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Hormone abgesetzt

Trotz Verbot: Finnischer trans Mann bringt Kind zur Welt

Er wolle sich von der Gesellschaft nicht "diktieren" lassen, was er zu tun habe, begründete der Vater seinen Verstoß gegen die vorgeschriebene Unfruchtbarkeit bei einer Geschlechtsanpassung.


Auch Männer können schwanger werden (Symbolfoto) (Bild: emifaulk / flickr)

Zum ersten Mal hat in Finnland ein trans Mann ein Kind zur Welt gebracht. Dies berichtete am Mittwoch der regionale Nachrichtenverbund "Lännen Media". Bei der Geburt vor zwei Wochen sei das gesunde Baby nach Angaben des Vaters 53 Zentimeter groß gewesen und habe knapp vier Kilogramm gewogen.

Der Name des trans Mannes aus der Nähe von Helsinki wurde im Bericht nicht genannt, um die Privatsphäre der Familie des Mittdreißigers zu schützen. Zudem ist die Geburt ein Verstoß gegen finnisches Recht. Vor einer Geschlechtsanpassung müssen trans Menschen in dem nordischen Land gegenüber den Behörden eigentlich ihre Unfruchtbarkeit nachweisen.

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Monatsblutungen nach Abbruch der Therapie

Der Vater hatte sich zwar 2015 zur Transition entschlossen und zwei Jahre lang einer Hormontherapie unterzogen, die Behandlung aber abgebrochen. Er bekam wieder Monatsblutungen und versuchte dann, von seinem Partner schwanger zu werden. In der Praxis erklären finnische Ärzte trans Männer nach einer längeren Testosteron-Therapie für unfruchtbar, ohne die weitere Einnahme der Hormone zu überprüfen.

Finnlands erster trans Vater verteidigte seinen Verstoß gegen die Bestimmungen. Er wolle sich von der Gesellschaft nicht "diktieren" lassen, was er zu tun habe, meinte er bereits während seiner Schwangerschaft in einem Interview mit der Tageszeitung "Helsingin Sanomat". "Nichts kann mich aufhalten. Ich bin ein freier Mann." Er kündigte zudem an, sein Kind geschlechtsneutral aufziehen zu wollen. Er wolle von ihm "Daddy" genannt werden.

Zwangsterilisation mit Menschenrechten unvereinbar

Finnland ist das letzte nordische Land, dass noch immer Unfruchtbarkeit als Voraussetzung einer Geschlechtsanpassung verlangt. Das schwedische Parlament hatte ein entsprechendes Gesetz bereits 2013 abgeschafft und Ende März sogar beschlossen, den 600 bis 700 betroffenen Personen eine Entschädigung in Höhe von 225.000 Kronen (ca. 22.500 Euro) zu zahlen (queer.de berichtete).

Im deutschen Transsexuellengesetz aus dem Jahr 1981 wird die Zwangssterilisation zwar vorgeschrieben. Allerdings erklärte das Bundesverfassungsgericht 2011 diese Vorschrift als grundgesetzwidrig, weil sie gegen die Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit verstößt (queer.de berichtete). Dieser Teil des Gesetzes darf damit nicht mehr angewandt werden. Bislang hat es keine Bundesregierung geschafft, ein neues verfassungsgemäßes Transsexuellengesetz vorzulegen.

Im vergangenen Jahr entschied auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass trans Menschen nicht dazu gezwungen werden dürfen, sich fortpflanzungsunfähig machen zu lassen (queer.de berichtete). Dies verstößt gegen Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention, der das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens garantiert. (cw)



#1 Patroklos
#2 Homonklin44Profil
  • 05.04.2018, 10:59hTauroa Point
  • ""Dies verstößt gegen Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention, der das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens garantiert. ""

    Very interesting. Thank you.
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#3 TraumzerstörerinAnonym
  • 05.04.2018, 11:56h
  • Richtig so, man sollte sich sein Recht auf Reproduktion und körperliche Unversehrtheit nicht von irgendwelchen eugenischen Regierungen und auch nicht von misiatrophischen Hedonisten im Regenbogen-Gewand nehmen lassen! (Oder gar Natur-Gläubigen Humanismus-Aposteln)

    Familie gehört zum Menschsein dazu!
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#4 TimonAnonym
  • 05.04.2018, 13:30h
  • Richtig so.

    Nur weil man trans ist, heißt das doch nicht, dass man keine Kinder aufziehen kann.

    Solche de-facto-Zwangssterilisationen erinnern an übelste Kapitel europäischer Geschichte.
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#5 DominikAnonym
  • 05.04.2018, 14:47h
  • Na ja, streng biologisch gesehen hat natürlich nicht ein Mann das Kind zur Welt gebracht, sondern eine Frau. Am Chromosomensatz dieses Menschen hat sich natürlich nichts geändert, und solange da eine funktionstüchtige Gebärmutter sitzt...

    Ist natürlich richtig, diesen Menschen jetzt als Mann oder Trans-Mann zu bezeichnen. Ein veränderbares Gender und die Anerkennung von Transsexualität ist der gute und richtige Fortschritt in einer freiheitlichen und aufgeklärten Gesellschaft. Aber streng genetisch gesehen hat sich da natürlich nichts geändert, sodass die Überschrift "Mann bringt Kind zur Welt" natürlich auch was irreführend ist.
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#6 AlexusAnonym
  • 05.04.2018, 15:13h
  • Herzlichen Glückwunsch nach Finnland zu den beiden Vätern.
    Ich freue mich immer häufiger von Schwangerschaften und Geburten durch trans Männer zu lesen.
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#7 von_hinten_genommenAnonym
  • 05.04.2018, 15:58h
  • Congratulations to your child :-)

    Es ist unglaublich, mit welchen unmenschlichen Gesetzen Diskriminierung und körperlicher Schaden angerichtet wird.
    Es freut mich, dass sich ein Paar widersetzt hat und zeigt, was ganz normal ist.
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#8 KorrekturAnonym
#9 Katzenmutti LYdiaAnonym
#10 DominikAnonym
  • 05.04.2018, 21:35h
  • Antwort auf #9 von Katzenmutti LYdia
  • Tu ich nicht. Aber man muss unterscheiden zwischen biologischem Geschlecht (engl. sex) und sozialem Geschlecht (gender). Gegen naturwissenschaftliche Fakten zu argumentieren, halte ich für schwierig. XX-Chromosomensatz ist halt im biologischen Sinne weiblich, XY-Chromosomensatz im biologischen Sinne männlich.

    Nichts anderes will ich sagen.
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