "private Frau Merkel"..

    Denn in der Funktion der Kanzlerin hat sie ihre "private Meinung und Haltung" und damit auch ihr Bauchgefühl den Erfordernissen die sich als Regierungs-Auftrag aus dem Grundgesetz an sie richten, schlichtweg unterzuordnen..

    Hier gibt es dann einen signifikanten Unterschied zwischen der Kanzlerin Merkel, die einer Regierung vorsteht deren Auftrag aus der Verfassung es ist
    "gleiche Lebensverhältnisse für alle Bürger zu schaffen"
    und
    "die Gleichberechtigung von Mann und Frau"
    durchzusetzen,
    und der Abgeordneten Frau Merkel die ihrem "Gewissen" verpflichtet frei abstimmen darf, wenn es konkrete Gesetzes-Vorlagen betrifft..

    Theoretisch muß sie dann nämlich sogar als Regierungs-Chefin vor das Parlament treten und die Öffnung der Ehe als Errungenschaft einer freien Gesellschaft in einer flammenden Rede verteidigen, darf dann aber als Abgeordnete bei der Abstimmung dagegen stimmen..

    Diesen schizophrenen Vorgang muß sie dann aber mit sich selbst ausmachen, und nicht in ihrer Regierungs-Arbeit oder einem TV-Studio auskämpfen..
  • Antworten » | Direktlink » | zu #30 springen »
#34 TheDadProfil
  • 21.03.2018, 11:23hHannover
  • Antwort auf #32 von habemus_plemplem
  • Zunächst stimme ich Dir hier mal ausdrücklich zu..

    Will dann aber auch noch den Punkt ansprechen, der mir in vielen Diskussion hier immer mal wieder gegen den Strich geht..

    ""man kann nicht"..

    Doch, kann man..
    Man kann dann aber nicht die anderen "Leistungen" dieser Menschen in den Dreck ziehen, oder anfangen sie irgendwie "anders" zu bewerten, sondern man muß sich dann in diesen einem Punkt mit diesen Menschen streiten..

    Vor allem indem man darauf verweist das es keinen Unterschied in der Selbstbestimmung der einzelnen Bürger, die hier noch Kinder sind, geben darf, egal ob es sich dabei um Knaben oder Intersexuelle Menschen, oder "Trans-Menschen" handelt..

    Denn daß ist meines Erachtens die einzige Richtschnur die es hier einzuhalten gilt..

    Und der Weg ist ja noch nicht zu Ende, die Möglichkeit sich auch mit Volker Beck auch in diesem Punkt weiter zu streiten ist ja noch immer gegeben..
  • Antworten » | Direktlink » | zu #32 springen »

» zurück zum Artikel