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Indonesien

Vier Personen droht Auspeitschung wegen Homosexualität

Drei Männer und eine Frau könnten in Aceh eine öffentliche Folterstrafe erhalten, weil sie gleichgeschlechtlichen Sex gehabt haben sollen.


In Indonesien werden mittelalterliche Folterstrafen öffentlich durchgeführt

  • 4. April 2018, 13:57h 8 2 Min.

In der indonesischen Provinz Aceh sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" drei Männer und eine Transfrau wegen Verdachts auf Homosexualität festgenommen worden. Den Angeklagten droht eine Folterstrafe: Sie könnten im Extremfall öffentlich mit 100 Stockhieben gezüchtigt werden.

Die Personen waren in zwei unterschiedlichen Aktionen am 12. März und am 29. März in der Provinzhauptstadt Banda Aceh festgenommen worden. Bei der ersten Razzia drang die Scharia-Polizei in einen Haarsalon ein und verhaftete einen Mann und eine transsexuelle Frau. Man habe "Beweise" für gleichgeschlechtliche Handlungen gefunden, so die Behörden. Dazu zählten Kondome und Geld, mit dem angeblich die Transfrau für den Sexakt bezahlt worden war.

Am 29. März drangen aufgebrachte Bürger in eine Privatunterkunft ein und riefen die Scharia-Polizei, die zwei Universitätsstudenten wegen gleichgeschlechtlichem Sex festnahm. Als Beweise stellten die Beamten Kondome, Handys und eine Matratze sicher.

Menschenrechtler fordern sofortige Freilassung

"Diese Razzien und willkürlichen Festnahmen zeigen, wie diskriminierend die Gesetze in Aceh sind", erklärte Graeme Reid, der Leiter des LGBT-Programms von "Human Rights Watch". "Die Behörden sollten die vier sofort freilassen und vor räuberischen selbsterklärten Ordnungshütern schützen, die es auf gefährdete Minderheiten abgesehen haben."

In der erzkonservativen Provinz Aceh im Norden Sumatras ist vor zweieinhalb Jahren ein Gesetz in Kraft getreten, das homosexuelle Handlungen unter Männern und Frauen nach dem islamischen Scharia-Recht bestraft (queer.de berichtete). Vergangenes Jahr wurden erstmals zwei Männer öffentlich mit über 80 Peitschenhieben gezüchtigt, nachdem sie ein Scharia-Gericht der Homosexualität für schuldig befunden hatte (queer.de berichtete).

In den letzten Jahren mehrten sich nicht nur in Aceh, sondern in ganz Indonesien Übergriffe auf sexuelle und geschlechtliche Minderheiten – obwohl Homosexualität im Land eigentlich legal ist. Inzwischen nehmen aber die Forderungen nach einer Kriminalisierung von sexuellen Minderheiten zu (queer.de berichtete).

Erst im Dezember wurden in der Hauptstadt Jakarta zehn Mitarbeiter einer Schwulensauna zu Haftstrafen verurteilt (queer.de berichtete).

Bundesregierung besorgt

Die deutsche Bundesregierung erklärte Ende Februar auf eine schriftliche Anfrage des Grünenabgeordneten Sven Lehmann, man verfolge die Entwicklung zu LGBTI-Rechten in Indonesien "mit Sorge". Daher habe der deutsche Botschafter in Jakarta gemeinsam mit Vertretern anderer Staaten Anfang des Jahres Gespräche mit dem indonesischen Menschenrechtsminister und dem für Strafrechtsreformen zuständigen Parlamentsausschuss geführt. Dabei habe man die Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Orientierungen kritisiert. (dk)

-w-

#1 Petrus48Anonym
  • 04.04.2018, 16:29h
  • Tja mit Indonesien, - einst ein eher als gemäßigt geltendes islamisches Land eingestuft - "geht es immer weiter den Bach runter".

    Da schaue ich lieber zum katholisch geprägten Nachbarstaat Philippinen, wo der Präsident angekündigt hat, die Ehe für alle zu ermöglichen.

    ---

    Interesssant finde ich derzeit die "leichten" Liberalisierungsschritte in Saudi-Arabien unter dem dortigen künftigen König, der zwar bei LSBTI noch Nichts gebracht hat, aber immerhin bei den Frauenrechten kommt dieses absolutistisch regierte Land ein wenig voran und erstmals wurde seitens Saudi-Arabien ein Existenzrecht Israels anerkannt... das ist schon ein "Kracher" und wird in den Medien viel zu wenig beachtet, wie schnell dort derzeit in Saudi-Arabien Reformen und Umwälzungen kommen. Da kann man nur hoffen, dass dieser neue Königsanwärter noch ein paar Jahre länger macht, damit die Achse Saudi-Arabien/Israel sich verstärkt.

    Aber klar immer noch "liegt" Saudi-Arabien bei LSBTI und anderen Menschenrechten weit zurück, was für viele islamisch geprägte Staaaten weltweit der Fall ist.
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#2 von_hinten_genommenAnonym
  • 04.04.2018, 17:06h
  • :'-( Interveniert Amnesty International bezüglich dieser Foltereien? Es muss aufhören.
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#3 intervenösAnonym