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Mahnwache

#chechnya100: Am Samstag Flagge zeigen in Berlin!

Für Samstagnachmittag rufen Gruppen zu einer Kundgebung vor der russischen Botschaft in Berlin auf, um ein Zeichen gegen die LGBTI-Verfolgung in Tschetschenien zu setzen.


Mehrtägige Kundgebung zur Verfolgung schwuler Männer in Tschetschenien im letzten Jahr vor dem Bundeskanzleramt (Bild: Florian Filtzinger / facebook)

  • 5. April 2018, 13:54h, noch kein Kommentar

Am 1. April 2017 schockte ein Bericht der russischen Zeitung "Nowaja Gaseta" die Welt: In der autoritär regierten, teilautonomen Republik Tschetschenien seien über 100 Männer von Sicherheitskräften wegen vermuteter Homosexualität verschleppt und in Lagern außergesetzlich festgehalten und gefoltert worden, an der Seite von ebenfalls inhaftierten Drogensüchtigen oder vermeintlichen Terrorverdächtigen (queer.de berichtete).

Mehrere Männer starben bei der geheimen wie illegalen Prozedur, andere seien an Verwandte mit einer indirekten Tötungsaufforderung übergeben worden, bestätigten später Berichte u.a. des russischen LGBT Network und von Human Rights Watch. Ein internationaler Aufschrei stoppte die große Verfolgungswelle, doch immer wieder gibt es Meldungen über neue Verschleppungen.

Anlässlich des Jahrestags des "Gaseta"-Berichts – und anlässlich aktueller Befürchtungen über neue Verfolgungen – haben mehrere Gruppen für diesen Samstag zu einer Kundgebung vor der russischen Botschaft aufgerufen (ab 16 Uhr, Unter den Linden 63-65).

"Keine Besserung, keine Aufklärung"

"Am Samstag, den 7. April, gehen Menschen überall auf der Welt auf die Straße, um diejenigen zu ehren, die vor einem Jahr von uns gegangen sind, und um von den russischen Behörden Gerechtigkeit einzufordern", heißt es in der Einladung bei Facebook. Kundgebungen gibt es u.a. auch in London, Stockholm, Rom und Mexiko-Stadt.


Die deutsche Grafik zu den weltweiten Kundgebung am Samstag

Zu den Kundgebungen ruft die weltweite Organisation Allout auf, in Berlin ergänzt um den Verein Quarteera, der russischsprachige LGBTI in Deutschland vereint, um das Aktionsbündnis gegen Homophobie, Queeramnesty Berlin, Ralph Ehrlich und Florian Filtzinger. Der Aktivist hatte im letzten Jahr mit der mehrtägigen Kundgebung "ChechnyaStreetDays" vor dem Bundeskanzleramt Angela Merkel aufgefordert, gegenüber dem russischen Präsidenten das Thema anzusprechen – was sie wie viele westliche Politiker auch ausdrücklich tat (queer.de berichtete).

Doch es gebe "keine Besserung", beklagen die Aktivisten fast ein Jahr später, "keine Aufklärung und keine Gerechtigkeit. Folter, Verfolgung und willkürliche Verhaftungen sind weiterhin allgegenwärtig." Die Veranstalter bitten deshalb, zahlreich zu der Kundgebung zu erscheinen, mit Regenbogen- und Transpride-Flaggen und wenn möglich "gekleidet in Rot aus Solidarität mit unseren Brüdern und Schwestern in Tschetschenien."

Sorge um lesbische und transsexuelle Frauen

Am Dienstag hatte Igor Koschetkow vom LGBT Network zusammen mit der "Gaseta"-Journalistin Elena Milaschina bei einer Pressekonferenz in Moskau einen Überblick über die aktuelle Lage gegeben. So habe man Hinweise, dass derzeit einige Lesben und Transfrauen von Sicherheitskräften nicht nur außergesetzlich in Lagern festgehalten, geschlagen und gefoltert, sondern auch sexuell missbraucht würden (queer.de berichtete).


Auch an ihn wird man in Berlin denken: Maxim Punow, der im letzten Herbst bei einer Pressekonferenz als erster Betroffener öffentlich über seine Folter in Grosny sprach (queer.de berichtete). Aus seiner Strafanzeige folgte bisher nichts konkretes

Die Aktivisten beklagten auch, dass die zuständige föderale russische Staatsanwaltschaft bereits bei den Vorermittlungen zu den Verbrechen kein Engagement zeige, während Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow diese Verfolgung weiter abstreitet. Bisher konnte das LGBT Network 114 Menschen bei der Flucht aus der Region helfen – nach einem Zwischenstopp in Unterkünften des Verbands zumeist ins Ausland, darunter Deutschland. Die Arbeit lässt sich mit Spenden unterstützen. Mehr zur aktuellen Lage in diesem Bericht. (nb)

 Update  21.50h: Kundgebung auch in München
Für Samstag lädt Munich Kyiv Queer zusammen mit All Out und dem Aktionsbündnis gegen Homophobie auch zu einer Mahnwache ab 16 Uhr am Europaplatz, in Sichtweite des russischen Generalkonsulates. Der Termin bei Facebook, queer.de.

Global SpeakOut for Chechnya

Berlin: Samstag, 7. April, 16 bis 17 Uhr vor der Russischen Botschaft in Deutschland, Unter den Linden 63-65, 10117 Berlin.

München: Samstag, 7. April, 16 bis 17 Uhr auf dem Europlatz, 81675 München.

Regenbogen- und Transpride-Flaggen sind bei beiden Veranstaltungen ebenso erbeten wie rote Kleidung.